Was macht ein Baumkontrolleur?
Baumkontrolleure begutachten Bäume vom Boden aus: Sie gehen den Stamm ab, prüfen Wurzelanläufe, Rinde, Astanbindungen und Krone, klopfen den Stamm mit dem Schonhammer ab, achten auf Pilzfruchtkörper, Höhlungen, Rissbildung, Totholz und einseitige Belaubung. Aus diesen Befunden leiten sie ab, ob ein Baum noch bruch- und standsicher ist. Jeder Baum wird mit Standort, Art, Stammumfang, Höhe, Vitalität und Befund in eine Baumkataster-Software eingetragen, oft mit GPS-Erfassung auf dem Tablet. Daraus entstehen Maßnahmenvorschläge: Kronenpflege, Totholzentnahme, Einkürzung, Kontrollintervall verkürzen, weitergehende Untersuchung mit Bohrwiderstandsmessung oder Zugversuch, im Extremfall Fällung.
Ein großer Teil der Arbeit ist Dokumentation. Kontrollen sind rechtlich relevant: Wenn ein Ast auf ein Auto oder einen Menschen fällt, wird geprüft, ob die Verkehrssicherheitskontrolle sachgerecht und nachweisbar erfolgt ist. Baumkontrolleure arbeiten deshalb nach den FLL-Baumkontrollrichtlinien und müssen ihre Einschätzung begründen können. Dazu kommen Absprachen mit Baumpflegefirmen, Bauleitungen bei Baumaßnahmen im Wurzelbereich und Gespräche mit Anwohnern, die einen Baum entweder gefällt oder unbedingt erhalten haben wollen.
Wie wird man Baumkontrolleur?
Der übliche Weg führt über eine grüne Ausbildung: Gärtner in der Fachrichtung Baumschule oder Garten- und Landschaftsbau, Forstwirt, dazu Berufserfahrung in der Baumpflege. Darauf setzt eine Zusatzqualifikation auf, meist der Lehrgang zum FLL-zertifizierten Baumkontrolleur mit schriftlicher und praktischer Prüfung, der über wenige Wochen läuft und alle sechs Jahre durch Fortbildung erneuert werden muss. Auch European Tree Worker und European Tree Technician sind gängige Nachweise. Wer aus einem Studium der Forstwirtschaft, Landschaftsarchitektur oder Arboristik kommt, steigt häufig direkt in die Baumkontrolle oder in die Sachverständigentätigkeit ein. Ein reiner Quereinstieg ohne fachlichen Hintergrund ist kaum möglich, weil Baumarten, Pilze und Schadbilder sicher erkannt werden müssen.
Was der Beruf verlangt
Die Arbeit findet fast vollständig im Freien statt, bei Regen, Wind und Kälte, und die Hauptkontrollsaison liegt im unbelaubten Zustand des Winters sowie im Sommer bei Vollbelaubung. Es kommen viele Kilometer zu Fuß zusammen, oft im Straßenverkehr mit Absicherung. Nach Sturmereignissen wird auch kurzfristig und am Wochenende kontrolliert. Fachlich schwer ist die Verantwortung: Einschätzungen bewegen sich in Grauzonen, und eine Fehlbeurteilung kann Personen gefährden und haftungsrechtliche Folgen haben. Gleichzeitig steht der Aufwand oft unter Zeitdruck, weil Kataster mit mehreren Zehntausend Bäumen mit wenig Personal abgearbeitet werden. Wer Konflikte scheut, tut sich schwer, denn Fällentscheidungen werden öffentlich kritisiert.
Aussichten
Die Nachfrage ist stabil und wächst. Kommunen bauen Baumkataster auf, Straßenbaubehörden, Bahn, Wohnungsunternehmen und Friedhofsverwaltungen brauchen regelmäßige Kontrollen, und Trockenjahre haben den Zustand vieler Stadtbäume verschlechtert. Fachlich weiterentwickeln lässt sich der Beruf über die eingehende Baumuntersuchung mit Messtechnik, über die Bestellung als Sachverständiger für Baumsicherheit und Baumwertermittlung oder über die Leitung eines Baumteams in einer Grünflächenverwaltung. Auch die Selbstständigkeit mit Kontrollaufträgen für mehrere Gemeinden ist verbreitet.