Was macht ein Zusteller für Pakete und Briefe?
Der Arbeitstag beginnt meist zwischen fünf und sieben Uhr im Zustellbasis oder Verteilzentrum. Dort werden die Sendungen für den eigenen Bezirk übernommen, sortiert und in die Reihenfolge der Gehroute oder Fahrtroute gebracht. Bei der Briefzustellung wird der Bezirk zu Fuß, mit dem Fahrrad, E-Bike oder einem Zustellfahrzeug abgelaufen, Briefkästen werden bestückt, Einschreiben gegen Unterschrift ausgehändigt, Nachnahmebeträge kassiert. In der Paketzustellung stehen Fahrzeugbeladung, Navigation, Klingeln, Treppensteigen und Scannen jeder einzelnen Sendung im Mittelpunkt. Nicht angetroffene Empfänger bedeuten Benachrichtigungskarte, Nachbarschaftsabgabe oder Rückführung ins Depot.
Dazu kommen Retouren, die abgeholt werden, Abrechnung der kassierten Beträge und die Pflege des mobilen Handscanners. Wer einen festen Bezirk hat, kennt nach einigen Wochen die Namen, die Klingelschilder, die Hunde und die Zeiten, zu denen jemand zu Hause ist. Das macht die Route schneller, aber die Stückzahlen wachsen: Paketmengen sind seit Jahren gestiegen, besonders zwischen November und Weihnachten.
Wie wird man Zusteller?
Für die Zustellung ist kein bestimmter Schulabschluss vorgeschrieben. Die meisten Zusteller werden direkt eingestellt und in einigen Tagen bis Wochen angelernt, begleitet von einem erfahrenen Kollegen. Voraussetzung ist in der Regel ein Führerschein der Klasse B, für die Briefzustellung im Innenstadtbereich manchmal auch nur Fahrradtauglichkeit. Ausreichende Deutschkenntnisse sind nötig, weil Adressen gelesen und Kunden angesprochen werden.
Wer eine formale Qualifikation will, kann die zweijährige Ausbildung zur Fachkraft für Kurier-, Express- und Postdienstleistungen absolvieren. Sie vermittelt zusätzlich Sortier- und Abrechnungsprozesse, Kundenberatung und Tourenplanung und eröffnet den Weg in Disposition oder Teamleitung. Ein Quereinstieg ist in diesem Beruf die Regel und nicht die Ausnahme, auch mit vierzig oder fünfzig Jahren.
Was der Beruf verlangt
Die körperliche Belastung ist erheblich. Pakete wiegen bis über dreißig Kilogramm, Treppenhäuser ohne Aufzug gehören zum Alltag, in der Briefzustellung kommen zehn bis fünfzehn Kilometer Gehstrecke am Tag zusammen. Gearbeitet wird bei Regen, Hitze, Schnee und Glätte. Rücken, Knie und Schultern nehmen über die Jahre Schaden, wenn nicht auf Hebetechnik geachtet wird.
Der Zeitdruck ist hoch, weil die Tour bis zu einer festen Uhrzeit fertig sein soll und die Sendungsmenge schwankt. Samstagsarbeit ist üblich, der Feierabend liegt dafür oft am frühen Nachmittag. Konflikte mit ungeduldigen Empfängern, verschlossene Haustüren und fehlende Abstellmöglichkeiten kosten Nerven. Bei Subunternehmern in der Paketbranche sind die Bedingungen häufig schlechter als bei tarifgebundenen Großunternehmen, mit längeren Touren und unbezahlten Überstunden.
Aussichten
Zusteller werden dauerhaft gesucht, in Ballungsräumen chronisch. Der Onlinehandel hält die Paketmengen hoch, während die Briefmengen sinken. Die Einstiegshürden sind niedrig, die Fluktuation ist entsprechend hoch. Wer bleibt, kann eine unbefristete Stelle mit festem Bezirk erhalten, Verbeamtung ist nur noch bei Altbeständen ein Thema. Entwicklungswege führen über Anleitertätigkeit und Verbundzustellung in die Teamleitung, in die Disposition eines Zustellstützpunkts oder mit Führerschein C zum Wechselverkehr zwischen den Verteilzentren.