Was macht ein Vertragsmanager?
Vertragsmanager begleiten Verträge über ihre gesamte Laufzeit. Am Anfang steht der Entwurf: Sie arbeiten mit Musterverträgen, passen Klauseln an den konkreten Fall an und formulieren Regelungen zu Leistung, Vergütung, Haftung, Gewährleistung, Kündigung und Vertraulichkeit. Kommt ein Vertrag von der Gegenseite, prüfen sie ihn Absatz für Absatz, markieren kritische Punkte und schlagen Änderungen vor. In Verhandlungen sitzen sie neben dem Einkauf oder dem Vertrieb und bewerten, welche Zugeständnisse tragbar sind.
Nach der Unterschrift beginnt die Verwaltung. Verträge werden in einer Datenbank erfasst, Fristen und Kündigungstermine überwacht, Nachträge dokumentiert. Wird eine Leistung nicht erbracht oder eine Rechnung nicht bezahlt, prüfen Vertragsmanager, was der Vertrag hergibt, und schreiben Mahnungen oder Mängelanzeigen. In Bau- und Anlagenprojekten heißt der Bereich Claim Management: Dort werden Mehrkosten und Bauzeitverlängerungen nachgewiesen oder Ansprüche der Gegenseite abgewehrt. Dazu gehört viel Schriftverkehr, Aktenarbeit und Abstimmung mit Fachabteilungen, Rechtsabteilung und externen Anwälten.
Wie wird man Vertragsmanager?
Der häufigste Weg ist ein Studium: Rechtswissenschaften, Wirtschaftsrecht, Betriebswirtschaft mit rechtlichem Schwerpunkt oder Wirtschaftsingenieurwesen. Viele Stellen sind mit Juristen besetzt, die nicht in die Anwaltschaft gehen wollen, oder mit Wirtschaftsjuristen mit Bachelor- oder Masterabschluss. Ein zweiter Weg führt über die Praxis: Kaufleute aus Einkauf, Vertriebsinnendienst oder Projektabwicklung übernehmen zunehmend Vertragsaufgaben und qualifizieren sich mit Weiterbildungen nach, etwa zum Vertragsmanager oder Claim Manager mit Zertifikat einer Kammer oder eines Fachverbands. Eine geschützte Berufsbezeichnung oder eine einheitliche Ausbildung gibt es nicht.
Quereinstieg ist möglich, aber selten ganz ohne rechtlichen Bezug. Wer aus einer technischen Branche kommt und deren Verträge kennt, hat gute Karten – Fachwissen über Bauleistungen, Software oder Maschinenbau lässt sich schwerer nachholen als Vertragsrecht.
Was der Beruf verlangt
Die Arbeit ist detailgenau und über lange Strecken einsam am Bildschirm. Wer Fließtexte nicht gern dreimal liest, wird damit nicht glücklich. Fehler fallen oft erst Jahre später auf und kosten dann viel Geld, was Druck erzeugt. Englisch ist bei internationalen Verträgen Pflicht, häufig auf hohem Niveau, weil auch die Vertragssprache englisch ist.
Vertragsmanager stehen oft zwischen den Interessen im Haus: Der Vertrieb will den Abschluss, die Rechtsabteilung will Sicherheit, das Projekt will Tempo. Diese Rolle verlangt Standfestigkeit und die Fähigkeit, ein Nein sachlich zu begründen. Die Arbeitszeiten sind meist regulär, mit Spitzen zum Quartalsende, vor Vertragsabschlüssen und in Verhandlungsphasen, in denen auch Abende draufgehen. Reisen kommen vor, halten sich aber in Grenzen; Homeoffice ist in vielen Unternehmen üblich.
Aussichten
Die Nachfrage ist stabil und wächst eher, weil Lieferketten, Compliance-Vorgaben und Vergaberecht die Vertragsarbeit umfangreicher machen. Gesucht wird vor allem in Bau und Anlagenbau, in der IT- und Softwarebranche, bei Energieversorgern, in der Automobilzulieferung und im öffentlichen Sektor. Entwicklungswege führen zur Leitung eines Vertragsmanagement-Teams, in die Rechtsabteilung, in den strategischen Einkauf oder ins Projektcontrolling. Spezialisierungen auf Vergaberecht, IT-Vertragsrecht oder Claim Management in Großprojekten sind gut bezahlt und schwer zu besetzen. Software zur Vertragsanalyse übernimmt inzwischen Routineprüfungen, ersetzt aber nicht die Verhandlung und die Bewertung von Risiken.