Was macht ein Analyst?
Am Anfang steht meist eine Frage: Warum sinkt der Umsatz in einer Region? Lohnt sich der Einstieg in einen neuen Markt? Wie hoch ist das Ausfallrisiko eines Kredits? Analysten beschaffen dafür Daten, prüfen sie auf Lücken und Fehler, rechnen Modelle und schreiben die Ergebnisse so auf, dass Fachfremde damit arbeiten können. Der Arbeitstag besteht zu großen Teilen aus Tabellenkalkulation, SQL-Abfragen, Datenbanken und Auswertungswerkzeugen wie Power BI oder Tableau, dazu kommen Recherche in Studien und Geschäftsberichten sowie Gespräche mit den Abteilungen, die die Zahlen liefern oder brauchen.
Die Bezeichnung ist eine Sammelbezeichnung. Ein Financial Analyst bewertet Unternehmen und Investitionen, ein Business Analyst übersetzt fachliche Anforderungen in Vorgaben für IT-Projekte, ein Data Analyst arbeitet mit großen Datenmengen, ein Risikoanalyst rechnet Szenarien, ein Marktanalyst beobachtet Wettbewerber. Gemeinsam ist allen, dass sie nicht selbst entscheiden, sondern Entscheidungen vorbereiten - und dafür Verantwortung tragen, wenn eine Zahl nicht stimmt.
Wie wird man Analyst?
Der übliche Weg ist ein Hochschulstudium, meist Betriebswirtschaft, Volkswirtschaft, Wirtschaftsinformatik, Statistik, Mathematik oder ein naturwissenschaftliches Fach. Viele Arbeitgeber setzen einen Master voraus, in der Finanzbranche häufiger als im Handel oder in der Industrie. Praktika und Werkstudentenstellen entscheiden beim Einstieg oft mehr als die Note.
Ein Quereinstieg ist möglich und nicht selten: Wer aus dem Controlling, dem Vertriebsinnendienst oder der Sachbearbeitung kommt und sich SQL, Python und Visualisierung angeeignet hat, kann intern in eine Analystenrolle wechseln. Zertifikate wie CFA für Finanzanalyse, CIMA-Zertifikate oder Herstellerkurse zu Analysewerkzeugen helfen dabei, ersetzen aber keine praktische Erfahrung mit unsauberen Daten.
Was der Beruf verlangt
Gearbeitet wird im Büro oder im Homeoffice, meist zu regulären Zeiten. Zu Quartalsabschlüssen, Budgetrunden oder in der Transaktionsberatung wird es allerdings deutlich länger, in Investmentbanking und Unternehmensberatung sind Wochen mit sechzig Stunden und mehr üblich. Der Beruf ist sitzend und bildschirmintensiv.
Schwer fällt vielen der unspektakuläre Teil: Ein großer Anteil der Zeit geht in das Aufräumen fehlerhafter Datensätze, nicht in die Analyse. Dazu kommt, dass Ergebnisse manchmal nicht gefragt sind, weil sie einer bereits getroffenen Entscheidung widersprechen. Wer Widerspruch schlecht erträgt oder Zahlen nicht gegen Nachfragen verteidigen kann, hat es schwer. Sorgfalt ist Pflicht - ein Vorzeichenfehler in einer Vorlage für die Geschäftsführung fällt auf.
Aussichten
Die Nachfrage ist stabil bis steigend, besonders für Profile, die fachliches Verständnis mit technischen Fähigkeiten verbinden. Einfache Berichtserstellung wird zunehmend automatisiert; wer nur Standardauswertungen zusammenklickt, gerät unter Druck. Wer Modelle bauen, Datenpipelines verstehen und Ergebnisse überzeugend präsentieren kann, ist gesucht.
Entwicklungswege führen zum Senior Analyst, zur Teamleitung im Controlling oder in der Datenabteilung, in Richtung Data Scientist oder Data Engineer, in die Beratung oder in Fachfunktionen wie Portfoliomanagement und Produktentwicklung. Der Wechsel zwischen Branchen ist möglich, kostet aber Einarbeitungszeit, weil das Fachwissen zur Branche einen großen Teil der Arbeit ausmacht.