Was macht ein Spezialist Finanzierung?
Der Beruf dreht sich um die Frage, woher Geld kommt und zu welchen Bedingungen. In einem Unternehmen bedeutet das: Kreditlinien mit Banken verhandeln, Zins- und Tilgungspläne rechnen, Leasing- und Factoring-Angebote vergleichen, Fördermittel von KfW oder Landesbanken beantragen und die Liquiditätsplanung mit der Finanzierungsstruktur abgleichen. In einer Bank oder bei einem Finanzierungsvermittler steht die andere Seite im Mittelpunkt: Unterlagen von Kreditnehmern auswerten, Jahresabschlüsse und Planzahlen analysieren, Sicherheiten bewerten, Kreditvorlagen für das Votum schreiben und Kreditverträge aufsetzen.
Ein großer Teil der Arbeit besteht aus Rechnen in Tabellen und aus Schreiben. Kapitaldienstfähigkeit, Kennzahlen wie Verschuldungsgrad oder Zinsdeckung, Sensitivitätsrechnungen für steigende Zinsen. Dazu kommt Abstimmung: mit Banken, Wirtschaftsprüfern, Steuerberatern, der Rechtsabteilung, im Konzern auch mit Tochtergesellschaften im Ausland. Bei größeren Vorhaben wie einer Immobilien- oder Projektfinanzierung zieht sich ein Fall über Monate.
Wie wird man Spezialist Finanzierung?
Der häufigste Weg führt über eine Ausbildung zum Bankkaufmann oder zur Bankkauffrau, danach Jahre in der Kreditabteilung und eine Weiterbildung zum Bankfachwirt oder Bankbetriebswirt. Der zweite Weg ist ein Studium in Betriebswirtschaft, Finance, Wirtschaftsrecht oder Volkswirtschaft, gern mit Schwerpunkt Finanzierung, Rechnungswesen oder Bankbetriebslehre. Berufsbezeichnung und Zuschnitt sind nicht geschützt, entscheidend ist die nachgewiesene Erfahrung mit Kreditfällen oder Treasury-Aufgaben.
Quereinstieg gelingt am ehesten aus dem Controlling, aus der Bilanzbuchhaltung oder aus der Wirtschaftsprüfung, weil dort das Lesen von Abschlüssen zum Handwerk gehört. Wer Privatkunden zur Baufinanzierung berät, braucht zusätzlich die Sachkundeprüfung nach Paragraf 34i Gewerbeordnung. Zertifikate wie CFA oder Certified Credit Analyst sind kein Muss, öffnen aber Türen in größere Häuser.
Was der Beruf verlangt
Die Arbeit ist überwiegend Bürotätigkeit am Bildschirm, mit langen Phasen konzentrierter Detailprüfung. Fehler in einer Zahl oder eine übersehene Klausel im Vertrag können teuer werden, entsprechend hoch ist der Anspruch an Sorgfalt. Termindruck entsteht durch Quartalsabschlüsse, Bankmeetings, Ablauf von Kreditlinien oder Kaufverträge mit fester Frist; dann werden Abende länger. Überstunden gehören dazu, Schichtdienst nicht.
Unangenehm ist der Teil des Berufs, in dem Finanzierungen scheitern: Anträge ablehnen, Sanierungsfälle begleiten, Sicherheiten verwerten. Wer nur gestalten will, unterschätzt diesen Anteil. Außerdem verlangt das Feld ständiges Nachlernen, weil sich Zinsumfeld, Förderprogramme und Regulierung wie CRR oder MaRisk regelmäßig ändern.
Aussichten
Die Nachfrage ist stabil. Unternehmen brauchen Fremdkapital unabhängig von der Konjunktur, in schwierigen Phasen sogar dringlicher, und Banken suchen Leute, die Kreditrisiken beurteilen können. Nachhaltigkeitsanforderungen an Finanzierungen und Förderprogramme für Energie und Digitalisierung haben zusätzliche Spezialgebiete geschaffen.
Entwicklungswege führen zur Teamleitung Finanzierung, zum Treasury, ins Kreditrisikomanagement oder in die Leitung Finanzen kleinerer Unternehmen. Wer sich auf ein Segment festlegt, etwa gewerbliche Immobilien, Projektfinanzierung erneuerbarer Energien oder Unternehmenskäufe, wird als Fachkraft schwer ersetzbar. Ein Wechsel in die Beratung oder in die Vermittlung auf eigene Rechnung ist ebenfalls verbreitet.