Was macht eine Beschäftigte im Justizvollzugsdienst?
Der Arbeitstag beginnt mit dem Aufschluss: Hafträume werden geöffnet, die Anwesenheit wird kontrolliert, Gefangene werden zum Frühstück, zur Arbeit in den Betrieben oder zum Unterricht geführt. Über den Tag verteilt kommen Zählungen, Haftraumkontrollen, die Ausgabe von Medikamenten in Zusammenarbeit mit dem Krankenpflegedienst, die Begleitung von Besuchen, Ausführungen zu Gerichten oder Ärzten und die Aufsicht bei Hofgang und Freizeitgruppen. Dazwischen liegt viel Schreibarbeit: Anträge auf Einkauf, Telefonate oder Verlegung entgegennehmen, Vorkommnisse dokumentieren, Meldungen bei Regelverstößen schreiben.
Ein großer Teil der Arbeit ist Gespräch. Bedienstete sind die ersten Ansprechpartner für Menschen in einer Ausnahmesituation - bei Streit auf der Station, bei schlechten Nachrichten von zu Hause, bei Suchtdruck oder Suizidgedanken. Sie schätzen Stimmungen ein, entschärfen Konflikte, bevor sie eskalieren, und geben Beobachtungen an Sozialdienst, Psychologie und Anstaltsleitung weiter. Im Werkdienst leiten Bedienstete mit handwerklicher Ausbildung Gefangene in Schlossereien, Schreinereien, Wäschereien oder Gärtnereien an.
Wie wird man Beschäftigte im Justizvollzugsdienst?
Der Weg führt über eine Ausbildung im mittleren Justizvollzugsdienst des jeweiligen Bundeslandes, die in der Regel zwei Jahre dauert und im Beamtenverhältnis auf Widerruf stattfindet. Sie wechselt zwischen Justizvollzugsschule und praktischen Abschnitten in einer Anstalt und behandelt Strafvollzugs- und Verwaltungsrecht, Kriminologie, Psychologie, Pädagogik, Sicherungstechnik, Selbstverteidigung und Erste Hilfe. Am Ende steht die Laufbahnprüfung, danach die Übernahme als Justizvollzugsbeamtin oder -beamter.
Voraussetzung ist meist ein mittlerer Schulabschluss oder ein Hauptschulabschluss mit abgeschlossener Berufsausbildung, außerdem deutsche oder eine gleichgestellte Staatsangehörigkeit, ein Höchstalter je nach Land, gesundheitliche Eignung und ein einwandfreies polizeiliches Führungszeugnis. Für den Werkdienst wird ein Gesellen- oder Meisterbrief erwartet, für den Krankenpflegedienst eine Pflegeausbildung. Der Beruf zieht viele Quereinsteiger an - Handwerker, Menschen aus Sicherheitsdiensten, ehemalige Soldaten. Auslesegespräch, Sporttest und ärztliche Untersuchung gehören zum Auswahlverfahren.
Was der Beruf verlangt
Wechselschicht, Nachtdienste, Wochenenden und Feiertage sind die Regel, nicht die Ausnahme. Viele Anstalten sind chronisch unterbesetzt, Überstunden und kurzfristig abgesagte freie Tage kommen häufig vor. Die Arbeit findet in einem geschlossenen, überwachten Umfeld statt, in dem Beleidigungen alltäglich sind und körperliche Angriffe nicht selten. Wer nach Feierabend nicht abschalten kann, trägt Bilder mit nach Hause: Selbstverletzungen, Drogennotfälle, Todesfälle.
Gebraucht werden Nervenstärke, klare Grenzen und die Fähigkeit, freundlich und trotzdem konsequent zu bleiben. Wer schnell provozierbar ist oder Regeln nach Sympathie auslegt, hält es hier nicht lange aus. Umgekehrt scheitern auch Menschen, die nur auf Härte setzen. Manipulationsversuche zu erkennen, ist Teil der Aufgabe.
Aussichten
Die Länder stellen laufend ein, weil viele Bedienstete in den nächsten Jahren in den Ruhestand gehen und die Belegungszahlen hoch bleiben. Die Beschäftigung ist als Beamtenverhältnis auf Lebenszeit sehr sicher. Aufstieg ist innerhalb der Laufbahn über Dienstpostenbewertungen möglich, etwa als Stationsleitung, Sicherheitsdienstleitung oder Werkdienstleitung. Mit zusätzlicher Qualifikation ist der Aufstieg in den gehobenen Vollzugs- und Verwaltungsdienst möglich, dort mit Aufgaben in der Vollzugsplanung und Anstaltsverwaltung. Spezialisierungen bestehen etwa im Sozialtherapeutischen Vollzug, im Jugendvollzug oder in Sicherungsgruppen.