Was macht ein Assistenzarzt?
Assistenzarzt ist kein eigener Ausbildungsberuf, sondern die Bezeichnung für approbierte Ärztinnen und Ärzte, die sich nach dem Studium in einem Fachgebiet weiterbilden. Der Alltag hängt stark vom Fach ab. In der Inneren Medizin beginnt der Tag mit der Visite: Befunde durchgehen, Patienten untersuchen, Medikation anpassen, Angehörige informieren. Dazu kommen Blutentnahmen, Zugänge legen, Punktionen, Sonografien, Aufnahmegespräche und Entlassbriefe. In der Chirurgie steht man am OP-Tisch, hält Haken, näht zu, übernimmt mit zunehmender Erfahrung eigene Eingriffe. In der Anästhesie werden Narkosen eingeleitet und überwacht, in der Psychiatrie Gespräche geführt und dokumentiert.
Ein erheblicher Teil der Arbeitszeit geht für Dokumentation, Kodierung, Telefonate mit Angehörigen, Konsilanforderungen und Arztbriefe drauf. Hinzu kommen Dienste: Nachtdienste, Wochenenddienste, Bereitschaft. Im Dienst ist man oft für ganze Stationen allein zuständig und muss entscheiden, wann ein Oberarzt geholt wird.
Wie wird man Assistenzarzt?
Voraussetzung ist das Studium der Humanmedizin, in der Regel zwölf Semester plus Praktisches Jahr, abgeschlossen mit dem Dritten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung und der Approbation. Der Zugang zum Studium ist über Abiturnote, Testergebnisse und Wartezeit stark begrenzt; viele kommen über den TMS oder eine vorherige Ausbildung im Gesundheitswesen hinein. Ein Studium im Ausland ist möglich, die Approbation muss dann anerkannt werden.
Nach der Approbation bewirbt man sich auf eine Weiterbildungsstelle. Die Facharztweiterbildung dauert je nach Gebiet fünf bis sechs Jahre und endet mit der Facharztprüfung bei der Landesärztekammer. Der Inhalt richtet sich nach der Weiterbildungsordnung, dokumentiert wird im eLogbuch. Ein Fachwechsel ist möglich, kostet aber meist Zeit.
Was der Beruf verlangt
Die Arbeitszeiten sind die größte Belastung. Schichten, Nachtdienste, verlängerte Bereitschaftsdienste bis 24 Stunden, Überstunden, die nicht immer erfasst werden. Wer Kinder hat, muss sich mit der Dienstplanung arrangieren. Personalmangel führt dazu, dass Weiterbildung neben dem Routinebetrieb stattfindet und strukturierte Anleitung oft zu kurz kommt.
Dazu kommt die inhaltliche Last: Fehlentscheidungen haben Folgen, Patienten sterben, Angehörige reagieren mit Trauer oder Aggression. Man arbeitet in Hierarchien und ist am Anfang unten. Belastbarkeit, klare Kommunikation im Team, Ordnung in der eigenen Arbeit und die Fähigkeit, nachzufragen statt zu improvisieren, sind wichtiger als Bestnoten.
Aussichten
Die Nachfrage ist hoch und wird es bleiben. Kliniken suchen in fast allen Fächern, besonders außerhalb der Universitätsstädte und in Innerer Medizin, Anästhesie, Psychiatrie, Radiologie und Allgemeinmedizin. Die Stellensuche ist selten das Problem, die Auswahl einer Abteilung mit guter Weiterbildung schon eher.
Nach der Facharztprüfung stehen mehrere Wege offen: Oberarzt und später Chefarzt im Krankenhaus, Niederlassung in eigener Praxis oder Anstellung im Medizinischen Versorgungszentrum, Tätigkeit in Forschung, Betriebsmedizin, Behörden, Industrie oder Beratung. Zusatzweiterbildungen und Schwerpunkte erweitern das Spektrum. Die Möglichkeit, in Teilzeit weiterzubilden, wird häufiger genutzt, verlängert die Weiterbildungszeit aber entsprechend.