Was macht ein Servicetechniker für Windenergieanlagen?
Die Arbeit beginnt am Fuß des Turms und endet in der Gondel. Servicetechniker steigen über Leitern oder mit einem Aufzug nach oben, sichern die Anlage gegen Wiedereinschalten, und arbeiten dann an Getriebe, Generator, Rotorblattverstellung, Bremsen und Hydraulik. Zu den regelmäßigen Aufgaben gehören Ölwechsel und Ölproben, das Nachziehen von Schraubverbindungen mit dokumentiertem Drehmoment, Schmieren von Lagern, Prüfen von Sensoren und Endschaltern sowie Sichtkontrollen an Blättern und Turmsegmenten. Bei Störungen lesen sie Fehlerspeicher aus, messen an Umrichtern und Schaltschränken, tauschen Bauteile und dokumentieren jeden Schritt. Große Komponentenwechsel laufen mit Kran und Spezialteam.
Ein Teil der Arbeit ist Fahrzeit. Wer in einem Onshore-Serviceteam arbeitet, betreut ein Gebiet mit Dutzenden Anlagen und ist täglich mit dem Servicefahrzeug unterwegs, oft mit Montagewochen und Übernachtung. Offshore-Techniker fahren im Schichtrhythmus auf Wohnplattformen oder Servicefeldern und leben dort zwei bis drei Wochen.
Wie wird man Servicetechniker für Windenergieanlagen?
Der übliche Weg führt über eine abgeschlossene technische Ausbildung: Elektroniker für Betriebstechnik, Mechatroniker, Industriemechaniker oder Anlagenmechaniker. Hersteller und Serviceunternehmen bilden Quereinsteiger aus diesen Berufen in mehrwöchigen internen Programmen weiter. Es gibt auch die Ausbildung zum Elektroniker für Betriebstechnik mit Zusatzqualifikation Windenergie sowie Weiterbildungen zum Servicemonteur Windenergietechnik.
Unverzichtbar sind die Sicherheitsschulungen nach GWO-Standard: Höhenrettung, Erste Hilfe, Brandschutz, Handhabung von Lasten, für Offshore zusätzlich Seeüberlebenstraining und Hubschraubertraining. Dazu kommt eine arbeitsmedizinische Untersuchung für Arbeiten mit Absturzgefahr, für Offshore eine Seediensttauglichkeit.
Was der Beruf verlangt
Höhenangst schließt den Beruf aus. Die Gondel ist eng, laut und im Sommer heiß, im Winter kalt. Wer sich im Turm bewegt, trägt Gurt, Helm und Werkzeug und braucht Kondition. Rufbereitschaft und Wochenendeinsätze sind normal, weil Stillstand Geld kostet und Wartungsfenster nach Wind und Wetter geplant werden. Bei Sturm wird die Arbeit abgebrochen, bei ruhigem Wetter wird gearbeitet, auch wenn es nicht in den Kalender passt.
Die Trennung von Familie und Wohnort ist für viele die größte Belastung: Montagewochen onshore, Offshore-Rhythmen mit zwei Wochen an Bord und zwei Wochen frei. Die Arbeit an Hochspannungsanlagen und mit Hydraulikdrücken verlangt Disziplin bei Freischaltung und Sicherung; Nachlässigkeit ist hier lebensgefährlich. Dokumentation nimmt mehr Zeit ein, als Berufsanfänger erwarten.
Aussichten
Der Bedarf ist hoch und wächst weiter. Der Anlagenbestand in Deutschland nimmt zu, gleichzeitig altert er, und ältere Anlagen brauchen mehr Service. Serviceunternehmen, Hersteller und Betriebsführer suchen dauerhaft Personal, besonders mit Elektro-Qualifikation und Offshore-Erfahrung. Wer bleibt, kann Teamleitung oder Einsatzplanung übernehmen, in die technische Betriebsführung, ins Störungsmanagement oder in die Schulung wechseln. Weiterbildung zum Techniker oder Meister öffnet Positionen in Qualitätssicherung und Projektabwicklung. Wer die Höhe irgendwann nicht mehr will, findet in Leitstellen und Planung eine Anschlussmöglichkeit.