Was macht ein Projektentwickler?
Projektentwickler im IT-Umfeld stehen am Anfang eines Vorhabens, wenn noch nichts feststeht außer einem Problem. Ein Fachbereich meldet, dass die Auftragsbearbeitung zu lange dauert, ein Kunde will eine Kundenportal-App, eine Behörde muss ein Fachverfahren ersetzen. Aus solchen Ansagen entsteht in Gesprächen, Workshops und Interviews eine belastbare Anforderungsliste. Danach folgt der Entwurf: welche Systeme angebunden werden, ob eine Standardsoftware ausreicht oder eigenentwickelt wird, welche Schnittstellen und Datenmodelle nötig sind, was das kostet und wie lange es dauert.
Ist das Konzept freigegeben, begleiten Projektentwickler die Umsetzung. Sie schreiben User Stories, priorisieren Backlogs, sitzen in Dailies und Reviews, prüfen Zwischenergebnisse gegen die Anforderungen und verhandeln Änderungen, wenn sich im Verlauf herausstellt, dass etwas anders gebraucht wird als gedacht. Viele arbeiten selbst technisch mit, bauen Prototypen, schreiben Skripte, konfigurieren Testumgebungen. Ein großer Teil des Tages besteht aber aus Kommunikation: zwischen Fachbereich und Entwicklungsteam, zwischen Vertrieb und Technik, zwischen Auftraggeber und Dienstleister. Dokumentation, Kalkulationen, Statusberichte und Angebotsunterlagen gehören ebenfalls dazu.
Wie wird man Projektentwickler?
Der häufigste Weg führt über ein Studium in Informatik, Wirtschaftsinformatik, Software Engineering oder einem verwandten Fach. Auch die Ausbildung zum Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung mit anschließender Berufserfahrung ist ein tragfähiger Einstieg, oft ergänzt um eine Weiterbildung zum Wirtschaftsinformatiker oder eine Zertifizierung in Scrum, PRINCE2 oder IPMA. Direkt nach dem Abschluss beginnen die meisten nicht als Projektentwickler, sondern als Entwickler, Consultant oder Junior-Projektmitarbeiter und wachsen über zwei bis vier Jahre in die konzeptionelle Rolle.
Quereinstiege sind möglich und nicht selten: aus dem Fachbereich heraus, wenn jemand Prozesse gut kennt und sich Technik aneignet, oder aus dem Consulting. Ohne solides Verständnis von Softwarearchitektur, Datenbanken und Schnittstellen bleibt die Rolle allerdings oberflächlich, weil Aufwände dann nicht realistisch geschätzt werden können.
Was der Beruf verlangt
Der Beruf lebt von Widersprüchen: Der Fachbereich will alles, das Budget gibt weniger her, das Entwicklungsteam warnt vor technischen Schulden. Projektentwickler müssen diese Konflikte offen austragen, statt sie zu vertagen, und dabei auch unpopuläre Aussagen vertreten. Wer Konflikte scheut, verschiebt Probleme nur in die Testphase.
Die Arbeit ist überwiegend Bürotätigkeit, mit vielen Terminen und häufigem Homeoffice-Anteil. Belastend sind Phasen kurz vor Releases oder Meilensteinen, in denen Überstunden zum Normalfall werden, sowie Projekte, die politisch aufgeladen sind oder scheitern. Bei Dienstleistern und Beratungshäusern kommt Reisetätigkeit hinzu. Auch der ständige Wechsel zwischen Detailtiefe und Überblick fällt vielen schwer, ebenso das Loslassen von eigener Programmierarbeit.
Aussichten
Die Nachfrage ist hoch und relativ stabil, weil kaum ein Unternehmen ohne Digitalisierungsvorhaben auskommt und Fachkräfte mit technischem und wirtschaftlichem Verständnis knapp sind. Konjunkturelle Einbrüche treffen jedoch zuerst Projektbudgets, das macht die Rolle nicht krisenfest. Entwicklungswege führen in die Projekt- oder Programmleitung, in die Softwarearchitektur, ins Produktmanagement, in die Beratung oder in Führungspositionen im IT-Bereich. Wer eine Branche wie Logistik, Versicherung oder Energie tief kennt, wird schwer ersetzbar.