Was macht eine Forstwirtin?
Die Arbeit im Wald folgt den Jahreszeiten. Im Frühjahr werden Jungbäume gepflanzt, oft mehrere Hundert an einem Tag, mit Spaten oder Pflanzhacke in unebenem Gelände. Im Sommer stehen Kulturpflege, Freischneiden junger Bestände, Wegeunterhaltung und der Bau von Zäunen gegen Wildverbiss an. Im Herbst und Winter wird geerntet: Bäume werden mit der Motorsäge gefällt, entastet, auf Länge geschnitten und für den Abtransport aufgearbeitet. Hinzu kommt die Arbeit an Rückegassen, Holzpoltern und Forstwegen.
Zum Alltag gehört außerdem der Umgang mit Maschinen. Motorsäge, Freischneider, Seilwinde, Rückeschlepper und Häcksler müssen bedient, gewartet und geschärft werden. Wer in einem größeren Betrieb arbeitet, wird auch an Forwarder oder Harvester herangeführt. Viele Forstwirte übernehmen zusätzlich Aufgaben im Waldschutz, etwa das Aufstellen von Borkenkäferfallen, die Kontrolle geschädigter Bestände oder das Fällen abgestorbener Fichten. Nach Sturmereignissen kommt die Aufarbeitung von Windwurf dazu, die gefährlichste Arbeit im Beruf.
Wie wird man Forstwirt?
Üblich ist die dreijährige duale Ausbildung zum Forstwirt oder zur Forstwirtin. Ausbildungsbetriebe sind Landesforstverwaltungen, kommunale Forstämter, Forstbetriebsgemeinschaften und private Forstunternehmen. Rechtlich ist kein bestimmter Schulabschluss vorgeschrieben, in der Praxis stellen die Betriebe meist Bewerber mit Hauptschul- oder Realschulabschluss ein. Die Zahl der Ausbildungsplätze ist überschaubar, die Auswahl deshalb an manchen Standorten streng.
Ein Quereinstieg ist möglich, aber selten ohne Nachweise. Wer im Wald arbeiten will, braucht mindestens einen Motorsägenkurs mit Sachkundenachweis, für Arbeiten in Betrieben zusätzlich meist die volle Kettensägenqualifikation. Landwirte, Gärtner oder Bauhofmitarbeiter mit Maschinenerfahrung finden am ehesten einen Zugang, häufig zunächst als Forstwirtschaftshelfer.
Was der Beruf verlangt
Der Körper trägt die Hauptlast. Gearbeitet wird stehend, gebückt, im Hang, bei Regen, Frost und Hitze, oft kilometerweit vom nächsten Fahrzeug entfernt. Die Motorsäge wiegt, das Werkzeug wiegt, die Pflanzkisten wiegen. Rücken, Knie und Schultern melden sich bei vielen nach einigen Jahren. Die Unfallgefahr ist deutlich höher als in den meisten anderen Berufen: fallende Bäume, unter Spannung stehendes Holz, Kettenrückschlag. Vorschriften zur Schutzausrüstung sind kein Formalismus.
Hinzu kommen Zecken und die Gefahr von Borreliose und FSME, wechselnde Einsatzorte und in der Erntesaison lange Tage. Die Arbeitszeit liegt meist tagsüber, Wochenendarbeit ist die Ausnahme, dafür bestimmt das Wetter den Ablauf. Wer Struktur, Wärme und einen festen Arbeitsplatz braucht, wird damit nicht glücklich. Wer gerne allein oder im kleinen Team draußen arbeitet und sichtbare Ergebnisse mag, findet hier wenige Alternativen.
Aussichten
Fachkräfte werden gesucht, auch weil viele Beschäftigte in den Landesforsten in den Ruhestand gehen und Nachwuchs fehlt. Klimaschäden, Kalamitätsflächen und Waldumbau sorgen für dauerhaft viel Arbeit. Nach einigen Jahren ist die Meisterprüfung möglich, sie führt zu Vorarbeiter- und Ausbilderfunktionen. Weitere Wege sind die Spezialisierung als Seilkletterer und Baumpfleger, die Prüfung zum Forsttechniker oder die Selbstständigkeit als Forstunternehmer. Mit Fachhochschulreife ist auch ein Studium der Forstwirtschaft anschlussfähig.