Was macht ein SAP Inhouse Consultant EWM?
SAP Extended Warehouse Management, kurz EWM, ist das Modul, mit dem größere Unternehmen ihre Lager steuern: welche Ware auf welchen Lagerplatz kommt, in welcher Reihenfolge kommissioniert wird, wie Paletten zusammengestellt und Lieferungen verpackt und verladen werden. Ein Inhouse Consultant ist derjenige, der dieses System für den eigenen Arbeitgeber einrichtet und am Laufen hält. Er nimmt Anforderungen aus der Logistik auf, prüft, ob sie sich mit Standardfunktionen abbilden lassen, und konfiguriert Lagerstrukturen, Lagerprozessarten, Kommissionierstrategien und Ressourcenverwaltung im Customizing. Wo der Standard nicht reicht, schreibt er Spezifikationen für die Entwicklung und testet, was dabei herauskommt.
Ein großer Teil der Arbeit ist Fehlersuche. Wenn ein Lagerauftrag nicht auf dem Handscanner erscheint, eine Schnittstelle zur Fördertechnik hängt oder Bestände zwischen EWM und dem ERP-System auseinanderlaufen, klingelt das Telefon. Dazu kommen Projekte: neue Standorte anbinden, ein Lager von WM auf EWM umstellen, ein Release wechseln, die Anbindung an Materialflussrechner oder Transportmanagement erweitern. Zwischen Projektphasen und Tagesgeschäft wechselt der Beruf ständig.
Wie wird man SAP Inhouse Consultant EWM?
Ein geregelter Ausbildungsweg existiert nicht. Üblich ist ein Studium in Wirtschaftsinformatik, Logistik, Supply Chain Management, Betriebswirtschaft oder Informatik. Auch über eine Ausbildung zum Fachinformatiker oder eine kaufmännisch-logistische Ausbildung mit anschließender Weiterbildung führt ein Weg hinein. Entscheidend ist die Erfahrung mit dem Modul selbst, und die entsteht meist im Betrieb: viele beginnen als Key User in der Logistik, kennen die Lagerprozesse aus der Praxis und wachsen über Projekte in die Systembetreuung hinein. Andere kommen aus der Beratung eines SAP-Partners und wechseln bewusst in ein Unternehmen, um weniger zu reisen. SAP bietet Zertifizierungen an, gefordert werden sie selten, gern gesehen sind sie oft. Ohne Kenntnisse in ABAP-Grundlagen, Schnittstellentechnik und den angrenzenden Modulen MM, SD und TM bleibt die Arbeit schwierig.
Was der Beruf verlangt
Die Tätigkeit ist überwiegend Bürotätigkeit, teils im Homeoffice, aber sie hängt an einem Lager, das rund um die Uhr läuft. Go-Lives, Releasewechsel und Inventuren finden deshalb an Wochenenden und nachts statt, Rufbereitschaft ist in vielen Unternehmen Teil der Stelle. Steht das Lager, steht der Versand, und der Druck ist in diesen Stunden erheblich. Zwischen Logistikleitung, Betriebsrat, externen Dienstleistern und der eigenen IT muss vermittelt werden, oft mit widersprüchlichen Erwartungen. Wer nur programmieren oder nur beraten will, ist hier falsch: der Beruf verlangt beides und dazu Geduld für lange Dokumentationen und Testläufe. Standortreisen zu Werken und Distributionszentren gehören dazu, in internationalen Konzernen auch längere Aufenthalte im Ausland und Arbeit auf Englisch.
Aussichten
Die Nachfrage ist hoch und übersteigt seit Jahren das Angebot. Der Umstieg auf S/4HANA und die Ablösung des alten Moduls WM zwingen viele Unternehmen zu EWM-Projekten, gleichzeitig automatisieren Handel und Industrie ihre Lager weiter. Entwicklungswege führen zur Teil- oder Projektleitung, zur fachlichen Verantwortung für die gesamte Logistik-IT, zur Spezialisierung auf Automatisierung und Schnittstellen oder zurück in die externe Beratung, die besser zahlt und mehr Reisetätigkeit verlangt. Wer mehrere Module beherrscht, ist auf dem Arbeitsmarkt kaum ersetzbar.