Was macht ein Consultant International Tax Advisory?
International tätige Unternehmen zahlen Steuern in mehreren Staaten. Wo genau, in welcher Höhe und nach welchen Regeln, ergibt sich aus nationalem Recht, Doppelbesteuerungsabkommen, EU-Richtlinien und OECD-Vorgaben. Consultants im International Tax Advisory arbeiten an genau diesen Schnittstellen. Sie prüfen, ob eine geplante Auslandsgesellschaft eine Betriebsstätte begründet, berechnen Quellensteuern auf Dividenden und Lizenzzahlungen, dokumentieren Verrechnungspreise zwischen Konzerngesellschaften und rechnen durch, welche steuerlichen Folgen eine Umstrukturierung oder ein Unternehmenskauf hat.
Der Alltag besteht aus Recherche, Rechnen und Schreiben. Ein großer Teil der Arbeit sind Memoranden und Gutachten: Sachverhalt aufnehmen, Rechtslage in zwei oder drei Staaten klären, Kollegen im Ausland anschreiben, Ergebnis in eine belastbare Empfehlung übersetzen. Dazu kommen Steuererklärungen für Konzerngesellschaften, Anträge bei Finanzämtern und dem Bundeszentralamt für Steuern sowie die Begleitung von Betriebsprüfungen. Excel und Präsentationsfolien gehören zum Handwerkszeug wie Kommentarliteratur und Datenbanken.
Wie wird man Consultant International Tax Advisory?
Üblich ist ein Studium der Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Steuern, der Wirtschaftswissenschaften oder der Rechtswissenschaft, oft ergänzt um einen Master in Taxation oder International Business Taxation. Der Einstieg erfolgt regelmäßig direkt nach dem Abschluss als Consultant oder Associate in einer der großen Prüfungs- und Beratungsgesellschaften, in internationalen Steuerkanzleien oder in mittelständischen Sozietäten mit Auslandsmandaten. Ein Praktikum in der Steuerabteilung ist praktisch Voraussetzung.
Wer im Beruf bleiben will, legt in den ersten Jahren das Steuerberaterexamen ab. Es gilt als eine der schwersten Berufsprüfungen in Deutschland, die Durchfallquote ist hoch, und die Vorbereitung läuft meist parallel zum Job oder in unbezahlter Freistellung. Quereinstiege gelingen aus der Finanzverwaltung, aus Steuerabteilungen von Unternehmen oder nach einer Ausbildung zum Steuerfachangestellten mit anschließender Weiterbildung – dann aber langsamer und seltener in den international ausgerichteten Einheiten.
Was der Beruf verlangt
Die Arbeit ist mandats- und fristgetrieben. In Deadline-Phasen, etwa bei Abschlüssen, Fristen für Steuererklärungen oder laufenden Transaktionen, sind Wochenarbeitszeiten von deutlich über fünfzig Stunden normal, teils auch am Wochenende. Überstunden werden in vielen Häusern erwartet und nicht vollständig ausgeglichen. Reisen zu Mandanten oder ausländischen Standorten kommen dazu, je nach Bereich mehr oder weniger.
Inhaltlich verlangt der Beruf Genauigkeit und Ausdauer beim Lesen: Gesetzestexte, Abkommen, Erlasse, Urteile. Wer schnell Ergebnisse sehen will, wird ungeduldig, weil Fragestellungen sich über Monate ziehen. Verhandlungssicheres Englisch ist Pflicht, weil Mandantenkommunikation, Abkommen und interne Abstimmung im Netzwerk auf Englisch laufen. Hinzu kommt der Druck der Beförderungssystematik: Wer nicht innerhalb bestimmter Fristen aufsteigt oder das Examen schafft, verlässt die Gesellschaft meist.
Aussichten
Die Nachfrage ist stabil hoch. Verrechnungspreise, globale Mindestbesteuerung und Meldepflichten haben den Beratungsbedarf in den letzten Jahren eher vergrößert, gleichzeitig fehlen qualifizierte Steuerberater am Markt. Typische Wege führen über Senior Consultant und Manager zur Führung eigener Mandate, in die Partnerschaft oder – häufig gewählt – in die Steuerabteilung eines Konzerns, wo Arbeitszeiten planbarer sind. Auch die Spezialisierung auf Verrechnungspreise, Transaktionen oder eine Region ist ein gängiger Karriereweg.