Technischer Einkäufer
Technische Einkäufer beschaffen Bauteile, Materialien und Dienstleistungen für die Produktion. Sie verhandeln Preise und Lieferbedingungen, bewerten Lieferanten und müssen technische Zeichnungen und Spezifikationen lesen können.
25 offene Stellen zu diesem Beruf im aktuellen Bestand.
Was man als Technischer Einkäufer verdient
| Erfahrung | Von | Median | Bis | Jahresbrutto | Verhältnis |
|---|---|---|---|---|---|
| Berufseinstieg | 3.100 € | 3.600 € | 4.200 € | 43.200 € | |
| Mit Berufserfahrung | 3.900 € | 4.600 € | 5.400 € | 55.200 € | |
| Mit langjähriger Erfahrung | 5.000 € | 6.000 € | 7.500 € | 72.000 € |
Entscheidend sind Branche und Tarifbindung: In Betrieben mit Tarifvertrag der Metall- und Elektroindustrie liegen die Gehälter deutlich über denen kleiner nicht tarifgebundener Zulieferer. Verantwortung für ein hohes Einkaufsvolumen, internationale Beschaffung und variable Zielprämien heben das Einkommen zusätzlich.
Die Werte sind Orientierungswerte und keine amtliche Statistik. Sie sind aus öffentlich verfügbaren Erhebungen, Tarifwerken und Stellenanzeigen abgeleitet und auf volle Euro gerundet. Im Einzelfall entscheiden Betrieb, Tarifbindung, Region, Qualifikation und Verhandlung – die Abweichung nach oben wie nach unten kann erheblich sein.
Das Jahresbrutto ist das 12-fache des Monatswertes. Urlaubs- und Weihnachtsgeld sind nicht enthalten, weil sie sich von Branche zu Branche unterscheiden.
Das Berufsbild
Was macht ein technischer Einkäufer?
Technische Einkäufer kaufen alles ein, was ein Industriebetrieb zur Herstellung seiner Produkte braucht: Drehteile, Gussrohlinge, Elektronikkomponenten, Kunststoffgehäuse, Werkzeuge, Baugruppen, aber auch Fertigungsdienstleistungen wie Lackieren oder Wärmebehandlung. Der Unterschied zum kaufmännischen Einkauf liegt im Gegenstand: Wer ein Bauteil beschafft, muss verstehen, was auf der Zeichnung steht, welche Toleranz kritisch ist und ob ein alternativer Werkstoff die Funktion beeinträchtigt.
Der Alltag besteht aus Anfragen an Lieferanten, dem Vergleich von Angeboten, Preisverhandlungen und der Pflege von Bestellungen und Rahmenverträgen im ERP-System. Dazu kommt viel Abstimmung: mit der Konstruktion über machbare und günstigere Lösungen, mit der Fertigungsplanung über Termine, mit der Qualitätssicherung über Reklamationen. Wenn ein Teil fehlt und die Linie steht, ist der Einkauf derjenige, der telefoniert, eskaliert und Ersatzquellen sucht. Ein Teil der Arbeit ist strategisch angelegt: Märkte beobachten, neue Lieferanten suchen und auditieren, Warengruppen bündeln, Einsparziele erreichen.
Wie wird man technischer Einkäufer?
Es gibt keine eigene Ausbildung. Üblich sind zwei Wege. Der eine führt über eine technische Ausbildung, etwa als Industriemechaniker, Zerspanungsmechaniker oder Elektroniker, oft ergänzt durch eine Weiterbildung zum Technischen Fachwirt, Industriefachwirt oder Technischen Betriebswirt. Der andere führt über eine kaufmännische Ausbildung als Industriekaufmann mit anschließender Einarbeitung in die Technik oder über ein Studium in Wirtschaftsingenieurwesen, Maschinenbau oder Betriebswirtschaft mit Schwerpunkt Supply Chain.
