Projektleiter Siedlungswasserwirtschaft
Projektleiterinnen und Projektleiter in der Siedlungswasserwirtschaft planen und steuern Vorhaben rund um Abwasserkanäle, Kläranlagen, Regenwasserbewirtschaftung und Trinkwasserversorgung. Sie verantworten Kosten, Termine und Qualität von der Vorplanung bis zur Abnahme.
4 offene Stellen zu diesem Beruf im aktuellen Bestand.
Was man als Projektleiter Siedlungswasserwirtschaft verdient
| Erfahrung | Von | Median | Bis | Jahresbrutto | Verhältnis |
|---|---|---|---|---|---|
| Berufseinstieg | 4.200 € | 4.700 € | 5.300 € | 56.400 € | |
| Mit Berufserfahrung | 4.900 € | 5.600 € | 6.500 € | 67.200 € | |
| Mit langjähriger Erfahrung | 5.800 € | 6.700 € | 8.000 € | 80.400 € |
Im öffentlichen Dienst richtet sich das Gehalt nach dem TVöD (Kommunen, Verbände) oder TV-L (Länder), meist in den Entgeltgruppen E11 bis E13, was die Spanne eng hält. In Ingenieurbüros wird frei verhandelt, dort hängt das Gehalt stark von Bürogröße, Region und Projektverantwortung ab, wobei kleine Büros oft unter dem Tarifniveau, große Planungsgesellschaften darüber zahlen.
Die Werte sind Orientierungswerte und keine amtliche Statistik. Sie sind aus öffentlich verfügbaren Erhebungen, Tarifwerken und Stellenanzeigen abgeleitet und auf volle Euro gerundet. Im Einzelfall entscheiden Betrieb, Tarifbindung, Region, Qualifikation und Verhandlung – die Abweichung nach oben wie nach unten kann erheblich sein.
Das Jahresbrutto ist das 12-fache des Monatswertes. Urlaubs- und Weihnachtsgeld sind nicht enthalten, weil sie sich von Branche zu Branche unterscheiden.
Das Berufsbild
Was macht ein Projektleiter Siedlungswasserwirtschaft?
Ein Projektleiter in der Siedlungswasserwirtschaft führt Bau- und Sanierungsvorhaben an der Wasserinfrastruktur von Städten und Gemeinden. Typische Projekte sind die Erneuerung eines Kanalnetzes, der Bau eines Regenrückhaltebeckens, die Erweiterung einer Kläranlage um eine weitere Reinigungsstufe oder neue Trinkwasserleitungen für ein Baugebiet. Im Ingenieurbüro bedeutet das: hydraulische Berechnungen prüfen oder selbst durchführen, Planungsunterlagen nach den Leistungsphasen der HOAI erstellen, Genehmigungsanträge bei Wasserbehörden einreichen, Leistungsverzeichnisse schreiben, Angebote auswerten und die Bauüberwachung organisieren. Auf Seiten eines Abwasserverbands oder einer Kommune steht eher die Bauherrenrolle im Vordergrund: Planungsbüros beauftragen und steuern, Budgets im Haushalt absichern, Nachträge prüfen und politische Gremien informieren. In beiden Fällen gehören Abstimmungen mit Behörden, Baufirmen, Anwohnern und anderen Leitungsträgern zum Alltag, ebenso regelmäßige Termine auf der Baustelle.
Wie wird man Projektleiter Siedlungswasserwirtschaft?
Der übliche Weg führt über ein Studium des Bauingenieurwesens, Umweltingenieurwesens oder der Wasserwirtschaft mit Vertiefung in Siedlungswasserwirtschaft. Ein Bachelor reicht für den Einstieg, viele Arbeitgeber und vor allem der öffentliche Dienst erwarten für Leitungsaufgaben einen Master. Direkt nach dem Studium beginnt man in der Regel als Projektingenieur und übernimmt nach zwei bis fünf Jahren die Verantwortung für eigene Projekte. Quereinsteiger kommen häufig aus verwandten Bereichen wie Tiefbau, Straßenbau oder Verfahrenstechnik. Technikerinnen und Techniker für Bautechnik oder Wasserwirtschaft können mit viel Erfahrung ebenfalls kleinere Projekte leiten. Die Eintragung als bauvorlageberechtigter oder beratender Ingenieur bei einer Ingenieurkammer ist nicht immer Pflicht, wird für bestimmte Aufgaben aber verlangt.
