Was macht ein Zusteller für Pakete und Briefe?
Der Arbeitstag beginnt im Zustellstützpunkt, meist zwischen sechs und acht Uhr. Dort wird die Sendungsmenge für den eigenen Bezirk sortiert, in die richtige Gangfolge gebracht und in Behälter, Fahrradtaschen oder das Fahrzeug geladen. Danach folgt die Tour: bei der Briefzustellung oft mehrere hundert Haushalte, bei der Paketzustellung typischerweise 100 bis 200 Stopps am Tag. Empfangsberechtigte quittieren auf einem Handscanner, Nachnahmebeträge werden kassiert, Einschreiben gegen Unterschrift ausgeliefert. Nicht angetroffene Empfänger bekommen eine Benachrichtigung, die Sendung geht zurück in die Filiale oder zum Paketshop. Am Ende der Tour werden Retouren, unzustellbare Sendungen und Bargeld abgerechnet.
Dazwischen liegt viel Kleinarbeit: Klingelschilder entziffern, Nachbarn ansprechen, Aufzüge finden, die nicht existieren, Treppenhäuser hoch und runter. Wer eine Tour lange fährt, kennt seinen Bezirk genau und weiß, wer wann zu Hause ist. Das ist der Teil, der Zeit spart.
Wie wird man Zusteller für Pakete und Briefe?
Eine formale Ausbildung ist nicht vorgeschrieben. Die meisten Unternehmen stellen mit Hauptschulabschluss oder ohne Abschluss ein und schulen selbst ein: einige Tage Begleitung durch einen erfahrenen Kollegen, Einweisung in Scanner, Zustellvorschriften und Fahrzeug. Für die Paketzustellung ist der Führerschein Klasse B in der Regel Pflicht, teilweise mit Mindestalter oder Fahrpraxis. Ein Führungszeugnis wird häufig verlangt, weil Post und Wertsendungen dem Briefgeheimnis unterliegen.
Wer eine geregelte Ausbildung möchte, kann Kaufmann für Kurier-, Express- und Postdienstleistungen lernen, zwei Jahre dual. Der Beruf ist ein klassischer Quereinstieg, auch für Menschen mit Berufsunterbrechung oder ohne deutsche Berufsabschlüsse; Deutschkenntnisse für den Kundenkontakt sind aber nötig.
Was der Beruf verlangt
Die Belastung ist körperlich. Pakete wiegen bis 31,5 Kilogramm, Briefbehälter sind schwer, Treppen gibt es überall. Gearbeitet wird bei Regen, Hitze, Schnee und Glätte, das ganze Jahr. Der Zeitdruck ist hoch: Touren sind knapp kalkuliert, in der Vorweihnachtszeit steigt die Menge deutlich, Überstunden sind dann Normalität. Samstagsarbeit ist üblich, Sonntage in der Regel frei.
Dazu kommt Verschleiß an Rücken, Knien und Schultern; viele halten den Beruf nicht bis zur Rente in Vollzeit durch. Der Kundenkontakt ist meist freundlich, aber nicht immer: Ärger über verpasste Sendungen landet beim Zusteller. Wer bei Subunternehmern in der Paketbranche arbeitet, trifft auf schlechtere Bedingungen als bei den großen Betreibern selbst.
Aussichten
Das Sendungsvolumen im Paketbereich wächst weiter, die Briefmenge sinkt. Zusteller werden bundesweit dauerhaft gesucht, Einstellungen sind kurzfristig möglich, Befristungen zu Beginn sind verbreitet. Wer bleibt, kann Teamleitung oder Stützpunktleitung übernehmen, in die Tourenplanung oder Disposition wechseln oder mit dem Führerschein Klasse C in den Nahverkehr gehen. Ein Wechsel in Lager und Umschlag ist ebenfalls gängig. Die Automatisierung betrifft vor allem die Sortierung, nicht die letzte Meile.