Was macht ein Statiker?
Statiker, im Fachjargon Tragwerksplaner, sorgen dafür, dass ein Bauwerk hält. Sie ermitteln, welche Lasten auf ein Gebäude wirken - Eigengewicht, Verkehr, Schnee, Wind, Erddruck, bei Brücken auch Bremskräfte -, und weisen nach, dass Fundamente, Stützen, Decken, Wände und Dachtragwerke diesen Lasten standhalten. Der Arbeitstag besteht überwiegend aus Rechnen und Zeichnen am Bildschirm: Tragwerke werden in Stabwerks- oder FEM-Programmen abgebildet, Querschnitte bemessen, Bewehrung festgelegt, Anschlüsse von Stahlbauteilen detailliert. Daraus entstehen statische Berechnungen, Positionspläne, Schal- und Bewehrungspläne sowie Stahlbaudetails.
Dazu kommt viel Abstimmung. Architekten wollen schlanke Bauteile und große Spannweiten, die Haustechnik will Durchbrüche in Decken und Trägern, der Bauherr will Kosten sparen. Statiker prüfen, was davon tragfähig ist, und schlagen Alternativen vor. Im Bestand kommen Bauteiluntersuchungen, Materialproben und Nachweise für Umbauten oder Aufstockungen hinzu. Manche arbeiten auf der Prüfseite und kontrollieren als Prüfingenieur die Nachweise anderer Büros.
Wie wird man Statiker?
Üblich ist ein Studium des Bauingenieurwesens an einer Hochschule oder Universität, meist Bachelor und darauf ein Master mit Schwerpunkt Konstruktiver Ingenieurbau. Der Master ist keine Formalie: Für anspruchsvolle Tragwerke, für die Bauvorlageberechtigung in vielen Bundesländern und für den Weg zum Prüfingenieur ist er praktisch Voraussetzung. Wer nur den Bachelor hat, arbeitet häufig länger unter Anleitung an einfacheren Positionen.
Einstiege gibt es auch aus verwandten Studiengängen wie Konstruktiver Ingenieurbau oder Maschinenbau mit Berechnungsschwerpunkt, dann meist im Stahl- oder Anlagenbau. Bauzeichner und Bautechniker können in Tragwerksplanungsbüros mitarbeiten, etwa bei Bewehrungsplänen, dürfen aber keine Nachweise verantworten. Ein echter Quereinstieg ohne einschlägiges Studium ist in diesem Beruf kaum möglich, weil die Haftung an der Qualifikation hängt.
Was der Beruf verlangt
Statik ist Verantwortung. Ein Rechenfehler kann Menschen gefährden, und die Haftung für Nachweise reicht Jahre über die Fertigstellung hinaus. Das verlangt Genauigkeit, Selbstkontrolle und die Bereitschaft, eigene Ergebnisse zu hinterfragen, auch unter Zeitdruck. Termindruck ist die Regel: Baustellen warten nicht auf Bewehrungspläne, und Planungsänderungen kommen spät.
Die Arbeit ist überwiegend sitzend und bildschirmintensiv, unterbrochen von Baustellenterminen und Bestandsaufnahmen, bei denen es auch mal auf Leitern, in Kriechkeller oder auf Gerüste geht. Wer Zahlen und Normen nicht mag, wird unglücklich: Eurocodes, Landesbauordnungen und technische Regeln bestimmen den Alltag und ändern sich regelmäßig. Überstunden sind in kleineren Büros verbreitet, Wochenendarbeit vor Abgabeterminen kommt vor.
Aussichten
Qualifizierte Tragwerksplaner sind seit Jahren knapp, besonders im Bestandsbau, in der Brückensanierung und bei Infrastrukturprojekten. Der Sanierungsstau bei Brücken und öffentlichen Gebäuden sorgt für langfristige Nachfrage, während der Wohnungsneubau stärker konjunkturschwankt. Entwicklungswege führen über die Projektleitung zur Büroleitung oder Partnerschaft, in die Prüftätigkeit als Prüfingenieur oder Prüfstatiker, in Spezialgebiete wie Erdbebenbemessung, Holzbau, Brandschutz oder Bauwerksdynamik. Auch der Wechsel in Bauunternehmen, in Bauämter oder zu Tragwerksplanung im Anlagenbau ist möglich. Selbstständigkeit ist verbreitet, setzt aber Bauvorlageberechtigung, Versicherung und ein belastbares Netzwerk voraus.