Was macht ein Kraftfahrer?
Kraftfahrer bringen Waren von A nach B: Paletten vom Zentrallager zu Filialen, Baustoffe zur Baustelle, Kühlware zum Supermarkt, Silogut zum Werk. Der Tag beginnt meist mit der Abfahrtkontrolle - Reifen, Bremsen, Licht, Ölstand, Ladungssicherungsmittel. Dann folgen Beladung, Tourenplanung nach Vorgabe der Disposition und die Fahrt, unterbrochen von gesetzlich vorgeschriebenen Lenkzeitpausen.
An der Rampe wird selbst mit angepackt oder gewartet, bis der Stapler frei ist. Lieferscheine, CMR-Frachtbriefe und digitale Auftragsbestätigungen gehören dazu, ebenso das Scannen von Sendungen im Handgerät. Wer im Nahverkehr fährt, hat viele Stopps, viel Kundenkontakt und abends Feierabend zu Hause. Im Fernverkehr sind Touren über mehrere Tage üblich, mit Übernachtung in der Fahrerkabine auf Autohöfen. Spezialverkehre - Tank, Silo, Schwerlast, Abfall, Baustoffe, Möbel - bringen eigene Technik und eigene Vorschriften mit.
Wie wird man Kraftfahrer?
Zwei Wege sind üblich. Der schnellere: Führerschein der Klasse C/CE erwerben, dazu die beschleunigte Grundqualifikation nach dem Berufskraftfahrerqualifikationsgesetz. Das dauert je nach Fahrschule und Vorkenntnissen einige Wochen bis Monate und kostet mehrere tausend Euro. Viele Speditionen, Bauunternehmen und Entsorger übernehmen die Kosten gegen eine Bindungsfrist, auch die Agentur für Arbeit fördert häufig über einen Bildungsgutschein.
Der zweite Weg ist die dreijährige duale Ausbildung zum Berufskraftfahrer. Sie vermittelt zusätzlich Fahrzeugtechnik, Logistik, Ladungssicherung und Kundenkontakt und schließt mit einer Prüfung vor der Industrie- und Handelskammer ab. Wer bei der Bundeswehr oder Feuerwehr gefahren hat, steigt oft direkt um. Alle fünf Jahre sind 35 Stunden Weiterbildung Pflicht, um die Fahrerqualifikation zu behalten. Zusatzscheine wie ADR für Gefahrgut, Kran- oder Staplerberechtigung erweitern die Einsatzmöglichkeiten.
Was der Beruf verlangt
Der Beruf ist unregelmäßig. Frühstarts um vier Uhr, Nachtfahrten, Wochenendtouren, Wartezeiten an Rampen, die niemand bezahlt. Lenk- und Ruhezeiten werden vom digitalen Tachographen erfasst und kontrolliert; Verstöße kosten Geld und im Wiederholungsfall die Fahrerlaubnis. Sitzen belastet Rücken und Kreislauf, das Essen unterwegs ist oft schlecht, Bewegung fehlt. Ladungssicherung, Handentladung und Plane auf- und abziehen sind körperliche Arbeit.
Dazu kommt der Druck: engmaschige Zeitfenster, Staus, Baustellen, gereizte Verkehrsteilnehmer, wenig Verständnis für die Größe des Fahrzeugs. Im Fernverkehr bedeutet der Job Wochen fern von Familie und knappe Parkplätze an Autobahnen. Wer Ruhe bewahrt, vorausschauend fährt und Verantwortung für vierzig Tonnen tragen kann, ist hier richtig. Unzuverlässigkeit fällt sofort auf.
Aussichten
Fahrer werden gesucht, und zwar deutlich. Der Altersschnitt in der Branche ist hoch, viele gehen in den nächsten Jahren in Rente, der Nachwuchs reicht nicht. Wer den CE-Führerschein und eine saubere Fahrerkarte hat, findet in fast jeder Region Arbeit, oft mit übernommenen Umschulungskosten. Entwicklungswege führen in Spezialverkehre, zur Ausbilder- oder Fahrtrainerrolle, in die Disposition, zur Fachkraft für Lagerlogistik mit Führungsaufgaben oder in die eigene Selbstständigkeit als Frachtunternehmer. Automatisiertes Fahren wird den Beruf verändern, ersetzt Rangieren, Kundenkontakt und Ladungssicherung auf absehbare Zeit aber nicht.