Was macht ein Konstrukteur im Schiffbau?
Ein Schiff entsteht am Rechner, lange bevor die erste Platte geschnitten wird. Konstrukteure im Schiffbau erstellen aus Vorgaben des Auftraggebers und der Vorentwurfsabteilung detaillierte 3D-Modelle und Zeichnungen: Spantgerüste, Schotte, Decks, Fundamente für Maschinen, Rohrleitungssysteme, Lüftungskanäle, Aufbauten. Gearbeitet wird mit branchenspezifischen Systemen wie AVEVA Marine, Nupas-Cadmatic, NAPA oder Foran, ergänzt durch klassische CAD-Programme.
Dazu kommen Berechnungen und Nachweise. Wanddicken, Steifenabstände und Schweißnähte müssen den Regeln der Klassifikationsgesellschaft entsprechen, etwa DNV, Lloyd's Register oder Bureau Veritas. Stabilität, Freibord und Rettungsmitteleinrichtungen richten sich nach SOLAS und den Vorgaben der Flaggenstaaten. Ein großer Teil der Arbeit besteht darin, Unterlagen so aufzubereiten, dass Prüfingenieure sie freigeben, und Änderungen aus solchen Prüfungen einzuarbeiten.
Konstrukteure stimmen sich ständig mit anderen Gewerken ab. Eine Rohrleitung, die durch ein Schott führt, betrifft Stahlbau, Rohrleitungsbau und Brandschutz gleichzeitig. Kollisionsprüfungen im Modell, Klärungen mit Lieferanten und Rückmeldungen aus der Fertigung gehören zum Alltag. Wer auf einer Werft arbeitet, geht auch ins Dock oder an Bord, um Einbausituationen zu prüfen.
Wie wird man Konstrukteur im Schiffbau?
Der klassische Weg führt über ein Studium des Schiffbaus beziehungsweise der Schiffstechnik, angeboten unter anderem in Hamburg, Kiel, Rostock, Bremen, Flensburg und Wismar, mit Bachelor- oder Masterabschluss. Ebenso verbreitet ist der Einstieg über den Maschinenbau mit maritimer Vertiefung.
Ein zweiter Weg ist die technische Ausbildung mit Weiterbildung: Technischer Produktdesigner, Technischer Systemplaner oder Konstruktionsmechaniker, anschließend Technikerschule oder Meisterprüfung. Vor allem in der Detailkonstruktion und im Rohrleitungsbau arbeiten viele Techniker. Quereinstiege aus dem Anlagenbau oder der Stahlkonstruktion sind möglich, wenn die Softwarekenntnisse stimmen; die schiffbaulichen Regelwerke lernt man dann im Betrieb.
Was der Beruf verlangt
Die Arbeit ist überwiegend Bildschirmarbeit, oft in Projekten mit festen Ablieferterminen. Verzögerungen am Anfang landen am Ende in der Konstruktion, entsprechend gibt es Phasen mit Überstunden. Die Branche ist zyklisch: Auftragslücken bei Werften führen zu Kurzarbeit, gelegentlich auch zu Insolvenzen, wie die Entwicklungen bei mehreren deutschen Werften der letzten Jahre gezeigt haben.
Gefordert sind räumliches Vorstellungsvermögen, Sorgfalt und die Bereitschaft, sich in umfangreiche Regelwerke einzuarbeiten. Englisch ist Arbeitssprache, weil Reeder, Klasse und Zulieferer international sind. Wer bei Ingenieurdienstleistern arbeitet, wechselt häufiger den Einsatzort und pendelt teils über längere Strecken.
Aussichten
Der deutsche Schiffbau konzentriert sich auf Spezialsegmente: Kreuzfahrtschiffe, Marineschiffe, Yachten, Fähren, Behördenfahrzeuge und Offshore-Strukturen. In diesen Feldern werden Konstrukteure gesucht, zusätzlich in der Offshore-Windindustrie und bei Zulieferern. Erfahrene Fachkräfte mit Kenntnissen in den maritimen CAD-Systemen finden meist zügig eine Stelle, allerdings mit regionaler Bindung an die Küste, Hamburg und einzelne Binnenstandorte.
Entwicklungswege führen in die Projektleitung, die Leitung einer Konstruktionsgruppe, in die Berechnung und Simulation oder zu Klassifikationsgesellschaften als Prüfingenieur. Auch der Wechsel in Vertrieb, Einkauf oder Neubauüberwachung bei Reedereien ist üblich.