Was macht ein ILS-Manager?
ILS steht für Integrated Logistics Support, auf Deutsch integrierte logistische Unterstützung. Gemeint ist die Frage, wie ein Hubschrauber, ein Radarsystem, ein Schienenfahrzeug oder eine Fregatte über zwanzig oder dreißig Jahre einsatzfähig gehalten wird. ILS-Manager beantworten diese Frage nicht erst nach der Lieferung, sondern parallel zur Entwicklung des Systems.
Die Arbeit beginnt mit Analysen: Welche Bauteile fallen wie häufig aus, wie lange dauert ein Austausch, welches Werkzeug und welche Qualifikation braucht die Werkstatt dafür. Aus solchen Zuverlässigkeits- und Instandhaltbarkeitsdaten entstehen Instandhaltungskonzepte, Ersatzteillisten mit Bedarfsprognosen, Schulungsunterlagen für das Bedien- und Wartungspersonal und die technische Dokumentation. ILS-Manager rechnen Lebenswegkosten, verhandeln mit Lieferanten über Datenlieferungen und Verfügbarkeitszusagen und prüfen, ob Konstruktionsentscheidungen der Entwicklungsabteilung später hohe Betriebskosten verursachen.
Ein großer Teil des Alltags besteht aus Abstimmung. ILS-Manager sitzen zwischen Konstruktion, Einkauf, Qualitätssicherung, Vertrieb und Kunde. In Rüstungsprojekten ist der Kunde häufig eine Beschaffungsbehörde, die eigene Normen und Berichtspflichten mitbringt. Entsprechend prägen Spezifikationen, Reviews und Nachweisdokumente die Arbeit.
Wie wird man ILS-Manager?
Üblich ist ein Studium in Maschinenbau, Luft- und Raumfahrttechnik, Elektrotechnik, Wirtschaftsingenieurwesen oder Logistik. Ein Direkteinstieg nach dem Studium kommt vor, häufiger führt der Weg über einige Jahre in der Konstruktion, im Service, in der Instandhaltung oder im Projekteinkauf. Wer aus der Praxis der Instandsetzung kommt, kennt die Fragen, die im ILS beantwortet werden müssen, aus eigener Erfahrung.
Ein nennenswerter Teil der Stellen wird von Zeitsoldaten und Berufssoldaten besetzt, die aus dem technisch-logistischen Bereich der Bundeswehr in die Industrie wechseln. Für Quereinsteiger aus benachbarten Feldern gibt es Weiterbildungen und Zertifikatskurse zu ILS-Standards, Zuverlässigkeitsanalysen und Konfigurationsmanagement.
Was der Beruf verlangt
Der Beruf ist dokumentenlastig. Wer Freude an technischer Entwicklung hat, aber Spezifikationen, Datenmodelle und Nachweisführung als Nebensache betrachtet, wird hier unglücklich. Analysen ziehen sich über Monate, Ergebnisse zeigen sich erst im späteren Betrieb, und die Datenlage aus Zulieferbetrieben ist oft unvollständig, sodass Annahmen begründet und verteidigt werden müssen.
Die Arbeitszeiten sind meist geregelt, mit Spitzen vor Angebotsabgaben und Projektmeilensteinen. Reisetätigkeit gehört dazu, etwa zu Lieferanten, Werkstätten oder Nutzern. In der Verteidigungsbranche ist häufig eine Sicherheitsüberprüfung erforderlich, was den Kreis der Bewerber einschränkt und Einstellungsverfahren verlängert. Englisch ist Arbeitssprache, weil viele Programme international abgewickelt werden.
Aussichten
Die Nachfrage ist stabil und in der Verteidigungsindustrie derzeit deutlich steigend, weil die Beschaffungsprogramme wachsen und Verfügbarkeit vertraglich zugesichert werden muss. Auch Bahnbetreiber, Werften, Energietechnik und Anlagenbau vergeben solche Aufgaben zunehmend an eigene Fachleute. Erfahrene ILS-Manager sind schwer zu finden, weil das Feld schmal und die Einarbeitung lang ist.
Entwicklungswege führen in die Leitung größerer ILS-Organisationen, in das Projekt- oder Programmmanagement, in den Vertrieb von Serviceverträgen oder in die Spezialisierung auf Zuverlässigkeitsanalysen und Lebenswegkostenrechnung. Wer Branchenkenntnis und Normenerfahrung mitbringt, wechselt vergleichsweise leicht zwischen Herstellern und Beratungshäusern.