Was macht eine Key Account Managerin?
Key Account Management heißt: nicht viele Kunden, sondern wenige große. Ein Betreuungsportfolio umfasst oft nur eine Handvoll Konzerne, Handelsketten oder Industriekunden, die zusammen einen erheblichen Teil des Firmenumsatzes ausmachen. Die Arbeit besteht aus Jahresgesprächen und Preisverhandlungen, dem Aushandeln von Rahmenverträgen, Konditionen, Listungen und Lieferbedingungen, der Analyse von Absatzzahlen und Deckungsbeiträgen sowie der Vorbereitung von Angeboten und Ausschreibungen. Dazu kommt viel interne Koordination: mit Produktmanagement über Sonderwünsche, mit der Logistik über Liefertermine, mit dem Controlling über Rabattstaffeln, mit der Technik über Spezifikationen. Ein guter Teil des Tages geht für Abstimmung im eigenen Haus drauf, nicht für Kundenkontakt.
Je nach Branche unterscheidet sich der Alltag stark. Im Konsumgütergeschäft dominieren harte Jahresgespräche mit dem Lebensmitteleinzelhandel, im Industriegeschäft lange Projektzyklen mit technischer Tiefe, in der IT das Erklären von Lösungen an mehrere Entscheider gleichzeitig. Reisen gehören meist dazu, häufig ein bis drei Tage pro Woche, ein Teil der Termine läuft inzwischen per Video.
Wie wird man Key Account Manager?
Der übliche Weg führt über ein Studium in Betriebswirtschaft, Wirtschaftsingenieurwesen, Wirtschaftsinformatik oder ein Fachstudium der jeweiligen Branche, etwa Lebensmitteltechnologie oder Maschinenbau. Ebenso verbreitet ist der Aufstieg aus dem Vertrieb: Wer als Vertriebsmitarbeiterin im Innen- oder Außendienst angefangen hat, eine kaufmännische Ausbildung mitbringt und einige Jahre Kundenverantwortung getragen hat, wird für Schlüsselkunden vorgeschlagen. Eine Einstiegsstelle direkt nach dem Studium ist selten; meist wird zwei bis fünf Jahre Vertriebserfahrung erwartet. Quereinstiege gelingen häufig aus dem Einkauf der Gegenseite, aus dem Produktmanagement oder aus der technischen Beratung.
Was der Beruf verlangt
Der Beruf ist zielgetrieben. Umsatz- und Margenvorgaben werden quartalsweise geprüft, und wer sie verfehlt, muss das erklären. Der Verlust eines einzigen Großkunden kann eine Karriere belasten, obwohl die Ursachen oft außerhalb des eigenen Einflusses liegen. Verhandlungen mit professionellen Einkaufsorganisationen sind unangenehm: Preisdruck, Forderungen nach Nachlässen, glaubhafte Abbruchdrohungen. Wer Konflikte schlecht erträgt oder zu schnell nachgibt, ist hier am falschen Platz.
Die Arbeitszeiten sind flexibel, aber nicht kurz. Abendliche Kundenessen, Messen an Wochenenden, Reisezeit außerhalb der Kernzeit. Homeoffice ist verbreitet, ersetzt aber die Präsenz beim Kunden nicht. Belastend ist außerdem die Doppelrolle: nach außen die Interessen des eigenen Hauses vertreten, nach innen für den Kunden kämpfen, wenn Liefertermine reißen.
Aussichten
Die Nachfrage ist stabil, weil kaum ein Unternehmen seine größten Kunden ohne feste Ansprechpartner betreuen lässt. Gesucht werden vor allem Leute mit Branchenkenntnis und einem belastbaren Netzwerk; reine Verkaufsroutine ohne Fachverständnis verliert an Wert, weil Einkäufer datengestützt argumentieren. Entwicklungswege führen zum Global Account Management für international tätige Kunden, zur Leitung eines Vertriebsteams oder einer Region, weiter zur Vertriebs- oder Geschäftsleitung. Auch der Wechsel in Business Development oder Strategie ist möglich. Wer Kundenbeziehungen aufgebaut hat, wird häufig von Wettbewerbern angesprochen.