Vertriebsingenieur
Vertriebsingenieure verkaufen technisch komplexe Produkte wie Maschinen, Anlagen, Antriebstechnik oder Automatisierungslösungen. Sie verbinden Ingenieurwissen mit Kundenberatung, klären Anforderungen und erstellen Angebote.
16 offene Stellen zu diesem Beruf im aktuellen Bestand.
Was man als Vertriebsingenieur verdient
| Erfahrung | Von | Median | Bis | Jahresbrutto | Verhältnis |
|---|---|---|---|---|---|
| Berufseinstieg | 3.800 € | 4.400 € | 5.000 € | 52.800 € | |
| Mit Berufserfahrung | 4.800 € | 5.700 € | 6.800 € | 68.400 € | |
| Mit langjähriger Erfahrung | 6.000 € | 7.300 € | 9.500 € | 87.600 € |
Ein Teil des Gehalts ist meist variabel und hängt an Umsatz- oder Zielvereinbarungen, typisch sind zehn bis dreißig Prozent des Jahresbezugs. Tarifgebundene Betriebe der Metall- und Elektroindustrie zahlen nach IG-Metall-Tarif deutlich planbarer; in kleineren Handelsunternehmen liegen die Grundgehälter niedriger, der Provisionsanteil dafür höher. Ein Dienstwagen ist im Außendienst üblich und in den genannten Zahlen nicht enthalten.
Die Werte sind Orientierungswerte und keine amtliche Statistik. Sie sind aus öffentlich verfügbaren Erhebungen, Tarifwerken und Stellenanzeigen abgeleitet und auf volle Euro gerundet. Im Einzelfall entscheiden Betrieb, Tarifbindung, Region, Qualifikation und Verhandlung – die Abweichung nach oben wie nach unten kann erheblich sein.
Das Jahresbrutto ist das 12-fache des Monatswertes. Urlaubs- und Weihnachtsgeld sind nicht enthalten, weil sie sich von Branche zu Branche unterscheiden.
Das Berufsbild
Was macht ein Vertriebsingenieur?
Vertriebsingenieure sind die Schnittstelle zwischen Technik und Kunde. Sie beraten Industriekunden, die eine Pumpe, eine Steuerung, eine Fertigungslinie oder ein Messsystem brauchen, und klären dabei zuerst, welche technischen Anforderungen tatsächlich bestehen: Durchsatz, Toleranzen, Schnittstellen, Normen, Umgebungsbedingungen. Aus diesen Angaben entsteht eine Auslegung, oft in Abstimmung mit der Konstruktion oder dem Produktmanagement im eigenen Haus.
Danach folgt der kaufmännische Teil. Angebote werden kalkuliert, Preise und Lieferzeiten mit der Fertigung abgestimmt, Rahmenverträge verhandelt. Ein großer Teil der Arbeitszeit geht für Kundenbesuche, Messen, Werksvorführungen und Videokonferenzen drauf, ein anderer für Dokumentation im CRM-System, Nachverfolgung von Anfragen und Umsatzberichte an die Vertriebsleitung. Nach dem Auftrag bleibt der Vertriebsingenieur häufig Ansprechpartner bei Inbetriebnahme, Reklamationen und Ersatzteilfragen.
Wie wird man Vertriebsingenieur?
Der übliche Weg ist ein Ingenieurstudium: Maschinenbau, Elektrotechnik, Mechatronik, Verfahrenstechnik oder Wirtschaftsingenieurwesen, Bachelor oder Master. Ein eigener Studiengang für technischen Vertrieb existiert an einigen Hochschulen, ist aber nicht die Regel. Viele steigen nach ein paar Jahren in Konstruktion, Applikation oder Service in den Vertrieb um, weil sie das Produkt bereits kennen. Auch Technikerinnen und Meister mit langer Produkterfahrung arbeiten in dieser Funktion, häufig im Innendienst oder bei kleineren Herstellern. Verkaufstechnik, Vertragsrecht und Verhandlungsführung werden meist im Betrieb und über Seminare gelernt, nicht im Studium.
