Was macht ein Projektkaufmann?
Jedes größere Projekt hat zwei Leitungen: eine technische und eine kaufmännische. Projektkaufleute verantworten die zweite. Sie pflegen die Projektkalkulation, buchen Kosten den richtigen Positionen zu, prüfen Lieferanten- und Nachunternehmerrechnungen und erstellen die Abrechnungen gegenüber dem Auftraggeber. Bei langlaufenden Projekten kommt die Bewertung des Leistungsstands hinzu: Was ist erbracht, was ist bereits abgerechnet, wie steht das Projekt wirtschaftlich da.
Ein großer Teil der Arbeit ist Vertragsarbeit. Projektkaufleute kennen die Bedingungen des Hauptauftrags, verfolgen Änderungen des Bausolls oder des Lieferumfangs und bereiten Nachträge auf. Sie beantragen Bürgschaften, kümmern sich um Versicherungsnachweise, prüfen Zahlungsziele und mahnen offene Beträge an. Dazu kommen Liquiditätsplanung, Personal- und Gerätekosten, Reisekostenabrechnungen des Projektteams und die Zusammenarbeit mit Buchhaltung, Einkauf und Controlling der Zentrale. In Projektbesprechungen sind sie diejenigen, die Zahlen liefern und unangenehme Entwicklungen früh benennen.
Wie wird man Projektkaufmann?
Es gibt keine Ausbildung mit diesem Namen. Der Weg führt über eine kaufmännische Ausbildung, häufig Industriekaufmann oder Kaufmann für Büromanagement, oft ergänzt um eine Weiterbildung zum Bilanzbuchhalter, Betriebswirt oder Fachkaufmann. Genauso verbreitet ist der Einstieg über ein Studium in Betriebswirtschaft, Wirtschaftsingenieurwesen oder Baubetriebswirtschaft. Viele Unternehmen im Bau- und Anlagenbau setzen Berufserfahrung in der Projektabwicklung, im Controlling oder in der Baubuchhaltung voraus, weil sich Werkverträge, Abschlagszahlungen und Nachtragslogik nicht in einem Seminar erschließen.
Quereinstiege kommen vor, etwa aus der Finanzbuchhaltung, dem technischen Einkauf oder der Bauleitungsassistenz. Wer aus einem anderen Feld kommt, braucht Zeit, um sich in Vertragsrecht, HOAI oder VOB und die eingesetzte Projektsoftware einzuarbeiten.
Was der Beruf verlangt
Die Arbeit ist terminorientiert. Monatsabschlüsse, Abrechnungsstichtage und Projektreviews fallen zusammen, und Rechnungen müssen fristgerecht raus, weil sonst die Liquidität leidet. In diesen Phasen wird es lang. Wer Konflikte scheut, hat es schwer: Projektkaufleute müssen technischen Kollegen widersprechen, wenn Kosten aus dem Rahmen laufen, und gegenüber Auftraggebern Forderungen durchsetzen, die dort ungern gesehen werden.
Ein Teil der Stellen ist an eine Baustelle oder ein Werk gebunden, mit Präsenz vor Ort und wechselnden Einsatzorten, teilweise auch im Ausland. Andere Stellen sitzen in der Niederlassung und betreuen mehrere Projekte parallel. Die Arbeit ist stark von Tabellen, ERP-Systemen und Dokumentation geprägt; Genauigkeit zählt mehr als Tempo, weil Fehler in der Abrechnung teuer werden.
Aussichten
Die Nachfrage ist stabil, im Bau- und Anlagenbau sowie in der Energie- und Infrastrukturwirtschaft eher steigend, weil Projekte größer und vertraglich komplizierter werden. Erfahrene Projektkaufleute mit Nachtragserfahrung sind schwer zu finden. Entwicklungswege führen in die Leitung der kaufmännischen Projektabwicklung, ins Konzerncontrolling, in das Claim- und Vertragsmanagement oder in die kaufmännische Niederlassungsleitung. Wer sich auf Großprojekte oder internationale Verträge spezialisiert, arbeitet dauerhaft in einem gut bezahlten Nischenbereich.