Verfahrensleitenden Sachbearbeiter für die Insolvenzverwaltung
Verfahrensleitende Sachbearbeiter führen Insolvenzverfahren in der Kanzlei eines Insolvenzverwalters eigenständig von der Antragsprüfung bis zur Schlussverteilung. Sie sichern Vermögen, prüfen Forderungen und erstellen die Berichte für Gericht und Gläubiger.
3 offene Stellen zu diesem Beruf im aktuellen Bestand.
Was man als Verfahrensleitenden Sachbearbeiter für die Insolvenzverwaltung verdient
| Erfahrung | Von | Median | Bis | Jahresbrutto | Verhältnis |
|---|---|---|---|---|---|
| Berufseinstieg | 2.800 € | 3.300 € | 3.900 € | 39.600 € | |
| Mit Berufserfahrung | 3.600 € | 4.300 € | 5.200 € | 51.600 € | |
| Mit langjähriger Erfahrung | 4.500 € | 5.400 € | 7.000 € | 64.800 € |
Es gilt kein Tarifvertrag; die Gehälter werden frei verhandelt und hängen stark von der Größe der Kanzlei, der Region und davon ab, ob jemand Verfahren wirklich eigenständig bis zur Schlussrechnung führt. Große überregionale Sozietäten in Ballungsräumen zahlen deutlich über kleinen Einzelkanzleien, oft mit Bonus für abgeschlossene Verfahren oder erfolgreiche Anfechtungen.
Die Werte sind Orientierungswerte und keine amtliche Statistik. Sie sind aus öffentlich verfügbaren Erhebungen, Tarifwerken und Stellenanzeigen abgeleitet und auf volle Euro gerundet. Im Einzelfall entscheiden Betrieb, Tarifbindung, Region, Qualifikation und Verhandlung – die Abweichung nach oben wie nach unten kann erheblich sein.
Das Jahresbrutto ist das 12-fache des Monatswertes. Urlaubs- und Weihnachtsgeld sind nicht enthalten, weil sie sich von Branche zu Branche unterscheiden.
Das Berufsbild
Was macht ein verfahrensleitender Sachbearbeiter für die Insolvenzverwaltung?
Wird ein Unternehmen oder eine Privatperson insolvent, bestellt das Gericht einen Insolvenzverwalter. Der unterschreibt die Schriftsätze, führt das Verfahren aber selten selbst im Detail – das übernimmt die verfahrensleitende Sachbearbeitung. Sie sichtet die Buchhaltung des Schuldners, ermittelt Bankguthaben, Forderungen, Fahrzeuge, Maschinen und Grundstücke, kündigt Verträge, korrespondiert mit Finanzamt, Krankenkassen und Sozialversicherungsträgern und beantragt Insolvenzgeld für die Beschäftigten. Sie legt die Insolvenztabelle an, prüft jede angemeldete Forderung auf Grund und Höhe, erkennt an oder bestreitet. Sie rechnet aus, ob Zahlungen der letzten Monate vor dem Antrag anfechtbar sind, und fordert sie zurück. Am Ende stehen Zwischenberichte, Schlussrechnung, Verteilungsverzeichnis und die Auszahlung der Quote. In größeren Kanzleien betreut eine Person 60 bis 150 Verfahren gleichzeitig, überwiegend Verbraucher- und kleinere Regelinsolvenzen; große Unternehmensverfahren werden im Team bearbeitet.
Wie wird man verfahrensleitender Sachbearbeiter?
Es gibt keine eigene Ausbildung. Der übliche Weg führt über eine Ausbildung zum Rechtsanwaltsfachangestellten, zum Justizfachangestellten, über den Rechtsfachwirt oder über ein wirtschaftsrechtliches oder betriebswirtschaftliches Studium. Auch Steuerfachangestellte, Bilanzbuchhalter und Bankkaufleute wechseln in dieses Feld, weil Bilanz- und Kontenverständnis stark gebraucht wird. Juristen ohne Zweites Staatsexamen finden hier ebenfalls einen Platz. Entscheidend ist die Einarbeitung in der Kanzlei: Insolvenzrecht wird praktisch gelernt, begleitet von Seminaren, etwa zum zertifizierten Insolvenzsachbearbeiter oder Insolvenzfachwirt. Bis eine Sachbearbeiterin Verfahren wirklich eigenständig führt, gehen meist ein bis zwei Jahre ins Land.
