Was macht ein Transfer Pricing Manager?
Wenn eine deutsche Konzernmutter Bauteile an ihre Tochter in Mexiko liefert, Lizenzen an eine Gesellschaft in Irland vergibt oder zentrale IT-Leistungen an zwanzig Landesgesellschaften weiterverrechnet, muss für jede dieser Transaktionen ein Preis festgelegt werden. Dieser Preis entscheidet, in welchem Land welcher Gewinn anfällt - und damit, welcher Fiskus Steuern erhebt. Transfer Pricing Manager legen diese Preise nach steuerlichen Regeln fest, begründen sie und verteidigen sie gegenüber Finanzverwaltungen.
Der Alltag besteht aus Analyse und Dokumentation. Es werden Funktionen und Risiken der beteiligten Gesellschaften abgegrenzt, Datenbankstudien zu vergleichbaren Fremdpreisen durchgeführt, Margen von Vertriebs- oder Produktionsgesellschaften überwacht und Jahresendanpassungen berechnet. Dazu kommt die Erstellung von Master File und Local Files, die Länderberichterstattung sowie die Begleitung von Betriebsprüfungen, in denen einzelne Verrechnungspreise über Jahre hinweg diskutiert werden. Viel Zeit geht in Gespräche: mit Controlling über Kostenbasen, mit dem Einkauf über Lieferbeziehungen, mit lokalen Steuerabteilungen über nationale Sonderregeln.
Wie wird man Transfer Pricing Manager?
Üblich ist ein Studium in Betriebswirtschaft mit Schwerpunkt Steuern, in Wirtschaftsrecht, Volkswirtschaft oder Finance. Der Einstieg erfolgt meist über eine der großen Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaften, die eigene Transfer-Pricing-Abteilungen unterhalten und Berufsanfänger systematisch einarbeiten. Nach einigen Jahren wechseln viele in die Steuerabteilung eines Konzerns. Die Managerrolle wird in der Beratung meist nach vier bis sechs Jahren erreicht.
Das Steuerberaterexamen ist nicht zwingend, öffnet aber Türen und wird von vielen Arbeitgebern gefördert. Volkswirte und Ökonometriker steigen ebenfalls ein, weil Vergleichbarkeitsanalysen und Wertschöpfungsmodelle statistisches Handwerk erfordern. Ein Quereinstieg aus dem Konzerncontrolling oder aus der internationalen Steuerberatung ist möglich, verlangt aber Einarbeitung in die OECD-Verrechnungspreisleitlinien und das Außensteuergesetz.
Was der Beruf verlangt
Die Arbeit ist textlastig und detailgenau. Wer schnelle Ergebnisse und klare Antworten sucht, wird enttäuscht: Verrechnungspreise sind Auslegungssache, und dieselbe Struktur kann in zwei Ländern unterschiedlich bewertet werden. Vieles wird auf Englisch verhandelt und geschrieben.
In der Beratung sind die Arbeitszeiten in Dokumentationsphasen und bei Prüfungsterminen lang, Sechzig-Stunden-Wochen kommen vor. Im Konzern ist die Belastung gleichmäßiger, dafür wiederkehrender. Reisen zu Tochtergesellschaften oder Prüfungsterminen gehören dazu, wenn auch weniger als früher. Belastend empfinden viele die Verantwortung: Fehlerhafte Dokumentation kann zu Doppelbesteuerung und Nachzahlungen in Millionenhöhe führen, und Verfahren zur Streitbeilegung zwischen zwei Staaten dauern Jahre.
Aussichten
Die Nachfrage ist hoch und stabil. Länder verschärfen Dokumentationspflichten, Betriebsprüfungen werden intensiver, und die globale Mindeststeuer hat den Bedarf an Fachleuten weiter erhöht. Es gibt deutlich mehr offene Stellen als Bewerber mit Erfahrung. Entwicklungswege führen zum Senior Manager und Partner in der Beratung oder zur Leitung des Bereichs Verrechnungspreise beziehungsweise der gesamten Konzernsteuerabteilung. Auch Spezialisierungen sind möglich, etwa auf Finanztransaktionen, immaterielle Werte oder Verständigungsverfahren.