Was macht ein Referent Konzernrechnungswesen?
Ein Konzern besteht rechtlich aus vielen einzelnen Gesellschaften, muss aber nach außen wie ein einziges Unternehmen Rechnung legen. Genau das ist die Aufgabe: Aus den Einzelabschlüssen der Tochtergesellschaften entsteht ein Konzernabschluss. Referenten im Konzernrechnungswesen sammeln die Meldungen der Gesellschaften ein, prüfen sie auf Plausibilität und Vollständigkeit, rechnen Fremdwährungsabschlüsse um und eliminieren alles, was innerhalb des Konzerns passiert ist: Lieferungen zwischen Schwestergesellschaften, konzerninterne Darlehen, Zwischengewinne in Vorräten. Dazu kommen Kapitalkonsolidierung, Bewertung von Beteiligungen nach der Equity-Methode und die Behandlung von Firmenwerten samt Werthaltigkeitstest.
Ein zweiter Teil der Arbeit ist die fachliche Beratung. Wenn eine Gesellschaft zugekauft wird, ein Leasingvertrag neu strukturiert oder ein Pensionsplan geändert wird, klärt das Konzernrechnungswesen, wie das nach IFRS oder HGB abzubilden ist, und dokumentiert die Entscheidung nachvollziehbar für den Abschlussprüfer. Hinzu kommen Anhang und Lagebericht, Segmentberichterstattung, Kapitalflussrechnung, die Pflege des Konzernbilanzierungshandbuchs und Schulungen für Kollegen in den Landesgesellschaften.
Wie wird man Referent Konzernrechnungswesen?
Üblich ist ein wirtschaftswissenschaftliches Studium mit Schwerpunkt Rechnungslegung, Wirtschaftsprüfung oder Steuern. Sehr viele kommen aus der Wirtschaftsprüfung: zwei bis fünf Jahre Jahresabschlussprüfung in einer Prüfungsgesellschaft sind der klassische Einstieg, weil dort Konsolidierungstechnik und IFRS-Kenntnisse in der Praxis erlernt werden. Der zweite Weg führt über das Rechnungswesen einer Tochtergesellschaft in die Konzernzentrale. Auch Bilanzbuchhalter mit Weiterbildung zum Internationalen Bilanzbuchhalter kommen in solche Positionen, brauchen dafür aber meist längere Erfahrung. Zertifikate wie das Steuerberater- oder Wirtschaftsprüferexamen sind kein Muss, öffnen aber Türen zu Leitungsfunktionen.
Was der Beruf verlangt
Die Arbeit folgt einem harten Kalender. Zum Quartals- und Jahresabschluss stehen Termine fest, an denen nicht verhandelt wird, und in diesen zwei bis vier Wochen sind Überstunden die Regel, im Jahresabschluss oft deutlich. Zwischen den Abschlussphasen wird es ruhiger, der Ausgleich ist also ungleich verteilt. Verlangt wird Genauigkeit über lange Strecken: Ein Vorzeichenfehler in einer Konsolidierungsbuchung wandert bis in die veröffentlichte Bilanz. Wer Zahlen nur überfliegt, scheitert hier.
Dazu gehört Standfestigkeit. Fachbereiche und Geschäftsführer der Tochtergesellschaften wünschen sich oft eine andere Darstellung als die, die die Standards zulassen. Das muss man erklären und aushalten können. Englisch ist Arbeitssprache, weil Meldungen und Abstimmungen mit ausländischen Einheiten laufen. Und die Standards ändern sich fortlaufend, fachliche Weiterbildung ist Dauerzustand statt Ausnahme. Der Alltag ist überwiegend Bildschirmarbeit in Konsolidierungssystemen wie SAP SEM-BCS, S/4HANA Group Reporting oder LucaNet.
Aussichten
Die Nachfrage ist stabil hoch. Konsolidierungswissen ist knapp, weil es sich nur in der Praxis aufbaut, und der Abgang erfahrener Kräfte in den Ruhestand verschärft das. Wechsel zwischen Konzernen sind unkompliziert, weil die Aufgabe überall ähnlich zugeschnitten ist. Entwicklungswege führen zur Leitung Konzernrechnungswesen, in die Position des Group Accounting Managers, in Richtung Investor Relations, Beteiligungscontrolling oder zurück in die Wirtschaftsprüfung. Ein Teil der Routinearbeit wird automatisiert, die Beurteilung schwieriger Bilanzierungsfragen bleibt jedoch am Menschen.