Was macht ein Bilanzbuchhalter International?
Im Zentrum steht die Bewertung und Darstellung von Geschäftsvorfällen nach mehr als einem Regelwerk. Ein Leasingvertrag, eine Pensionszusage, eine Fremdwährungsforderung oder ein Entwicklungsprojekt werden nach HGB anders behandelt als nach IFRS. Bilanzbuchhalter International führen diese Parallelrechnungen, dokumentieren die Überleitung und begründen jede Abweichung nachvollziehbar.
Der Arbeitsalltag besteht aus Monats-, Quartals- und Jahresabschlüssen, der Abstimmung von Konten und Intercompany-Salden, der Konsolidierung von Tochtergesellschaften und der Aufbereitung von Anhangangaben. Dazu kommen Umsatzsteuervoranmeldungen mit Auslandsbezug, Reverse-Charge-Fälle, Zusammenfassende Meldungen und die Bewertung von Fremdwährungspositionen zum Stichtag. Ein großer Teil der Zeit geht in Kommunikation: mit Kollegen in Auslandsgesellschaften, mit Wirtschaftsprüfern, mit Steuerberatern und mit dem Controlling. Gearbeitet wird in SAP, DATEV, Oracle oder Microsoft Dynamics, in der Konsolidierung häufig mit LucaNet oder SAP Group Reporting, und praktisch immer zusätzlich in Excel.
Wie wird man Bilanzbuchhalter International?
Der klassische Weg führt über eine kaufmännische Ausbildung, etwa als Steuerfachangestellter oder Industriekaufmann, mehrere Jahre Praxis in der Finanzbuchhaltung und anschließend die Weiterbildung zum Bilanzbuchhalter vor der Industrie- und Handelskammer. Darauf setzt der Abschluss "Bilanzbuchhalter International" auf, ebenfalls IHK-geprüft, mit Schwerpunkt IFRS, Konzernrechnungslegung und internationalem Steuerrecht. Die Kurse laufen meist berufsbegleitend über zwölf bis achtzehn Monate und werden vom Arbeitgeber oder über Aufstiegs-BAföG mitfinanziert.
Der zweite Weg ist ein Studium in Betriebswirtschaft mit Schwerpunkt Accounting, oft ergänzt durch Jahre in der Wirtschaftsprüfung. Wer aus einer Prüfungsgesellschaft in ein Unternehmen wechselt, bringt die IFRS-Kenntnisse meist schon mit. Quereinstieg ohne Buchhaltungserfahrung ist unrealistisch; die Prüfungsordnungen setzen einschlägige Praxis voraus.
Was der Beruf verlangt
Die Arbeit ist stark saisonal. In den Wochen um den Jahresabschluss und während der Prüfung sind Überstunden die Regel, in ruhigen Monaten lässt sich das teilweise ausgleichen. Wer schlecht mit Fristen unter Druck umgehen kann, wird diese Phasen als belastend erleben.
Die Standards ändern sich fortlaufend. Neue IFRS, Auslegungshinweise, Anpassungen im Steuerrecht und Berichtspflichten zur Nachhaltigkeit müssen gelesen und in eigene Bilanzierungsrichtlinien übersetzt werden. Fachliteratur zu verfolgen gehört dauerhaft dazu. Englisch ist keine Zusatzqualifikation, sondern Arbeitssprache, häufig auch in Telefonkonferenzen mit anderen Zeitzonen.
Dazu gehört eine gewisse Bereitschaft, allein an einer Frage zu bleiben, bis sie belegbar geklärt ist. Vieles ist Bildschirmarbeit, sitzend, konzentriert, über Stunden. Fehler in Zahlen, die in einen veröffentlichten Konzernabschluss fließen, haben Gewicht, was manche als Verantwortung, andere als Anspannung empfinden.
Aussichten
Die Nachfrage ist hoch und stabil. Unternehmen mit Auslandsgeschäft, Kapitalmarktnähe oder ausländischer Konzernmutter finden nur schwer Leute, die HGB und IFRS sicher beherrschen. Aus der Position heraus führen Wege in die Leitung der Hauptbuchhaltung, in Konzernrechnungswesen und Konsolidierung, in Bilanzierungsgrundsatzfragen oder ins Beteiligungscontrolling. Wer zusätzlich Führung übernimmt, wird Leiter Finanz- und Rechnungswesen. Automatisierung nimmt vor allem einfache Buchungsarbeit ab; die Beurteilung von Bilanzierungsfragen bleibt fachliche Arbeit. Ein Wechsel in die Wirtschaftsprüfung oder in die Beratung von Abschlussprozessen ist ebenfalls möglich.