Requirements Engineer
Requirements Engineers ermitteln, dokumentieren und verwalten die Anforderungen an Software- und Systemprojekte. Sie übersetzen fachliche Wünsche in eine Form, mit der Entwicklung und Test arbeiten können.
3 offene Stellen zu diesem Beruf im aktuellen Bestand.
Was man als Requirements Engineer verdient
| Erfahrung | Von | Median | Bis | Jahresbrutto | Verhältnis |
|---|---|---|---|---|---|
| Berufseinstieg | 3.600 € | 4.100 € | 4.800 € | 49.200 € | |
| Mit Berufserfahrung | 4.600 € | 5.400 € | 6.300 € | 64.800 € | |
| Mit langjähriger Erfahrung | 5.800 € | 6.800 € | 8.500 € | 81.600 € |
Am stärksten wirken Branche und Region: Automotive, Banken und Versicherungen zahlen deutlich über kleinen Softwarehäusern und der öffentlichen Verwaltung. Tarifgebundene Stellen richten sich nach dem Tarifvertrag der Metall- und Elektroindustrie oder dem TVöD beziehungsweise TV-L, wo die Einordnung meist um E 12 bis E 14 liegt.
Die Werte sind Orientierungswerte und keine amtliche Statistik. Sie sind aus öffentlich verfügbaren Erhebungen, Tarifwerken und Stellenanzeigen abgeleitet und auf volle Euro gerundet. Im Einzelfall entscheiden Betrieb, Tarifbindung, Region, Qualifikation und Verhandlung – die Abweichung nach oben wie nach unten kann erheblich sein.
Das Jahresbrutto ist das 12-fache des Monatswertes. Urlaubs- und Weihnachtsgeld sind nicht enthalten, weil sie sich von Branche zu Branche unterscheiden.
Das Berufsbild
Was macht ein Requirements Engineer?
Am Anfang eines Projekts steht selten eine klare Aufgabe, sondern ein Bündel aus Wünschen, Gewohnheiten, Gesetzestexten und widersprüchlichen Erwartungen. Requirements Engineers bringen das in Ordnung. Sie führen Interviews mit Fachabteilungen, beobachten Arbeitsabläufe, sichten bestehende Dokumentation und formulieren daraus Anforderungen, die prüfbar sind: Wer braucht was, unter welchen Bedingungen, und woran erkennt man, dass es erfüllt ist.
Der Arbeitsalltag besteht zu großen Teilen aus Gesprächen und Schreibarbeit. Workshops moderieren, User Stories und Akzeptanzkriterien formulieren, Prozesse in BPMN oder UML modellieren, Prototypen mit Nutzern durchspielen. Dazu kommt die Pflege: Anforderungen ändern sich, Abhängigkeiten müssen nachgezogen werden, jede Änderung wird nachvollziehbar dokumentiert. In regulierten Branchen wie Medizintechnik, Bahn oder Automotive ist diese Rückverfolgbarkeit vorgeschrieben und ein erheblicher Teil der Arbeit. Werkzeuge wie Jira, Polarion, DOORS oder Confluence gehören zum Handwerk.
Eine zweite Rolle ist die des Vermittlers. Fachabteilung und Entwicklung sprechen unterschiedliche Sprachen, und wo Anforderungen unklar bleiben, entstehen später teure Umbauten. Requirements Engineers klären Konflikte zwischen Beteiligten, priorisieren gemeinsam mit Product Ownern und sagen auch dann etwas, wenn eine Anforderung technisch nicht sinnvoll umsetzbar ist.
Wie wird man Requirements Engineer?
Der übliche Weg führt über ein Studium in Informatik, Wirtschaftsinformatik, Ingenieurwissenschaften oder einem fachnahen Gebiet. Ein zweiter, ebenso verbreiteter Weg ist der Quereinstieg aus der Fachlichkeit: Wer eine Domäne wirklich kennt, etwa Versicherung, Logistik oder Fahrzeugelektronik, und Genauigkeit im Formulieren mitbringt, wächst häufig aus einer Fachabteilung oder aus dem Test in die Rolle hinein. Auch Entwickler wechseln, wenn ihnen die Analyse näher liegt als das Programmieren.
