Zum Inhalt springen
Recht & Beratung

Rechtsanwaltsfachangestellte

Rechtsanwaltsfachangestellte organisieren den Büroalltag einer Anwaltskanzlei: Sie führen Akten, berechnen Gebühren, überwachen Fristen und korrespondieren mit Gerichten, Behörden und Mandanten.

68 offene Stellen zu diesem Beruf im aktuellen Bestand.

Gehalt

Was man als Rechtsanwaltsfachangestellte verdient

Monats- und Jahresbrutto nach Erfahrungsstufe, bundesweit
Erfahrung Von Median Bis Jahresbrutto Verhältnis
Berufseinstieg 2.200 € 2.500 € 2.900 € 30.000 €
Mit Berufserfahrung 2.600 € 3.000 € 3.600 € 36.000 €
Mit langjähriger Erfahrung 3.100 € 3.600 € 4.600 € 43.200 €

Einen allgemein geltenden Tarifvertrag gibt es nicht; die Kanzleien orientieren sich allenfalls an regionalen Gehaltsempfehlungen der Rechtsanwaltskammern. Entscheidend sind Größe und Ausrichtung der Kanzlei - internationale Großkanzleien in Frankfurt, München oder Düsseldorf zahlen deutlich mehr als Einzelkanzleien in ländlichen Regionen, und sichere Kenntnisse im Gebühren- und Zwangsvollstreckungsrecht sind der stärkste Verhandlungshebel.

Die Werte sind Orientierungswerte und keine amtliche Statistik. Sie sind aus öffentlich verfügbaren Erhebungen, Tarifwerken und Stellenanzeigen abgeleitet und auf volle Euro gerundet. Im Einzelfall entscheiden Betrieb, Tarifbindung, Region, Qualifikation und Verhandlung – die Abweichung nach oben wie nach unten kann erheblich sein.

Das Jahresbrutto ist das 12-fache des Monatswertes. Urlaubs- und Weihnachtsgeld sind nicht enthalten, weil sie sich von Branche zu Branche unterscheiden.

Gehalt nach Bundesland

Das Berufsbild

Was macht eine Rechtsanwaltsfachangestellte?

Rechtsanwaltsfachangestellte halten den organisatorischen Teil einer Kanzlei zusammen. Sie legen Akten an und pflegen sie, notieren und überwachen Fristen und Termine, fertigen Schriftsätze nach Diktat oder Vorlage und reichen sie über das besondere elektronische Anwaltspostfach beim Gericht ein. Sie berechnen Anwaltsgebühren nach dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz, schreiben Rechnungen, mahnen offene Forderungen an und rechnen bei Beratungs- und Prozesskostenhilfe mit der Landeskasse ab. In Kanzleien mit Inkassoschwerpunkt betreiben sie Zwangsvollstreckung: Mahnbescheide beantragen, Vollstreckungsaufträge an Gerichtsvollzieher schicken, Pfändungs- und Überweisungsbeschlüsse vorbereiten.

Dazu kommt der Kontakt nach außen. Mandanten rufen an, wollen wissen, wie es um ihre Sache steht, und sind oft angespannt, weil hinter jedem Aktenzeichen ein Konflikt steht. Rechtsanwaltsfachangestellte geben Auskunft über den Verfahrensstand, ohne selbst rechtlich zu beraten - diese Grenze gehört zum Beruf.

Wie wird man Rechtsanwaltsfachangestellte?

Über eine dreijährige duale Ausbildung in einer Kanzlei mit Berufsschulunterricht, geregelt durch die Rechtsanwaltskammern. Verkürzung auf zweieinhalb oder zwei Jahre ist bei guten Leistungen oder Vorbildung möglich. Formal ist kein bestimmter Schulabschluss vorgeschrieben, in der Praxis stellen Kanzleien überwiegend mit mittlerem Abschluss oder Abitur ein. Verwandte Varianten sind die Ausbildung zur Notarfachangestellten und zur Rechtsanwalts- und Notarfachangestellten.

Der Quereinstieg kommt vor, vor allem aus dem Büromanagement, aus Steuerbüros oder aus der Justizverwaltung. Ohne Fachprüfung fehlen dann meist Gebührenrecht und Zwangsvollstreckung; beides lässt sich über Lehrgänge der Kammern nachholen. Wer schon in einer Kanzlei arbeitet, kann die Abschlussprüfung als Externenprüfung ablegen.