Ein Quereinstieg aus der Fertigung, der Arbeitsvorbereitung oder dem technischen Vertrieb ist verbreitet und in vielen Betrieben der Normalfall. Wichtig ist die Kombination: technisches Verständnis plus Verhandlungssicherheit. Englisch wird fast überall gebraucht, weil Lieferanten in Osteuropa und Asien sitzen.
Was der Beruf verlangt
Der Beruf läuft in der Regel in Gleitzeit an normalen Werktagen, teils mit Homeoffice-Anteil. Belastend ist weniger die Arbeitszeit als der Druck: Der Einkauf trägt die Verantwortung dafür, dass Material da ist, und wird gleichzeitig an Kosteneinsparungen gemessen. Lieferengpässe, Preissteigerungen und kurzfristige Änderungen aus der Konstruktion machen Planung schwer. Wer Konflikte scheut, tut sich schwer, denn Verhandlungen mit Lieferanten und Diskussionen mit internen Abteilungen gehören zum Kern der Aufgabe.
Dazu kommt viel Detailarbeit: Preislisten, Stücklisten, Terminlisten, Reklamationsvorgänge. Reisetätigkeit zu Lieferanten und Messen fällt an, im internationalen Einkauf auch längere Reisen. Fehler sind teuer und sichtbar, weil sie unmittelbar die Fertigung treffen.
Aussichten
Die Nachfrage ist stabil, besonders im Maschinen- und Anlagenbau, in der Automobilzulieferung, der Elektroindustrie und der Medizintechnik. Störanfällige Lieferketten haben den Einkauf in vielen Unternehmen aufgewertet. Entwicklungswege führen zum Lead Buyer für eine Warengruppe, zum strategischen Einkäufer, zur Teamleitung oder zum Einkaufsleiter. Wer sich in Richtung Supply Chain Management, Lieferantenentwicklung oder Qualitätsmanagement weiterbildet, erweitert seine Möglichkeiten. Kenntnisse in ERP-Systemen und in der Auswertung von Beschaffungsdaten werden zunehmend erwartet.
Aufgaben
- Anfragen erstellen und Angebote technisch und kaufmännisch vergleichen
- Preise, Liefertermine und Rahmenverträge mit Lieferanten verhandeln
- technische Zeichnungen und Spezifikationen prüfen und mit der Konstruktion abstimmen
- Bestellungen im ERP-System anlegen und Liefertermine verfolgen
- neue Lieferanten suchen, bewerten und gemeinsam mit der Qualitätssicherung freigeben
- Reklamationen und Lieferverzögerungen bearbeiten und Ersatzquellen organisieren
- Warengruppen analysieren und Einsparpotenziale ermitteln
Voraussetzungen
- technische oder kaufmännische Ausbildung, häufig mit Weiterbildung, oder ein technisch-wirtschaftliches Studium
- Fähigkeit, technische Zeichnungen und Stücklisten zu lesen
- Verhandlungsgeschick und Durchsetzungsvermögen
- sicherer Umgang mit ERP-Systemen und Tabellenkalkulation
- Englisch in Wort und Schrift, weitere Sprachen von Vorteil
- Bereitschaft zu Lieferantenbesuchen und Dienstreisen
Wo man arbeitet
- Maschinen- und Anlagenbau
- Automobilzulieferer
- Elektro- und Elektronikindustrie
- Medizintechnik und Kunststoffverarbeitung
- Handelsunternehmen mit technischen Produkten
Der Weg in den Beruf
Der übliche Weg beginnt mit einer dreieinhalbjährigen technischen oder einer dreijährigen kaufmännischen Ausbildung, ergänzt um eine Weiterbildung zum Technischen Fachwirt oder Technischen Betriebswirt. Alternativ führt ein Bachelorstudium in Wirtschaftsingenieurwesen, Maschinenbau oder Betriebswirtschaft mit Beschaffungsschwerpunkt in sechs bis sieben Semestern in den Beruf. In beiden Fällen folgt eine Einarbeitungszeit im operativen Einkauf.
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