Was macht ein SAP Projekt Manager?
SAP-Projekte sind selten rein technische Vorhaben. Wenn ein Unternehmen von einem Altsystem auf S/4HANA wechselt, ändern sich Buchungslogiken, Lagerprozesse, Berichtswege und Zuständigkeiten. Der SAP Projektmanager hält dieses Vorhaben zusammen: Er zerlegt es in Phasen und Arbeitspakete, plant Aufwände, besetzt Teilprojekte mit internen Fachleuten und externen Beratern und verfolgt, ob die vereinbarten Ergebnisse zum vereinbarten Termin vorliegen.
Ein großer Teil der Arbeit ist Kommunikation. Der Fachbereich Rechnungswesen will einen Prozess so behalten, wie er ist, die Beratung empfiehlt den Standard, die IT sieht ein Schnittstellenproblem. Der Projektmanager moderiert diese Konflikte, bereitet Entscheidungen für den Lenkungskreis auf und dokumentiert, was beschlossen wurde. Dazu kommen Steuerung des Budgets, Nachverhandlungen mit Dienstleistern, Risikolisten, Testplanung, Migrationsfenster und die Begleitung des Go-live, der oft an einem Wochenende oder zum Monatswechsel liegt.
Wie wird man SAP Projekt Manager?
Der Beruf ist keine Ausbildung und kein Einstiegsberuf. Üblich ist ein Studium in Wirtschaftsinformatik, Betriebswirtschaft, Informatik oder Ingenieurwesen und danach mehrere Jahre in einem SAP-Umfeld: als Berater für ein Modul wie FI, CO, MM, SD oder SuccessFactors, als Entwickler mit ABAP-Kenntnissen oder als Key User im Fachbereich, der Prozesse aus der Anwendersicht kennt. Aus dieser Rolle wächst man in Teilprojektleitungen und später in die Gesamtverantwortung.
Quereinstieg gelingt regelmäßig über den Fachbereich: Wer im Controlling oder in der Logistik eine SAP-Einführung als Key User begleitet hat, bringt Prozesswissen mit, das schwer zu ersetzen ist. Zertifikate in Projektmanagement wie PRINCE2, PMP oder Scrum sowie SAP-Activate-Zertifizierungen sind verbreitet, ersetzen aber keine Projekterfahrung.
Was der Beruf verlangt
Die Verantwortung ist hoch und selten geteilt. Verzögerungen und Budgetüberschreitungen landen beim Projektmanager, auch wenn die Ursache in einer schlechten Datenqualität oder in einer verspäteten Entscheidung des Kunden liegt. Wer Konflikte meidet oder unangenehme Nachrichten aufschiebt, hält das nicht lange durch.
In der Beratung gehört Reisetätigkeit dazu, je nach Kunde mehrere Tage pro Woche, auch wenn Remote-Anteile zugenommen haben. Vor Go-lives und Jahresabschlüssen entstehen lange Wochen, Nachtschichten bei Migrationen sind nicht ungewöhnlich. Auf der Kundenseite im Industrieunternehmen ist der Rhythmus meist ruhiger, dafür sind Projekte oft langwierig und von interner Politik geprägt. Verlangt werden außerdem gutes Englisch, da Entwicklungsteams häufig im Ausland sitzen, und die Bereitschaft, sich alle paar Jahre auf neue SAP-Technologien einzulassen.
Aussichten
Die Nachfrage ist stabil hoch. Die Wartung älterer ECC-Systeme läuft aus, viele Mittelständler haben ihre Umstellung noch vor sich, und danach folgen Cloud-Migrationen, Erweiterungen und Integrationsprojekte. Erfahrene Projektmanager mit belastbaren Referenzen sind knapp.
Entwicklungswege führen zum Programmmanagement mit mehreren parallelen Projekten, zur Leitung eines Beratungsbereichs, in die IT-Leitung eines Unternehmens oder in die Selbstständigkeit als Interimsmanager, wo die Tagessätze hoch sind, aber ohne Auftragspolster auch Leerlauf entsteht.