Was der Beruf verlangt
Die Arbeit ist fristgetrieben. Berichtstermine, Anfechtungsverjährungen und Tabellenfristen lassen sich nicht verschieben, und mehrere Verfahren erreichen ihre kritische Phase gleichzeitig. Wer Aktenmengen nicht ordnen und priorisieren kann, geht unter. Dazu kommt der Umgang mit Menschen in schlechter Lage: Geschäftsführer, die Unterlagen nicht herausgeben, Arbeitnehmer, die um ihr Geld bangen, Gläubiger, die Druck machen. Freundlich, aber unbeirrbar zu bleiben, ist Teil der Aufgabe. Verhandlungsgeschick beim Verkauf von Betriebsvermögen und Genauigkeit bei Zahlen sind Pflicht, ebenso sichere Arbeit mit Fachsoftware wie winsolvenz oder LOUIS. Die Arbeitszeiten sind normale Bürozeiten, in Betriebsfortführungen und bei Ortsbesichtigungen aber auch länger und außer Haus. Körperlich ist der Beruf unauffällig, mental fordert er Ausdauer über Jahre – Verfahren laufen selten kürzer als drei, oft fünf oder mehr Jahre.
Aussichten
Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen ist nach dem Tief der Pandemiejahre wieder deutlich gestiegen, und die Verwalterkanzleien finden schwer qualifiziertes Personal. Erfahrene Sachbearbeiter mit eigenem Verfahrensbestand werden abgeworben, ein Wechsel innerhalb der Branche ist meist ohne Weiteres möglich. Entwicklungswege führen zur Teamleitung, zur Spezialisierung auf Anfechtung, Arbeitsrecht in der Insolvenz oder Betriebsfortführung, zum Bürovorsteher oder in die Restrukturierungsberatung. Zum Insolvenzverwalter selbst kann nur aufsteigen, wer Volljurist ist. Wer in andere Felder wechseln will, ist mit dieser Erfahrung bei Banken in der Sanierungsabteilung, bei Kreditversicherern und in großen Forderungsmanagement-Abteilungen gesucht.
Aufgaben
- Insolvenzanträge und Gutachtenaufträge des Gerichts bearbeiten
- Vermögen des Schuldners ermitteln, sichern und verwerten
- Insolvenztabelle führen und angemeldete Forderungen prüfen
- Anfechtungsansprüche berechnen und außergerichtlich durchsetzen
- Insolvenzgeldvorfinanzierung und Arbeitsverhältnisse abwickeln
- Zwischen- und Schlussberichte für Gericht und Gläubigerversammlung erstellen
- Schlussrechnung, Verteilungsverzeichnis und Quotenauszahlung vorbereiten
- Korrespondenz mit Gläubigern, Finanzamt, Sozialversicherung und Schuldnern
Voraussetzungen
- Abgeschlossene kaufmännische oder rechtsbezogene Ausbildung, Rechtsfachwirt oder ein wirtschaftsrechtliches Studium
- Kenntnisse der Insolvenzordnung oder die Bereitschaft, sie gründlich zu erlernen
- Sicherer Umgang mit Bilanzen, Konten und Buchhaltungsunterlagen
- Selbstständiges Fristen- und Aktenmanagement bei hoher Verfahrenszahl
- Durchsetzungsfähigkeit und Freundlichkeit im Umgang mit Schuldnern und Gläubigern
- Sichere schriftliche Ausdrucksweise und Erfahrung mit Fachsoftware
- Führerschein für Ortstermine und Besichtigungen von Vorteil
Wo man arbeitet
- Kanzleien von Insolvenzverwaltern und Rechtsanwälten
- Überregionale Restrukturierungs- und Insolvenzverwaltungssozietäten
- Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaften mit Insolvenzabteilung
- Sanierungs- und Abwicklungsabteilungen von Banken
- Insolvenzgerichte und Rechtspflegerbereiche der Justiz
Der Weg in den Beruf
Üblich ist zunächst eine dreijährige Ausbildung zum Rechtsanwalts- oder Justizfachangestellten, alternativ ein Bachelor in Wirtschaftsrecht oder Betriebswirtschaft. Das Insolvenzrecht wird anschließend in der Kanzlei erlernt, begleitet von Fachseminaren; Zusatzqualifikationen wie zertifizierter Insolvenzsachbearbeiter oder Insolvenzfachwirt dauern je nach Anbieter mehrere Monate. Bis zur eigenständigen Verfahrensführung vergehen meist ein bis zwei Jahre Praxis.
Offene Stellen als Verfahrensleitenden Sachbearbeiter für die Insolvenzverwaltung
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