Was macht ein Scientist?
Die Bezeichnung Scientist wird in Deutschland vor allem in der industriellen Forschung verwendet, etwa in Pharma-, Biotech-, Chemie-, Lebensmittel- oder Halbleiterunternehmen, und bezeichnet dort eine wissenschaftliche Fachposition unterhalb der Projekt- oder Abteilungsleitung. Der Arbeitsalltag besteht aus dem Entwerfen von Versuchsreihen, dem Durchführen oder Betreuen von Experimenten, der Auswertung der Messdaten und dem Schreiben von Berichten. Wer molekularbiologisch arbeitet, kultiviert Zellen, führt PCR- und Sequenzierungsläufe durch und bewertet Assay-Ergebnisse. In der analytischen Chemie stehen Chromatographie und Massenspektrometrie im Mittelpunkt, in der Materialforschung Prüfstände und Mikroskopie. Zunehmend gehört Programmieren dazu: Auswertungsskripte in Python oder R, Statistik, Umgang mit Datenbanken und Laborinformationssystemen. Ein erheblicher Teil der Zeit fließt in Dokumentation, Besprechungen, Literaturrecherche und die Abstimmung mit anderen Abteilungen wie Qualitätssicherung, Produktion oder Zulassung.
Wie wird man Scientist?
Voraussetzung ist ein abgeschlossenes naturwissenschaftliches, ingenieurwissenschaftliches oder medizinnahes Studium, meist mit Master. Für Positionen mit eigenständiger Forschungsverantwortung wird in vielen Unternehmen und an allen Hochschulen eine Promotion erwartet, die in der Regel drei bis fünf Jahre dauert und häufig auf einer befristeten, teilzeitbezahlten Stelle absolviert wird. Ein Postdoc-Aufenthalt im Ausland verbessert die Aussichten in der akademischen Forschung, ist für die Industrie aber kein Muss. Quereinstiege aus benachbarten Fächern sind möglich, wenn Methodenkenntnisse belegt werden können; ohne akademischen Abschluss führt der Weg praktisch nicht in diese Position, wohl aber über eine Laborantenausbildung in die technische Assistenz.
Was der Beruf verlangt
Forschung liefert häufig keine Ergebnisse, und wenn, dann nicht die erwarteten. Frustrationstoleranz ist deshalb wichtiger als Begeisterung für ein Fachgebiet. Wer im Labor arbeitet, steht viel, hantiert mit Gefahrstoffen, Reizstoffen oder biologischem Material und muss Zellkulturen oder Versuchstiere auch am Wochenende versorgen. Feste Arbeitszeiten gibt es selten; Versuchsläufe bestimmen den Tag. In der Wissenschaft an Hochschulen und Instituten ist die Befristung von Verträgen die Regel, Kettenverträge über zehn Jahre und mehrfache Umzüge sind verbreitet, und der Anteil der Promovierten, die eine Dauerstelle erreichen, ist klein. In der Industrie sind die Verträge stabiler, dafür richtet sich die Arbeit an Projektzielen, Terminen und regulatorischen Vorgaben aus, nicht an eigener Neugier. Englisch ist Arbeitssprache, Publikations- und Präsentationsdruck gehören dazu.
Aussichten
Die Nachfrage ist fachabhängig. Gesucht werden vor allem Menschen, die nasse Laborarbeit mit Datenanalyse verbinden können, außerdem Fachleute für Zell- und Gentherapie, Prozessentwicklung, Formulierung und Analytik. In Feldern mit vielen Absolventen und wenigen Industriestellen, etwa in der reinen Grundlagenbiologie, ist die Konkurrenz hoch. Typische Entwicklungswege führen zum Senior Scientist, zur Leitung von Projekten oder Laboren, in die Zulassung, ins Qualitätsmanagement, in die medizinische oder technische Beratung, ins Patentwesen oder in die Wissenschaftskommunikation. Ein Wechsel aus der Hochschule in die Industrie ist gängig, der umgekehrte Weg deutlich seltener.