Was macht ein Filialleiter für die Neueröffnung?
Die Aufgabe beginnt Wochen vor dem ersten Verkaufstag. Der Filialleiter übernimmt eine leere Fläche, koordiniert Handwerker, Regalaufbau und Warenanlieferung, prüft Kassensysteme und Warenwirtschaft und richtet die Fläche nach dem Filialkonzept der Kette ein. Parallel läuft der Personalaufbau: Stellen ausschreiben, Bewerbungsgespräche führen, Arbeitsverträge mit der Personalabteilung abstimmen, Einarbeitungspläne schreiben und ein Team einarbeiten, das sich vorher nie gesehen hat.
Nach der Eröffnung folgt der Normalbetrieb mit allen Aufgaben einer Filialleitung: Dienstpläne erstellen, Umsatz und Personalkosten überwachen, Inventurdifferenzen klären, Reklamationen bearbeiten, Bestellungen auslösen, Warendruck und Abschriften im Blick behalten. Bei manchen Arbeitgebern zieht der Eröffnungsleiter nach der Stabilisierungsphase weiter zum nächsten neuen Standort, bei anderen bleibt er dauerhaft in der Filiale.
Wie wird man Filialleiter für die Neueröffnung?
Der häufigste Weg führt über eine Ausbildung als Kaufmann im Einzelhandel oder Verkäufer und mehrere Jahre Praxis, meist über die Stationen Stellvertretung und Filialleitung eines bestehenden Standorts. Viele Ketten haben eigene Trainee- oder Nachwuchsführungsprogramme, die zwölf bis vierundzwanzig Monate dauern. Auch Absolventen eines betriebswirtschaftlichen Studiums oder eines Handelsfachwirt-Abschlusses steigen ein. Quereinsteiger aus Gastronomie, Logistik oder Systemgastronomie werden genommen, wenn sie Führungserfahrung und Zahlenverständnis mitbringen. Für Eröffnungen wird fast immer verlangt, dass man bereits eine Filiale selbst verantwortet hat.
Was der Beruf verlangt
Eröffnungen laufen unter Zeitdruck. Termine verschieben sich, Lieferungen fehlen, Personal springt vor dem Start wieder ab, und der Eröffnungstag steht trotzdem im Werbeprospekt. In den Wochen davor und danach sind Sechs-Tage-Wochen und Arbeitstage von zehn Stunden und mehr die Regel. Der Beruf ist körperlich fordernder, als der Titel klingt: Rollcontainer schieben, Paletten auflösen, Ware verräumen gehört dazu, besonders wenn das Team noch nicht vollständig ist.
Samstagsarbeit ist Standard, in einigen Formaten auch früher Morgen oder späte Abende. Wer Standorte in einer Region eröffnet, ist viel unterwegs und übernachtet auswärts. Dazu kommt die Verantwortung für Kennzahlen, die man in einer neuen Filiale nur teilweise steuern kann, sowie regelmäßige Personalgespräche, Kündigungen und Konflikte im Team. Belastbarkeit, Organisationstalent und ein ruhiger Umgang mit Chaos sind wichtiger als Verkaufstalent.
Aussichten
Der Einzelhandel sucht durchgehend Führungskräfte für die Fläche, weil viele Filialleiter die Belastung nicht dauerhaft tragen wollen. Discounter, Drogerie- und Fachmarktketten expandieren weiter und besetzen Eröffnungsteams bevorzugt intern. Wer mehrere Eröffnungen begleitet hat, hat gute Argumente für den Wechsel in die Bezirks- oder Gebietsleitung, in die Expansionsabteilung oder in den Vertriebsinnendienst. Auch der Sprung in Personalentwicklung oder Filialcontrolling ist möglich. Die Arbeitsplatzsicherheit ist hoch, die Fluktuation in der Position ebenfalls.