Als Nachweis hat sich die Zertifizierung des IREB durchgesetzt, das Certified Professional for Requirements Engineering, häufig auf Foundation-Level, in Spezialisierungen darüber hinaus. Viele Stellenanzeigen nennen sie, verlangen sie aber nicht zwingend. Wichtiger ist meist die Kombination aus Methodenkenntnis, Branchenwissen und der Fähigkeit, Menschen die richtigen Fragen zu stellen.
Was der Beruf verlangt
Die Arbeit ist selten körperlich anstrengend und läuft in gewöhnlichen Bürozeiten, oft mit hohem Homeoffice-Anteil. Anstrengend ist etwas anderes: Requirements Engineers arbeiten dauerhaft zwischen Interessen. Sie tragen unangenehme Wahrheiten in beide Richtungen und stehen unter Druck, wenn Termine wackeln, während die Anforderungen noch offen sind. Wer Konflikten ausweicht, wird in dieser Rolle unglücklich.
Dazu gehört eine hohe Toleranz für Dokumentation. Ein großer Teil der Leistung ist Text, der später von anderen gelesen und geprüft wird, und Sorgfalt an dieser Stelle entscheidet über den Projekterfolg. In Beratungsunternehmen kommt Reisetätigkeit hinzu, teils mit mehreren Tagen pro Woche beim Kunden.
Aussichten
Die Nachfrage ist stabil und in regulierten Branchen sowie in großen Verwaltungsprojekten anhaltend hoch, weil unklare Anforderungen dort direkt Kosten und Haftungsrisiken verursachen. Sprachmodelle erleichtern das Formulieren und Prüfen von Anforderungen, ersetzen aber nicht das Erheben und Verhandeln mit Menschen.
Entwicklungswege führen zum Lead Requirements Engineer, zur Business-Analyse, in die Produktverantwortung als Product Owner, in die Systemarchitektur oder in die Projektleitung. Wer eine Domäne über Jahre durchdringt, wird als Fachexperte gesucht.
Aufgaben
- Anforderungen in Interviews und Workshops mit Fachbereichen erheben
- fachliche Wünsche als prüfbare Anforderungen und User Stories formulieren
- Geschäftsprozesse und Systemabläufe modellieren, etwa in BPMN oder UML
- Anforderungen priorisieren und mit Entwicklung und Test abstimmen
- Änderungen verwalten und die Rückverfolgbarkeit sicherstellen
- Prototypen und Abnahmekriterien mit Nutzern durchspielen
- Widersprüche zwischen Beteiligten klären und dokumentieren
Voraussetzungen
- Studium in Informatik, Wirtschaftsinformatik, Ingenieurwesen oder gleichwertige Berufserfahrung
- präzise schriftliche Ausdrucksfähigkeit in Deutsch, Englisch für Dokumentation und Normen
- Kenntnis von Modellierungsnotationen und Anforderungswerkzeugen wie Jira, DOORS oder Polarion
- Fähigkeit zu moderieren, nachzufragen und Konflikte auszuhalten
- Verständnis für die jeweilige Fachdomäne oder Bereitschaft, sie sich anzueignen
- IREB-Zertifizierung als häufig gewünschter Nachweis
Wo man arbeitet
- IT- und Softwarehäuser
- IT-Beratungen und Systemhäuser
- Industrieunternehmen mit eigener Entwicklung, etwa Automotive, Medizintechnik, Maschinenbau
- Banken, Versicherungen und Energieversorger
- öffentliche Verwaltung und deren IT-Dienstleister
Der Weg in den Beruf
Üblich ist ein Bachelor- oder Masterstudium in Informatik, Wirtschaftsinformatik oder einer Ingenieurdisziplin mit einer Dauer von sechs bis zehn Semestern. Der Einstieg erfolgt danach häufig als Junior Business Analyst oder im Projektteam, begleitet von der IREB-Zertifizierung CPRE Foundation Level. Quereinsteiger aus Fachabteilungen, Test oder Entwicklung qualifizieren sich über Praxiserfahrung und dieselben Zertifikate.
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Verwandte Berufe
Business Analyst
Business Analysten untersuchen Geschäftsprozesse, erheben Anforderungen von Fachabteilungen und übersetzen sie in Vorgaben für IT-Systeme oder Projekte. Sie arbeiten an der Schnittstelle zwischen Fachbereich und Technik.
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