Was macht ein Kabelmonteur für Nieder- und Mittelspannung?
Der Beruf dreht sich um die Leitungen, die Strom von der Umspannstation bis in Häuser, Betriebe und Ladesäulen bringen. Kabelmonteure verlegen Erdkabel in offene Gräben, ziehen sie in Leerrohre ein und stellen die Verbindungen her: Muffen für Kabelverbindungen, Endverschlüsse in Trafostationen, Anschlüsse in Kabelverteilerschränken und Hausanschlusskästen. Gearbeitet wird an Niederspannung bis 1 Kilovolt und an Mittelspannung, üblicherweise 10 bis 30 Kilovolt.
Ein typischer Tag beginnt am Betriebshof, mit Materialaufnahme und Fahrt zur Baustelle. Dort wird die Arbeitsstelle gesichert, die Kabellage geortet, freigelegt und geprüft. Vor jedem Eingriff steht das Freischalten und Erden nach den fünf Sicherheitsregeln. Beim Muffenbau werden Kabelmantel und Isolierung millimetergenau abgesetzt, Leiter verpresst, Schirme wieder aufgebaut und die Muffe verschlossen. Anschließend folgen Isolationsmessung, Durchgangsprüfung und Dokumentation. Bei Störungen kommt Kabelfehlortung dazu: Messwagen, Impulsreflexion, Mantelfehlersuche.
Wie wird man Kabelmonteur?
Üblich ist eine dreieinhalbjährige duale Ausbildung, meist als Elektroniker für Betriebstechnik, Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik oder Industrieelektriker. Der eigentliche Zugang zur Kabelmontage läuft danach über betriebliche Lehrgänge: Muffenbau-Schulungen der Hersteller, Kurse zum Arbeiten unter Spannung, Schaltberechtigung für Mittelspannung. Netzbetreiber und Montagefirmen bilden hier systematisch weiter, weil die Arbeitsverfahren herstellergebunden sind.
Quereinstieg ist möglich, aber begrenzt. Wer aus einem anderen Elektroberuf kommt, wird eingearbeitet. Ohne elektrotechnische Grundqualifikation ist der Einsatz auf Hilfstätigkeiten im Tiefbau beschränkt. Ein Führerschein der Klasse C1 oder C ist häufig gefordert, weil Montagefahrzeuge schwer sind.
Was der Beruf verlangt
Die Arbeit findet bei jedem Wetter statt, im Graben knietief im Wasser, im Sommer in der Sonne, im Winter mit klammen Fingern. Kabeltrommeln und Werkzeug sind schwer, viel wird kniend und gebückt gearbeitet. Knie, Rücken und Schultern nehmen das über die Jahre wahr. Wer nicht schwindelfrei oder körperlich belastbar ist, kommt hier nicht weit.
Hinzu kommt die Verantwortung: Ein Fehler bei Freischaltung oder Erdung kann tödlich enden, ein fehlerhaft gebauter Mittelspannungsmuffe fällt Monate später aus und legt einen Straßenzug lahm. Rufbereitschaft und Nachteinsätze gehören dazu, weil Netzstörungen keine Bürozeiten kennen. Bei Montagefirmen sind Wochen auf Montage mit Übernachtung außerhalb üblich.
Aussichten
Die Nachfrage ist hoch und steigt weiter. Netzausbau für erneuerbare Energien, Ladeinfrastruktur, Wärmepumpen und Neubaugebiete erfordern neue Kabelstrecken, gleichzeitig sind große Teile der bestehenden Netze alt und müssen erneuert werden. Viele erfahrene Monteure gehen in den nächsten Jahren in Rente, Nachwuchs fehlt. Wer die Schaltberechtigung und Muffenprüfungen hat, findet praktisch überall Arbeit.
Entwicklungswege führen zum Obermonteur, zur Bauleitung, zum Meister oder Techniker der Elektrotechnik, in die Netzführung oder in die Kabelfehlortung als Spezialgebiet. Auch der Wechsel vom Montageunternehmen zum Netzbetreiber ist ein häufiger Schritt, meist verbunden mit besseren Arbeitszeiten und Tarifbindung.