Was der Beruf verlangt
Der Beruf lebt von Zielen. Umsatzvorgaben werden quartalsweise gemessen, ein variabler Gehaltsanteil hängt daran, und schwache Monate spürt man unmittelbar. Wer Absagen schlecht wegsteckt oder ungern auf Menschen zugeht, wird im Außendienst nicht glücklich. Reisetätigkeit von einem bis drei Tagen pro Woche ist normal, bei internationalen Gebieten kommen längere Auslandsreisen und Zeitzonen dazu. Abende im Hotel, Termine am Rand der Arbeitszeit und Messewochenenden gehören dazu; Teilzeit ist im Außendienst selten und schwer zu organisieren.
Fachlich wird verlangt, dass man technisch glaubwürdig bleibt, ohne in die Tiefe eines Entwicklers zu gehen. Gleichzeitig muss man Preise verteidigen, interne Konflikte zwischen Fertigung und Kundenwunsch aushalten und Verzögerungen erklären, für die man nicht verantwortlich ist. Englisch ist Voraussetzung, in vielen Häusern auch Verhandlungssprache. Ein Führerschein und die Bereitschaft, viel Zeit im Auto zu verbringen, sind praktisch unverzichtbar.
Aussichten
Die Nachfrage ist stabil und in vielen Branchen hoch, weil Unternehmen Leute mit technischem Verständnis und Verkaufsfähigkeit schwer finden. Besonders gesucht sind Vertriebsingenieure in der Automatisierung, in der Energie- und Antriebstechnik, in der Medizintechnik und im Anlagenbau. Konjunkturschwankungen im Maschinenbau wirken sich allerdings direkt aus: Bei schwachen Auftragslagen sinken die variablen Anteile, und Vertriebsgebiete werden zusammengelegt.
Entwicklungswege führen zur Key-Account-Betreuung großer Kunden, zur Leitung eines Vertriebsgebiets oder einer Region, ins Produktmanagement oder in die Geschäftsführung kleinerer Tochtergesellschaften. Wer international arbeiten will, findet in Exportabteilungen und bei Auslandsniederlassungen gute Möglichkeiten.
Aufgaben
- technische Anforderungen von Kunden aufnehmen und bewerten
- Produkte und Lösungen beim Kunden vorstellen und vorführen
- Angebote kalkulieren und Preise verhandeln
- Auslegungen mit Konstruktion und Produktmanagement abstimmen
- Bestandskunden betreuen und neue Kunden gewinnen
- Messen, Fachtagungen und Kundenschulungen begleiten
- Anfragen, Besuche und Umsätze im CRM-System dokumentieren
- bei Reklamationen und Inbetriebnahmen zwischen Kunde und Werk vermitteln
Voraussetzungen
- abgeschlossenes Ingenieurstudium, etwa Maschinenbau, Elektrotechnik oder Wirtschaftsingenieurwesen, oder vergleichbare Technikerqualifikation mit Produkterfahrung
- technisches Verständnis für die eigene Produktwelt und Bereitschaft, sich in Kundenprozesse einzudenken
- Kommunikationsstärke, Verhandlungsgeschick und Belastbarkeit bei Absagen
- Englisch verhandlungssicher, weitere Fremdsprachen je nach Gebiet
- Reisebereitschaft und Führerschein Klasse B
- Grundkenntnisse in Kalkulation, Vertragsrecht und CRM-Systemen
Wo man arbeitet
- Maschinen- und Anlagenbauunternehmen
- Hersteller von Elektrotechnik, Automatisierung und Antriebstechnik
- technische Handels- und Distributionsunternehmen
- Medizintechnik- und Messtechnikhersteller
- Ingenieur- und Systemhäuser
- Auslandsniederlassungen und Vertriebsbüros
Der Weg in den Beruf
Üblich ist ein Bachelor- oder Masterstudium in einer Ingenieurdisziplin mit sechs bis zehn Semestern Dauer, gern ergänzt um wirtschaftliche Anteile. Der Einstieg erfolgt häufig über den Vertriebsinnendienst, die Applikationstechnik oder ein Traineeprogramm, bevor eigene Kunden und ein Gebiet übernommen werden. Vertriebswissen wird berufsbegleitend über interne Schulungen und Seminare erworben.
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