Was der Beruf verlangt
Die Arbeit findet überwiegend im Büro statt, aber Baustellentermine bei Regen, Kälte und in Baugruben gehören dazu. Wer mehrere Projekte parallel betreut, jongliert ständig mit Fristen, Förderbedingungen und knappen Budgets. Verzögerungen durch Genehmigungen, Lieferengpässe oder unerwartete Bodenverhältnisse sind häufig, und der Projektleiter muss sie gegenüber dem Auftraggeber vertreten. Konflikte über Nachträge und Haftungsfragen können belastend sein. Fundierte Kenntnisse im Vergabe- und Vertragsrecht, etwa VOB und VgV, sind ebenso nötig wie das technische Regelwerk der DWA und des DVGW. Die Arbeitszeiten sind meist regelmäßig, vor Abgabeterminen und Ausschreibungen fallen aber Überstunden an. Bei Ingenieurbüros mit großem Einzugsgebiet kommen längere Fahrten hinzu.
Aussichten
Die Nachfrage ist hoch und dürfte es bleiben. Viele Kanalnetze stammen aus der Nachkriegszeit und müssen saniert werden, die überarbeitete EU-Kommunalabwasserrichtlinie verlangt zusätzliche Reinigungsstufen auf Kläranlagen, und Starkregen sowie Trockenperioden machen Konzepte zur Regenwasserbewirtschaftung nötig. Gleichzeitig gehen viele erfahrene Fachleute in den Ruhestand, sodass Ingenieurbüros und Kommunen offene Stellen oft lange nicht besetzen können. Wer Erfahrung gesammelt hat, kann die Leitung einer Abteilung oder Niederlassung übernehmen, in die Geschäftsführung eines Büros aufsteigen, als technischer Leiter zu einem Abwasserverband wechseln oder sich als Sachverständiger oder mit einem eigenen Büro selbstständig machen.
Aufgaben
- Kanalnetze, Kläranlagen und Regenwasseranlagen planen oder Planungen prüfen
- Hydraulische Berechnungen und Kostenschätzungen erstellen
- Wasserrechtliche Genehmigungen beantragen und mit Behörden abstimmen
- Leistungsverzeichnisse schreiben und Ausschreibungen durchführen
- Baufirmen und Planungsbüros koordinieren und überwachen
- Kosten, Termine und Nachträge kontrollieren
- Baustellentermine leiten und Abnahmen durchführen
- Auftraggeber, Gremien und Anwohner über den Projektstand informieren
Voraussetzungen
- Abgeschlossenes Studium im Bau- oder Umweltingenieurwesen oder in der Wasserwirtschaft, oft mit Master
- Mehrjährige Berufserfahrung in Planung oder Bauüberwachung
- Kenntnisse in HOAI, VOB, Vergaberecht und dem Regelwerk von DWA und DVGW
- Sicherer Umgang mit CAD- und Hydrauliksoftware
- Verhandlungsgeschick und Durchsetzungsvermögen gegenüber Baufirmen und Auftraggebern
- Führerschein Klasse B und Bereitschaft zu Baustellenbesuchen bei jedem Wetter
Wo man arbeitet
- Ingenieurbüros für Wasserwirtschaft und Tiefbau
- Stadtverwaltungen und Tiefbauämter
- Abwasser- und Wasserzweckverbände
- Stadtwerke und kommunale Entwässerungsbetriebe
- Bauunternehmen im Tief- und Rohrleitungsbau
- Wasserwirtschaftsämter und Landesbehörden
Der Weg in den Beruf
Üblich ist ein Bachelorstudium im Bau- oder Umweltingenieurwesen von sechs bis sieben Semestern, häufig ergänzt durch einen Master von drei bis vier Semestern mit Schwerpunkt Siedlungswasserwirtschaft. Danach folgen meist zwei bis fünf Jahre als Projektingenieur, bevor die eigenverantwortliche Projektleitung übernommen wird.
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