Was macht ein Dialoger?
Dialoger sprechen im Auftrag von Hilfsorganisationen, Umweltverbänden, Tierschutzvereinen oder Kinderhilfswerken Passanten an und versuchen, sie für eine regelmäßige Fördermitgliedschaft zu gewinnen. Der Arbeitsplatz ist der Stand in einer Einkaufsstraße, ein Platz vor dem Bahnhof, eine Fußgängerzone oder – in der Variante Haustürwerbung – ein Wohngebiet. Ein Arbeitstag besteht aus vielen kurzen Gesprächen: ansprechen, das Anliegen der Organisation erklären, Fragen beantworten, Einwände aufnehmen und am Ende um eine schriftliche Zusage bitten. Zugesagte Beiträge werden auf einem Tablet oder Formular erfasst, Bankdaten aufgenommen, die Widerrufsfrist und die Verwendung der Daten erläutert.
Dazu gehört auch der Aufbau und Abbau des Standes, die Fahrt zum Einsatzort, die morgendliche Teambesprechung mit Zielvorgaben und die Auswertung am Abend. Viele Dialoger arbeiten in reisenden Teams, die eine Woche oder länger in einer Stadt bleiben und gemeinsam in Pensionen oder Wohnungen untergebracht sind. Feste Standteams arbeiten dagegen wohnortnah.
Wie wird man Dialoger?
Es gibt keine Ausbildung für diesen Beruf und keine formalen Zugangsvoraussetzungen. Eingestellt wird über Bewerbungsgespräche und ein mehrtägiges Einarbeitungstraining, in dem Gesprächsaufbau, Argumentation, Datenschutz und die Inhalte der beworbenen Organisation vermittelt werden. Danach folgt die Begleitung durch erfahrene Teamleitungen am Stand. Quereinstieg ist der Normalfall: Studierende, Schulabgänger, Menschen mit Erfahrung im Verkauf, in der Gastronomie oder im Kulturbereich. Wer die Sprache sicher beherrscht, offen auftritt und Kritik verträgt, kann innerhalb weniger Wochen selbstständig arbeiten.
Was der Beruf verlangt
Die größte Belastung ist die Zurückweisung. Der überwiegende Teil der angesprochenen Menschen geht weiter, viele reagieren gereizt, manche beleidigend. Wer das persönlich nimmt, hält den Beruf nicht lange aus. Gearbeitet wird bei jedem Wetter, überwiegend im Stehen, oft sechs bis acht Stunden am Tag, häufig auch samstags. Die Arbeit in reisenden Teams bedeutet ständige Abwesenheit vom Wohnort und wenig Privatsphäre.
Hinzu kommt der Erfolgsdruck. Fast alle Arbeitgeber arbeiten mit Tagesabschlusszielen; ein Teil der Vergütung hängt an der Zahl der gewonnenen Fördermitglieder. Verträge sind häufig befristet, teils saisonal, teils auf einzelne Kampagnen begrenzt. Manche Anbieter beschäftigen auf Honorarbasis, was Fragen der Sozialversicherung aufwirft und vor Vertragsschluss geprüft werden sollte. Wichtig ist außerdem, dass seriöse Arbeit hier bedeutet, niemanden zu überreden, der sich den Beitrag nicht leisten kann.
Aussichten
Der Bedarf ist stabil, weil Organisationen dauerhaft neue Fördermitglieder brauchen und Einstiege oft kurzfristig besetzt werden. Die Fluktuation ist hoch, Einsteiger finden deshalb schnell eine Stelle. Wer bleibt, wird Teamleitung, übernimmt Schulung neuer Kräfte, Standplanung und Genehmigungen bei den Städten. Von dort führen Wege in die Kampagnenkoordination, ins Fundraising einer Organisation oder in die Agenturleitung. Die im Dialog erworbene Sicherheit im Gespräch ist auch im Vertrieb, in der Kundenberatung und in der Öffentlichkeitsarbeit gefragt, sodass der Beruf für viele eine Durchgangsstation mit brauchbarem Ertrag ist.