Was macht ein Uniface Engineer?
Uniface ist eine Entwicklungsplattform für datenbankgestützte Geschäftsanwendungen, die in den 1980er-Jahren entstand und heute von Rocket Software vertrieben wird. Wer damit arbeitet, betreut in der Regel Systeme, die seit vielen Jahren im Einsatz sind: Vertragsverwaltungen bei Versicherern, Abrechnungssysteme, Fachanwendungen in Verwaltungen oder Logistik. Zur Arbeit gehört, Formulare und Services in der Uniface-eigenen Sprache Proc zu schreiben, Datenmodelle im Repository zu pflegen, SQL gegen Oracle-, DB2- oder SQL-Server-Datenbanken abzusetzen und Schnittstellen zu neueren Systemen über REST, SOAP oder Dateiübergaben zu bauen.
Ein großer Teil des Alltags besteht nicht aus Neuentwicklung, sondern aus Analyse. Fehlermeldungen aus dem Fachbereich müssen in Code zurückverfolgt werden, oft in Modulen ohne aktuelle Dokumentation und von Entwicklern, die das Unternehmen längst verlassen haben. Dazu kommen Versionsmigrationen, etwa von älteren Uniface-Versionen auf Uniface 10 mit seiner neuen Entwicklungsumgebung, sowie Projekte, in denen Uniface-Funktionalität schrittweise in Java-, .NET- oder Webanwendungen überführt wird. Uniface Engineers arbeiten dabei eng mit Fachabteilungen, Datenbankadministratoren und Betriebsteams zusammen.
Wie wird man Uniface Engineer?
Einen Ausbildungsberuf oder Studiengang für Uniface gibt es nicht. Der übliche Weg führt über ein Studium der Informatik oder Wirtschaftsinformatik oder über die Ausbildung zum Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung. Uniface selbst wird fast immer im Betrieb gelernt, durch Einarbeitung an bestehendem Code, durch Herstellerschulungen und durch die Begleitung erfahrener Kollegen. Viele Uniface Engineers sind ursprünglich in anderen Sprachen gestartet und in ein Bestandsprojekt hineingewachsen.
Quereinstieg ist möglich und nicht selten, weil der Markt an ausgebildeten Uniface-Entwicklern klein ist. Vorausgesetzt werden dann solide Kenntnisse in relationalen Datenbanken, SQL und strukturierter Programmierung sowie die Bereitschaft, sich in eine Technologie einzuarbeiten, die außerhalb des jeweiligen Unternehmens kaum sichtbar ist.
Was der Beruf verlangt
Die Arbeit ist überwiegend Bürotätigkeit mit Bildschirmarbeit, meist zu regulären Zeiten, teils im Homeoffice. Belastend sind Releasewochenenden, Rufbereitschaft bei kritischen Systemen und der Druck, wenn ein Fehler in einem Abrechnungslauf produktive Prozesse blockiert. Fachlich fordert der Beruf Geduld: Wer schnelle Ergebnisse und moderne Frameworks sucht, wird mit gewachsenem Code, langen Freigabeprozessen und knapper Dokumentation wenig glücklich.
Ein realer Nachteil ist die Nischenlage. Uniface-Erfahrung lässt sich nur bei den Unternehmen einsetzen, die die Plattform noch betreiben, und deren Zahl nimmt langfristig ab. Wer sich ausschließlich auf Uniface festlegt, macht sich abhängig von einzelnen Arbeitgebern und Projekten.
Aussichten
Kurz- und mittelfristig ist die Nachfrage stabil bis gut, weil viele Bestandssysteme weiterlaufen müssen und kaum Nachwuchs vorhanden ist. Das schlägt sich in vergleichsweise auskömmlichen Konditionen und in gut bezahlten Freelance-Einsätzen nieder. Langfristig verschieben sich die Aufgaben von der Pflege zur Ablösung: Wer Migrationsprojekte leiten, Architekturarbeit übernehmen oder parallel in Java, C# oder Cloud-Themen investiert, hat die besseren Perspektiven. Entwicklungswege führen typischerweise in die Rolle des Softwarearchitekten, in die Projektleitung oder in die IT-Beratung mit Schwerpunkt Legacy-Modernisierung.