Was macht ein Beteiligungscontroller?
Ein Konzern besteht oft aus Dutzenden rechtlich eigenständigen Gesellschaften, dazu kommen Minderheitsbeteiligungen und Joint Ventures. Beteiligungscontroller behalten den Überblick über diese Struktur, und zwar in Zahlen. Sie fordern von den Gesellschaften monatliche Berichte an, prüfen deren Plausibilität, rechnen Abweichungen zwischen Plan und Ist nach und fragen bei den Geschäftsführungen vor Ort nach, wenn eine Kennzahl nicht zum Geschäftsverlauf passt. Aus den Einzelmeldungen entsteht ein konsolidierter Bericht für Vorstand oder Aufsichtsrat.
Ein zweiter Schwerpunkt ist die Planung: Jahresbudgets und Mittelfristplanungen der Beteiligungen werden geprüft, hinterfragt und zusammengeführt. Dazu kommen Bewertungsthemen. Wenn eine Beteiligung gekauft, verkauft oder umstrukturiert wird, rechnet das Beteiligungscontrolling Unternehmenswerte, prüft Werthaltigkeit von Buchwerten und begleitet die Due Diligence. In öffentlichen Konzernen, etwa bei kommunalen Holdings mit Stadtwerken, Kliniken und Verkehrsbetrieben, kommt die Vorbereitung von Gesellschafterversammlungen und Ratsbeschlüssen hinzu.
Wie wird man Beteiligungscontroller?
Üblich ist ein Studium in Betriebswirtschaft, Wirtschaftswissenschaften oder Wirtschaftsingenieurwesen mit Schwerpunkt Controlling, Finanzen oder Rechnungswesen. Der Bachelor genügt für den Einstieg, in Konzernen ist der Master verbreitet. Ein reiner Einstieg direkt nach dem Studium ist eher selten; viele kommen über zwei bis vier Jahre im operativen Controlling, in der Wirtschaftsprüfung, in der Konzernrechnungslegung oder in der Transaktionsberatung. Wer aus der Prüfung kommt, bringt Konsolidierungswissen mit und ist deshalb gefragt.
Quereinstieg gelingt Bilanzbuchhaltern mit Konzernerfahrung, teils auch über eine Weiterbildung zum Controller an einer Akademie. Ohne belastbare Kenntnisse in HGB und IFRS wird es schwer. Erwartet werden außerdem sehr gute Excel-Kenntnisse, Erfahrung mit SAP oder vergleichbaren Systemen, mit Konsolidierungssoftware und zunehmend mit BI-Werkzeugen. Englisch ist bei international aufgestellten Gruppen Arbeitssprache.
Was der Beruf verlangt
Die Arbeit ist Büroarbeit am Bildschirm, konzentriert und detailgenau. Belastend sind vor allem die Stichtage: Monats-, Quartals- und Jahresabschlüsse ballen sich, in diesen Wochen sind Überstunden Regel, nicht Ausnahme. Zwischen den Abschlüssen ist es meist ruhiger, Gleitzeit und Homeoffice sind verbreitet.
Schwer fällt vielen die Rolle: Beteiligungscontroller haben keine Weisungsbefugnis gegenüber den Gesellschaften, müssen aber Zahlen und Erklärungen einfordern. Das erfordert Beharrlichkeit und die Fähigkeit, unangenehme Fragen freundlich zu stellen. Wer Konflikte scheut, bekommt keine verlässlichen Daten. Zudem hängt an den Berichten oft die Bewertung von Managern vor Ort, was Diskussionen politisch macht. Bei Verkäufen oder Sanierungen ist das Controlling nah an Entscheidungen, die Arbeitsplätze kosten.
Aussichten
Die Nachfrage ist stabil. Jeder Konzern, jede Holding und jede größere Kommune mit Beteiligungen braucht diese Funktion, und qualifizierte Bewerber mit Konsolidierungswissen sind knapp. Entwicklungswege führen zur Leitung des Beteiligungscontrollings, in die Konzernrechnungslegung, in Mergers and Acquisitions oder in die Geschäftsführung einer Tochtergesellschaft, für die man zuvor die Zahlen betreut hat. Auch der Wechsel in die Beratung oder zu einer Beteiligungsgesellschaft ist ein gängiger Schritt.