Was der Beruf verlangt

Fristen sind der Kern der Belastung. Eine versäumte Rechtsmittelfrist kann einen Mandanten seinen Anspruch kosten und die Kanzlei in die Haftung bringen. Entsprechend genau muss gearbeitet werden, auch am Freitagnachmittag und auch, wenn drei Anwälte gleichzeitig etwas wollen. Die Arbeit findet überwiegend am Schreibtisch statt, in kleinen Kanzleien häufig als Einzelkraft mit sehr breitem Aufgabenzuschnitt, in Großkanzleien stärker spezialisiert.

Die Arbeitszeiten sind meist geregelt, Überstunden entstehen vor Verhandlungsterminen und zum Quartalsende. Die Bezahlung gilt gemessen an der Verantwortung als niedrig, besonders in kleinen Einzelkanzleien; einen allgemeinverbindlichen Tarifvertrag gibt es nicht. Es fällt vielen schwer, dass Wertschätzung und Bezahlung stark von der einzelnen Kanzleiführung abhängen.

Aussichten

Die Nachfrage ist hoch und übersteigt in vielen Regionen das Angebot deutlich; die Ausbildungszahlen sind seit Jahren rückläufig, während der Bedarf bleibt. Wer die Prüfung hat und Gebührenrecht sicher beherrscht, findet in der Regel schnell eine Stelle und kann Bedingungen mitverhandeln.

Entwicklungswege führen über die Fortbildung zur Rechtsfachwirtin, die Kanzleiorganisation, Personalführung und komplexe Kostenrechtsfragen abdeckt, oder über eine Spezialisierung auf Zwangsvollstreckung, Insolvenz oder Familienrecht. Möglich sind auch Wechsel in Rechtsabteilungen von Unternehmen, in Versicherungen, zu Gerichten oder in Notariate. Digitalisierung verschiebt Routinen wie Postbearbeitung und Aktenführung, ersetzt aber die fristenbezogene Verantwortung nicht.

Aufgaben

  • Akten anlegen, führen und Wiedervorlagen überwachen
  • Fristen und Termine notieren und kontrollieren
  • Schriftsätze nach Diktat erstellen und über das beA einreichen
  • Anwaltsgebühren nach RVG berechnen und Rechnungen schreiben
  • Zwangsvollstreckungsmaßnahmen vorbereiten und Mahnbescheide beantragen
  • Mandantengespräche am Telefon und im Empfang führen
  • Kostenfestsetzungsanträge und Abrechnungen mit der Landeskasse erstellen
  • Postein- und -ausgang bearbeiten, Zahlungseingänge überwachen

Voraussetzungen

  • Abgeschlossene Ausbildung als Rechtsanwaltsfachangestellte oder vergleichbare Qualifikation
  • Sehr sorgfältige, fehlerfreie Arbeitsweise, besonders bei Fristen
  • Sichere Rechtschreibung und gutes schriftliches Ausdrucksvermögen
  • Kenntnisse im Gebühren- und Zwangsvollstreckungsrecht
  • Routine mit Kanzleisoftware, beA und Office-Anwendungen
  • Verschwiegenheit und ein ruhiger Umgang mit angespannten Mandanten

Wo man arbeitet

  • Einzel- und kleine Anwaltskanzleien
  • Mittelständische und internationale Großkanzleien
  • Notariate und Anwaltsnotariate
  • Rechtsabteilungen von Unternehmen
  • Inkassounternehmen und Versicherungen
  • Gerichte und Behörden

Der Weg in den Beruf

Üblich ist die dreijährige duale Ausbildung zur Rechtsanwaltsfachangestellten in einer Kanzlei mit begleitender Berufsschule, abgeschlossen mit der Prüfung vor der Rechtsanwaltskammer. Bei guten Leistungen oder einschlägiger Vorbildung ist eine Verkürzung auf zwei bis zweieinhalb Jahre möglich. Wer bereits in einer Kanzlei arbeitet, kann den Abschluss über eine Externenprüfung nachholen.

Offene Stellen als Rechtsanwaltsfachangestellte

In der Suche fortsetzen

Arbeitsplatz.de verwendet nur die Cookies, die für den Betrieb der Seite nötig sind. Kein Tracking, keine Werbenetzwerke, keine Auswertung Ihres Verhaltens. Einzelheiten stehen in der Datenschutzerklärung.

Datenschutz