Was macht ein Vertriebsmitarbeiter im Außendienst?
Der Arbeitstag beginnt selten am Schreibtisch. Vertriebsmitarbeiter im Außendienst fahren in einem festgelegten Gebiet von Kunde zu Kunde: zu Handwerksbetrieben, Arztpraxen, Einzelhändlern, Industriekunden oder Privathaushalten, je nach Produkt. Sie stellen Sortimente vor, rechnen Angebote durch, verhandeln Preise und Konditionen, nehmen Aufträge auf und klären Reklamationen. Zwischen den Terminen wird telefoniert, werden Besuchsberichte ins CRM-System eingetragen und neue Termine akquiriert, häufig per Kaltakquise.
Ein großer Teil der Arbeit besteht darin, Kontakte über Jahre zu pflegen. Bestandskunden werden regelmäßig besucht, auch wenn gerade kein Auftrag ansteht. Dazu kommen Messen, Produktschulungen und Vertriebsmeetings. Wer als Freelancer arbeitet, also als selbstständiger Handelsvertreter nach Paragraf 84 HGB, übernimmt zusätzlich die eigene Buchhaltung, die Steuern, die Sozialversicherung und die Kosten für Fahrzeug und Telefon.
Wie wird man Vertriebsmitarbeiter im Außendienst?
Es gibt keine geschützte Ausbildung. Üblich ist eine kaufmännische Ausbildung, etwa zum Kaufmann im Groß- und Außenhandelsmanagement oder Industriekaufmann, oft gefolgt von einigen Jahren im Innendienst. Bei technischen Produkten steigen häufig Handwerker oder Techniker um, weil sie das Produkt erklären können. Für erklärungsintensive Branchen wie Pharma, IT oder Maschinenbau wird oft ein Studium erwartet, im Pharmabereich zusätzlich die Sachkenntnis als Pharmareferent.
Der Quereinstieg ist in kaum einem anderen Beruf so verbreitet. Viele Unternehmen und Vertriebsorganisationen stellen ohne Branchenerfahrung ein und schulen selbst. Bei rein provisionsbasierten Angeboten ist Vorsicht angebracht: Wer ausschließlich auf Erfolgsbasis startet, trägt das volle Risiko und verdient in den ersten Monaten oft wenig oder nichts.
Was der Beruf verlangt
Die Fahrzeit ist erheblich. Wer ein großes Gebiet betreut, sitzt täglich mehrere Stunden im Auto und übernachtet regelmäßig auswärts. Arbeitszeiten richten sich nach den Kunden, Termine am frühen Morgen oder späten Abend sind normal, die Bürotätigkeit landet oft am Wochenende. Familienleben und Außendienst lassen sich nur mit Planung vereinbaren.
Dazu kommt der Druck durch Zielvorgaben. Umsätze werden monatlich gemessen, Absagen sind Alltag, und wer Rückweisung persönlich nimmt, hält den Beruf nicht lange durch. Selbstorganisation ist Pflicht, weil niemand die Tourenplanung abnimmt. Für Selbstständige ist das Einkommen zusätzlich schwankend; in schwachen Monaten fehlt jede Absicherung, und Krankheit oder Urlaub bedeuten Verdienstausfall.
Aussichten
Vertriebspersonal wird laufend gesucht, weil die Fluktuation hoch ist. Gute Verkäufer mit belastbarem Kundenstamm finden schnell eine neue Stelle, oft in derselben Branche. Entwicklungswege führen zum Key-Account-Manager für Großkunden, zur Regional- oder Vertriebsleitung oder in die Verkaufsschulung. Manche wechseln vom Angestelltenverhältnis in die Selbstständigkeit und vertreten mehrere Hersteller gleichzeitig.
Digitale Vertriebswege ersetzen einfache Bestellabwicklung zunehmend. Bestand haben vor allem Positionen, in denen Beratung, technisches Verständnis und persönliche Beziehung zählen. Wer nur Kataloge abarbeitet, gerät unter Druck.