Was macht ein Tiefbaufacharbeiter?
Tiefbau heißt: alles, was unter der Geländeoberkante oder auf der Verkehrsfläche entsteht. Straßenbauer richten den Unterbau ein, bauen Frostschutz- und Tragschichten ein, verdichten mit Walze und Rüttelplatte, setzen Bordsteine in Beton, pflastern Gehwege und Einfahrten und ziehen Asphalt hinter dem Fertiger ab. Rohrleitungsbauer verlegen Trink- und Abwasserleitungen, Gas- und Fernwärmerohre, verbinden Guss-, Stahl-, PE- und Steinzeugrohre, setzen Schächte, führen Dichtheitsprüfungen durch und stellen Hausanschlüsse her. Beide Richtungen sichern und verbauen Gräben, richten Baugruben ein, vermessen mit Nivelliergerät, Laser und Rotationslaser und arbeiten eng mit dem Baggerfahrer zusammen.
Der Alltag beginnt früh, oft vor sieben Uhr, mit dem Beladen des Fahrzeugs und der Fahrt zur Baustelle. Dann folgen Absperrungen, Verkehrssicherung, Aufbruch der Decke, Aushub, Einbau, Verdichtung und am Ende die Wiederherstellung der Oberfläche. Viel läuft nach Plan, viel wird improvisiert, weil Leitungen anders liegen als eingezeichnet.
Wie wird man Tiefbaufacharbeiter?
Üblich ist die duale Ausbildung in der Bauwirtschaft. Nach zwei Jahren steht der Abschluss Tiefbaufacharbeiter, mit der Fachrichtung Straßenbau, Rohrleitungsbau, Kanalbau, Brunnenbau oder Gleisbau. Wer ein drittes Jahr anschließt, wird Straßenbauer, Rohrleitungsbauer oder Kanalbauer und damit Facharbeiter mit vollem Gesellenbrief. Verlangt wird meist ein Hauptschulabschluss, gerechnet wird viel mit Längen, Flächen, Gefälle und Neigung. Der Quereinstieg ist möglich und verbreitet: Viele Betriebe stellen ungelernte Bauhelfer ein und lassen sie über Jahre anlernen, teils mit späterer Externenprüfung. Zusatzqualifikationen wie Baumaschinenschein, Führerschein C/CE, Schweißerprüfung für PE-Rohre oder der Nachweis für Verkehrssicherung erhöhen den Wert auf dem Arbeitsmarkt deutlich.
Was der Beruf verlangt
Die Belastung ist körperlich hoch und dauerhaft: Bordsteine wiegen bis über hundert Kilogramm und werden zu zweit oder mit Zange gesetzt, Pflastern geschieht knieend, Verdichtungsgeräte vibrieren, Presslufthammer und Asphaltfertiger sind laut und heiß. Gearbeitet wird bei Frost, Regen und in der Sommerhitze; im Winter kann es witterungsbedingte Ausfälle geben, abgefedert durch Saison-Kurzarbeitergeld. Die Arbeitszeit ist im Sommer länger als im Winter, Überstunden auf dem Arbeitszeitkonto sind normal. Montage mit Übernachtung kommt bei Fernleitungen und Autobahnbaustellen häufig vor. Baustellen an fließendem Verkehr sind gefährlich, ebenso ungesicherte Gräben und unbekannte Leitungen. Rücken, Knie und Gehör tragen über die Jahre Schäden davon, wenn nicht konsequent auf Hilfsmittel und Schutzausrüstung geachtet wird.
Aussichten
Die Nachfrage ist stabil und über den Konjunkturzyklus hinweg hoch. Kanalnetze, Wasserleitungen und Brücken sind in vielen Kommunen sanierungsbedürftig, der Ausbau von Glasfaser, Fernwärme und Stromnetzen bindet zusätzlich Tiefbaukapazitäten. Fachkräfte fehlen bundesweit, wer zuverlässig ist und Maschinen führen kann, findet leicht eine Stelle. Entwicklungswege führen über Vorarbeiter und Werkpolier zum geprüften Polier oder über die Meisterprüfung im Straßenbauer- oder Rohrleitungsbauerhandwerk. Von dort ist ein Studium im Bauingenieurwesen möglich, ebenso die Spezialisierung auf Vermessung, Kanalsanierung, Baumaschinenführung oder die Selbstständigkeit mit einem kleinen Erdbaubetrieb.