Was macht ein Projektkaufmann?
Projektkaufleute sind für alles zuständig, was an einem Projekt Geld kostet oder Geld bringt. Sie erstellen und pflegen die Kostenplanung, buchen Leistungen den richtigen Kostenstellen zu, prüfen Eingangsrechnungen von Nachunternehmern und Lieferanten und stellen Abschlagsrechnungen an den Auftraggeber. Monatlich erstellen sie eine Leistungsmeldung: Wie viel wurde abgerechnet, wie viel ist geleistet, wie sieht das prognostizierte Ergebnis bis zum Projektende aus. Weicht der Ist-Stand vom Plan ab, müssen sie die Ursache benennen können.
Ein großer Teil der Arbeit betrifft Verträge. Projektkaufleute lesen Bauverträge oder Werkverträge, achten auf Fristen, Zahlungspläne, Sicherheiten und Bürgschaften und bereiten Nachträge kaufmännisch auf, wenn sich der Leistungsumfang ändert. Dazu kommen Personalthemen im Projekt, Bestellungen, Versicherungsfälle und die Zusammenarbeit mit Buchhaltung, Controlling und Steuerabteilung. In Auslandsprojekten kommen Währungsfragen, Zoll und lokale Steuerpflichten hinzu.
Wie wird man Projektkaufmann?
Es gibt keine Ausbildung mit diesem Namen. Üblich ist ein betriebswirtschaftliches Studium, häufig mit Schwerpunkt Controlling, Rechnungswesen oder Bauwirtschaft, oder ein duales Studium bei einem Bauunternehmen. Der zweite verbreitete Weg führt über eine kaufmännische Ausbildung, etwa als Industriekauffrau oder Kauffrau für Büromanagement, und mehrere Jahre in der Projektabwicklung, oft ergänzt durch eine Weiterbildung zum Bilanzbuchhalter oder Controller. Quereinstiege aus dem Rechnungswesen oder der Auftragsabwicklung sind möglich, wenn Vertragskenntnisse vorhanden sind.
Eingearbeitet wird meist im laufenden Projekt, unterstützt von einem erfahrenen Kaufmann oder der kaufmännischen Bereichsleitung. Kenntnisse in SAP oder branchenspezifischen Systemen wie iTWO, sichere Excel-Arbeit und im Bauwesen Grundwissen zur VOB/B werden erwartet.
Was der Beruf verlangt
Der Arbeitsrhythmus folgt dem Projekt und dem Monatsabschluss. In den ersten Arbeitstagen jedes Monats wird es eng, ebenso zum Jahresabschluss und bei Projektübergaben. Wer in der Bauwirtschaft arbeitet, sitzt oft nicht in der Zentrale, sondern in einem Baucontainer auf der Baustelle, mit langen Anfahrten oder auswärtiger Unterbringung; große Projekte bedeuten manchmal Wochenpendeln über Jahre.
Der Beruf verlangt Genauigkeit und die Bereitschaft, unangenehme Zahlen auszusprechen. Projektkaufleute geraten regelmäßig zwischen technische Projektleitung, die weiterbauen will, und Geschäftsführung, die das Ergebnis sehen will. Konflikte mit Nachunternehmern über Abzüge und Mängel gehören dazu. Wer Auseinandersetzungen scheut oder nur nach Vorgabe arbeiten möchte, wird damit Mühe haben. Gleichzeitig ist die Arbeit weitgehend planbar und selten körperlich belastend.
Aussichten
Die Nachfrage ist stabil, besonders im Bau, Anlagenbau und in der Energiewirtschaft, wo Projekte groß und die Verträge komplex sind. Erfahrene Projektkaufleute mit Nachtragskenntnis oder Auslandserfahrung sind schwer zu finden. Entwicklungswege führen zur kaufmännischen Leitung mehrerer Projekte, in die Bereichs- oder Niederlassungsleitung, ins Konzerncontrolling oder in das Claim Management. Wer sich auf eine Branche festlegt, gewinnt Marktwert, verliert aber an Beweglichkeit zwischen Branchen.