Was macht ein Leiter Finanzen?
Der Leiter Finanzen führt den kaufmännischen Bereich eines Unternehmens: Finanzbuchhaltung, Controlling, oft auch Personalabrechnung, Einkauf oder IT, je nach Größe des Betriebs. Zum Kern gehört, dass Monats-, Quartals- und Jahresabschlüsse fristgerecht und prüfungsfest fertig werden, nach HGB und in Konzernen zusätzlich nach IFRS. Dazu kommen Liquiditätsplanung, Budgetierung, Forecasts, Kennzahlenberichte für Geschäftsführung und Gesellschafter sowie Verhandlungen mit Banken, Wirtschaftsprüfern und Steuerberatern.
Ein großer Teil des Alltags besteht aus Abstimmung: mit dem Vertrieb über Deckungsbeiträge, mit der Produktion über Kalkulationen, mit der Geschäftsführung über Investitionen. Wer in einem mittelständischen Unternehmen arbeitet, bucht und prüft häufig noch selbst mit, in größeren Häusern verschiebt sich die Arbeit zu Führung, Prozessgestaltung und Systemthemen, etwa der Einführung eines neuen ERP-Systems.
Wie wird man Leiter Finanzen?
Der verbreitetste Weg führt über ein Studium in Betriebswirtschaft, Wirtschaftswissenschaften oder Wirtschaftsingenieurwesen mit Schwerpunkt Finanzen, Controlling oder Rechnungswesen, danach mehrere Jahre in Buchhaltung, Controlling oder Wirtschaftsprüfung. Die Position ist keine Einstiegsstelle: üblich sind fünf bis zehn Jahre Berufserfahrung, davon ein Teil mit Führungsverantwortung.
Ebenso tragfähig ist der Aufstieg ohne Studium. Wer eine kaufmännische Ausbildung abgeschlossen und anschließend den Bilanzbuchhalter oder Controller nach IHK-Standard erworben hat, kann in kleinen und mittleren Unternehmen in die Leitungsfunktion wachsen. Für Konzernpositionen sind Abschlusssicherheit nach IFRS, Konsolidierungserfahrung und Englisch praktisch Pflicht. Ein Wechsel aus der Wirtschaftsprüfung in die Industrie ist ein häufiger und gut angesehener Pfad.
Was der Beruf verlangt
Die Arbeitsbelastung ist ungleich verteilt. In der Abschlussphase, meist die ersten Arbeitstage des Monats und die Wochen um den Jahresabschluss, sind Überstunden die Regel; dazwischen ist es ruhiger. Fristen sind hart und nicht verhandelbar, Fehler in der Bilanz haben Folgen bis zur persönlichen Haftung.
Der Beruf verlangt Genauigkeit über lange Strecken und gleichzeitig die Fähigkeit, Zahlen für Menschen zu übersetzen, die keine Bilanz lesen können. Unangenehm wird es, wenn Sparvorgaben umgesetzt, Investitionen abgelehnt oder Stellen gestrichen werden müssen. In wirtschaftlich schwierigen Lagen sitzt der Leiter Finanzen zwischen Gesellschaftern, Banken und Belegschaft. Wer Konflikte scheut, wird die Rolle als anstrengend empfinden. Die Arbeit findet überwiegend am Schreibtisch statt, Homeoffice ist in Teilen möglich, in der Abschlusszeit oft nicht.
Aussichten
Qualifizierte Finanzfachkräfte mit Abschlusssicherheit sind seit Jahren knapp, besonders im Mittelstand außerhalb der Ballungsräume. Wer HGB und IFRS beherrscht, Konsolidierung kennt und Erfahrung mit SAP oder vergleichbaren Systemen hat, findet zuverlässig Stellen. Automatisierung und Digitalisierung verändern die Buchhaltung stark, verringern aber vor allem einfache Bearbeitungstätigkeiten und nicht die Steuerungsaufgabe.
Entwicklungswege führen zum kaufmännischen Geschäftsführer, zum Finanzvorstand größerer Gesellschaften oder in die Beratung und Restrukturierung. Auch der Schritt in die Selbständigkeit als Interimsmanager ist verbreitet und gut bezahlt.