Was macht ein Lohnbuchhalter?
Jeden Monat müssen die Gehälter aller Beschäftigten korrekt berechnet, überwiesen und gemeldet werden. Genau das ist die Aufgabe von Lohnbuchhaltern, oft auch Payroll Specialist genannt. Sie erfassen Stammdaten neuer Mitarbeiter, prüfen Steuerklassen, Kinderfreibeträge, Krankenkassenzugehörigkeit und Sozialversicherungsstatus. Sie rechnen Zeitzuschläge, Überstunden, Provisionen, Sachbezüge wie Dienstwagen oder Jobticket, Entgeltumwandlung und betriebliche Altersversorgung ein und berücksichtigen Krankheit, Mutterschutz, Elternzeit und unbezahlten Urlaub.
Am Monatsende folgt der Abrechnungslauf im Lohnprogramm, meist DATEV Lohn und Gehalt, SAP HCM, Sage oder Personio. Danach gehen Lohnsteueranmeldung an das Finanzamt, Beitragsnachweise an die Krankenkassen und Meldungen nach dem DEÜV-Verfahren heraus. Dazu kommen Bescheinigungen für Arbeitsagentur, Elterngeldstelle und Krankenkassen, Pfändungen, Zuschüsse zum Krankengeld und die Vorbereitung von Lohnsteuer- und Sozialversicherungsprüfungen. Wer in einer Steuerberatung arbeitet, betreut oft zwanzig bis achtzig Mandanten aus unterschiedlichen Branchen mit jeweils eigenen Tarifverträgen.
Wie wird man Lohnbuchhalter?
Der häufigste Weg führt über eine kaufmännische Ausbildung, etwa als Steuerfachangestellter, Industriekaufmann oder Kaufmann für Büromanagement, gefolgt von einer Weiterbildung zur Fachkraft Lohn und Gehalt oder zum Lohnbuchhalter bei IHK, DATEV oder privaten Bildungsträgern. Auch aus dem Personalbereich oder der Finanzbuchhaltung wechseln viele in die Entgeltabrechnung. Ein Studium ist nicht erforderlich, Betriebswirte mit Schwerpunkt Personal oder Steuern finden aber ebenfalls Einstiege. Wichtiger als der Abschluss ist praktische Erfahrung mit einem Abrechnungsprogramm und laufende Fortbildung, weil sich Beitragssätze, Grenzwerte und Rechtsprechung jedes Jahr ändern.
Was der Beruf verlangt
Die Arbeit ist stark zyklisch. In der Woche vor dem Abrechnungsstichtag steigt der Druck deutlich, Fehler fallen sofort auf und treffen Menschen an einer empfindlichen Stelle. Wer eine Zulage vergisst oder eine falsche Steuerklasse hinterlegt, muss das erklären und korrigieren. Gefordert sind Genauigkeit, Geduld bei Rückfragen und die Bereitschaft, sich in Sozialversicherungsrecht, Lohnsteuerrecht und Tarifregelungen einzuarbeiten, ohne Jurist zu sein. Diskretion ist Grundvoraussetzung, weil Gehaltsdaten, Pfändungen und Krankheitszeiten durch die Hände gehen.
Die Tätigkeit ist überwiegend Bildschirmarbeit, oft ganztags sitzend. Die Arbeitszeiten sind regelmäßig, Schichtdienst gibt es nicht, Homeoffice ist in vielen Betrieben zumindest teilweise möglich. Zum Jahreswechsel und im Jahresabschluss fallen Überstunden an. Wer Abwechslung und Kontakt mit vielen Menschen sucht, wird die Routine als eintönig empfinden.
Aussichten
Die Nachfrage ist stabil und in einigen Regionen deutlich höher als das Angebot, besonders in Steuerberatungen und bei Lohnabrechnungsdienstleistern. Entgeltabrechnung lässt sich zwar in Teilen automatisieren, die Beurteilung von Sonderfällen und die Haftung bleiben aber bei Menschen. Entwicklungswege führen zur Teamleitung Payroll, zur Fachverantwortung für internationale Abrechnung, in die Beratung bei Softwareanbietern oder in eine breitere Personalfunktion. Zusatzqualifikationen wie Personalfachkaufmann, Fachassistent Lohn und Gehalt oder Kenntnisse in SAP und in der Abrechnung von Auslandsentsendungen erhöhen die Verhandlungsposition merklich.