Was macht ein Underwriter?
Underwriter entscheiden im Auftrag eines Versicherers oder Rückversicherers, welche Risiken das Unternehmen annimmt. Auf dem Tisch liegen Antragsunterlagen, Schadenhistorien, Bilanzen, Gutachten, Risikoberichte von Sachverständigen. Daraus wird eine Einschätzung: Wie wahrscheinlich ist ein Schaden, wie hoch kann er ausfallen, welcher Beitrag deckt das ab. Am Ende steht eine Zeichnungsentscheidung - Annahme, Annahme mit Ausschlüssen oder Zuschlägen, oder Ablehnung.
Je nach Sparte sieht die Arbeit anders aus. In der Lebens- und Krankenversicherung geht es um Gesundheitsangaben, Vorerkrankungen und medizinische Berichte. In der industriellen Sachversicherung um Brandschutz, Produktionsprozesse und Lieferketten eines Betriebs. In der Haftpflicht oder Cyberversicherung um Vertragsstrukturen, IT-Sicherheitsniveau und Rechtslage. Dazu kommt viel Abstimmung: mit Maklern, die bessere Konditionen wollen, mit dem Vertrieb, der den Abschluss braucht, mit Aktuaren über Tarifierung, mit Rückversicherern über die Weitergabe großer Risiken.
Ein Teil der Zeit geht in die Pflege des eigenen Portfolios. Underwriter beobachten, wie sich Schadenquoten in ihrem Bestand entwickeln, und passen Zeichnungsrichtlinien, Selbstbehalte und Preise an. Bei Erneuerungen zum Jahreswechsel häufen sich die Verhandlungen stark.
Wie wird man Underwriter?
Der häufigste Weg führt über ein Studium in Betriebswirtschaft, Volkswirtschaft, Wirtschaftsmathematik, Rechtswissenschaft oder Versicherungswesen. Ebenso verbreitet ist der Aufstieg aus der Ausbildung zum Kaufmann für Versicherungen und Finanzanlagen, meist mit anschließender Weiterbildung zum Versicherungsfachwirt oder Versicherungsbetriebswirt. In technischen Sparten sind Ingenieure gefragt, im Gesundheitsunderwriting Menschen mit medizinischer Vorbildung. Quereinstieg aus Schadenregulierung, Maklerhaus, Risikomanagement oder Wirtschaftsprüfung kommt regelmäßig vor.
Der eigentliche Beruf wird im Unternehmen gelernt. Neue Underwriter arbeiten zunächst mit engen Vollmachten und lassen Entscheidungen gegenzeichnen; die Zeichnungsvollmacht wächst mit Erfahrung und nachgewiesener Portfolioqualität. Englisch ist im Industrie- und Rückversicherungsgeschäft Arbeitssprache.
Was der Beruf verlangt
Die Arbeit ist überwiegend Bildschirmarbeit, geregelt und selten körperlich belastend. Der Druck liegt anderswo: Underwriter müssen Nein sagen, auch wenn Vertrieb und Makler ein Geschäft dringend wollen. Fehleinschätzungen fallen erst Jahre später als Schaden auf und sind dann dem Namen zuordenbar. In weichen Marktphasen mit starkem Preiskampf wird die Frage, wo die Grenze liegt, zur täglichen Auseinandersetzung.
Dazu kommen Detailgenauigkeit über lange Strecken, dichte Regulierung durch Solvency II und interne Richtlinien, und Spitzen im Erneuerungsgeschäft mit Überstunden. Wer schnelle sichtbare Ergebnisse braucht, wird sich schwertun; wer Verhandlungen scheut, ebenfalls.
Aussichten
Die Nachfrage ist stabil und in einigen Feldern deutlich höher als das Angebot, etwa bei Cyber-, Kredit- und Spezialrisiken sowie bei Klimarisiken in der Sachversicherung. Einfache Standardrisiken werden zunehmend automatisiert bewertet, was den Beruf in Richtung komplexer, individuell verhandelter Fälle verschiebt. Entwicklungswege führen zum Senior Underwriter mit hoher Zeichnungsvollmacht, zur Leitung eines Zeichnungsbereichs, ins Risikomanagement, in die Rückversicherung oder auf die Maklerseite.