Was macht ein Business Process Consultant?
Ein Business Process Consultant untersucht, wie in einem Unternehmen gearbeitet wird, und entwirft, wie es besser laufen könnte. In der Logistik heißt das konkret: Wareneingang, Kommissionierung, Tourenplanung, Zollabwicklung, Retourenbearbeitung. Der Consultant begleitet Prozesse vor Ort im Lager, sitzt in der Disposition mit, wertet Daten aus dem Lagerverwaltungs- oder Transportmanagementsystem aus und zeichnet den Ist-Zustand auf, meist in BPMN oder in einfachen Ablaufdiagrammen.
Aus der Analyse entstehen Vorschläge: Doppelerfassungen abschaffen, Schnittstellen zwischen ERP und Speditionssoftware automatisieren, Belegflüsse digitalisieren, Kennzahlen einführen, die vorher niemand gemessen hat. Danach beginnt der schwierigere Teil, nämlich die Umsetzung. Der Consultant schreibt Anforderungen für die IT, testet neue Systemabläufe, schult Lagerkräfte und Disponenten und dokumentiert die neuen Standards. Ein großer Teil der Arbeitszeit besteht aus Gesprächen, Workshops und Präsentationen für Entscheider.
Wie wird man Business Process Consultant?
Üblich ist ein Studium in Wirtschaftsinformatik, Logistik, Supply Chain Management, Betriebswirtschaft oder Wirtschaftsingenieurwesen. Der Beruf ist nicht geschützt, deshalb gibt es viele Quereinsteiger: Speditionskaufleute oder Fachkräfte für Lagerlogistik, die sich über Weiterbildungen zum Logistikfachwirt, über Projektarbeit oder über eine interne Prozessstelle in die Rolle hineinentwickeln. Wer die Abläufe aus der Praxis kennt, hat einen Vorteil gegenüber Absolventen, denen die Betriebsrealität fremd ist.
Einstiegsstellen finden sich in Beratungshäusern, bei IT-Dienstleistern mit Logistikschwerpunkt und in Inhouse-Consulting-Abteilungen großer Speditionen und Handelskonzerne. Zertifikate wie Six Sigma, Scrum Master, ITIL oder Modulzertifikate für SAP S/4HANA und die Logistikmodule sind gängig und werden oft vom Arbeitgeber bezahlt.
Was der Beruf verlangt
Die Arbeit ist projektgetrieben, und Projekte laufen selten ruhig. Vor Go-live-Terminen entstehen Überstunden, Wochenendeinsätze bei Systemumstellungen sind in der Logistik normal, weil der Betrieb nicht stillstehen darf. In der externen Beratung kommt Reisetätigkeit dazu, häufig mehrere Tage pro Woche beim Kunden.
Schwer fällt vielen nicht die Analyse, sondern der Widerstand. Wer Prozesse ändert, greift in Gewohnheiten ein und wird als Bedrohung wahrgenommen, besonders wenn Automatisierung Stellen betrifft. Man muss Kritik aushalten, im Lager anders sprechen als im Vorstandsmeeting und akzeptieren, dass gute Konzepte an Politik scheitern. Ohne Geduld und ein dickes Fell wird die Rolle zur Dauerbelastung.
Aussichten
Die Nachfrage ist stabil und wird von zwei Entwicklungen getragen: der Digitalisierung der Lieferketten und dem Personalmangel, der Unternehmen zwingt, Abläufe zu verschlanken. ERP-Umstellungen, Lagerautomatisierung und Anforderungen aus Lieferkettengesetz und Zollrecht sorgen für laufende Projekte.
Entwicklungswege führen zur Spezialisierung auf ein System oder eine Domäne, zur Projekt- und Programmleitung, in die Teamleitung eines Inhouse-Consultings oder in die Selbstständigkeit als freier Berater, wo die Tagessätze hoch sind, die Auftragslage aber schwankt. Wer lange in der externen Beratung bleibt, wechselt oft irgendwann in eine feste Prozessverantwortung mit weniger Reisen.