Was macht ein Obermonteur im Kabel- und Rohrleitungsbau?
Obermonteure leiten die Montagearbeiten an Leitungstrassen vor Ort. Sie nehmen morgens die Absteckung und die Pläne auf, weisen den Bagger ein, kontrollieren Grabenprofil, Verbau und Sohlenauflage und legen fest, in welcher Reihenfolge Rohre, Kabelschutzrohre oder Kabel eingezogen werden. Sie verlegen und verbinden Rohrleitungen aus PE, Guss oder Stahl, setzen Formteile, Schieber und Hausanschlüsse, ziehen Kabel in Trassen ein und verantworten Bettung, Warnband und Verdichtung. Zu ihren Aufgaben gehören Druck- und Dichtheitsprüfungen, Spülen und Desinfizieren von Trinkwasserleitungen sowie das Protokollieren der Ergebnisse. Sie führen das Bautagebuch, dokumentieren Aufmaße und Einmessdaten für die Bestandspläne und melden Abweichungen an die Bauleitung. Ein großer Teil der Arbeit ist Koordination: Absprachen mit Netzbetreibern, Tiefbaukolonne, Prüfstellen und Anwohnern, deren Anschluss abgeschaltet werden muss.
Wie wird man Obermonteur im Kabel- und Rohrleitungsbau?
Der Weg führt fast immer über eine abgeschlossene Ausbildung im Bauhauptgewerbe oder in der Versorgungstechnik, etwa als Rohrleitungsbauer, Tiefbaufacharbeiter, Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik oder Elektroniker für Betriebstechnik. Die Position selbst ist keine Ausbildung, sondern eine Funktion, in die man nach mehreren Jahren auf der Baustelle hineinwächst. Wer zusätzlich den Vorarbeiter- oder Werkpolierkurs, die Meisterprüfung im Rohrleitungsbau oder eine Weiterbildung zum Netzmonteur absolviert, kommt schneller dorthin. Erforderlich sind je nach Einsatzgebiet Sachkundenachweise: Schweißerprüfungen für PE und Stahl, Berechtigungen nach den Regelwerken der Gas- und Wasserwirtschaft, Schulungen für Arbeiten in Gräben und in der Nähe unter Spannung stehender Anlagen. Quereinstieg gelingt handwerklich erfahrenen Kräften aus verwandten Gewerken, allerdings nur mit Nachqualifizierung.
Was der Beruf verlangt
Die Arbeit findet draußen statt, bei Frost, Regen und Hitze, im Graben, in Schächten und in engen Baugruben. Sie ist körperlich schwer: Rohre und Formteile heben, Kabel ziehen, in Zwangshaltung arbeiten. Lärm, Staub, Verkehr neben der Trasse und der Umgang mit Gas oder unter Spannung stehenden Kabeln bringen ein reales Gefährdungspotenzial mit sich, das Regeltreue und Ruhe verlangt. Die Arbeitszeiten richten sich nach dem Bauablauf; Überstunden in den Sommermonaten sind üblich, im Winter kann es Kurzarbeit geben. Viele Stellen sind mit Montage verbunden, also mit Wochenaufenthalt fern vom Wohnort. Hinzu kommt die Führungsseite: Kolonne einteilen, Konflikte klären, Termindruck aushalten und im Zweifel gegenüber der Bauleitung sagen, dass etwas so nicht geht.
Aussichten
Die Nachfrage ist hoch und dürfte es bleiben. Netzausbau für Strom, Erneuerung maroder Wasser- und Gasleitungen, Fernwärmetrassen und Glasfaser binden auf Jahre Kapazitäten, während viele erfahrene Kräfte in Rente gehen. Erfahrene Obermonteure finden regelmäßig Anschluss und haben Verhandlungsspielraum. Entwicklungswege führen zum Polier, zur Bauleitung nach Weiterbildung zum Bautechniker oder Meister, in die Qualitätssicherung und Prüftätigkeit bei Netzbetreibern oder in die eigene Selbstständigkeit als Nachunternehmer.