Recruiting
Recruiter besetzen offene Stellen: Sie schreiben Anzeigen, sprechen Kandidaten aktiv an, führen Vorauswahl und Interviews und begleiten Bewerber bis zur Vertragsunterschrift. Der Beruf verbindet Vertrieb, Menschenkenntnis und Datenarbeit.
6 offene Stellen zu diesem Beruf im aktuellen Bestand.
Was man als Recruiting verdient
| Erfahrung | Von | Median | Bis | Jahresbrutto | Verhältnis |
|---|---|---|---|---|---|
| Berufseinstieg | 2.800 € | 3.300 € | 3.900 € | 39.600 € | |
| Mit Berufserfahrung | 3.600 € | 4.300 € | 5.200 € | 51.600 € | |
| Mit langjähriger Erfahrung | 4.800 € | 5.800 € | 7.500 € | 69.600 € |
Entscheidend sind Branche und Arbeitgebertyp: In der Personalberatung und Zeitarbeit ist ein erheblicher Teil des Einkommens variabel und provisionsabhängig, in Konzernen der Industrie zahlen Tarifverträge wie der der Metall- und Elektroindustrie deutlich über dem Durchschnitt, im öffentlichen Dienst richtet sich die Vergütung nach TVöD, meist zwischen E 9 und E 11.
Die Werte sind Orientierungswerte und keine amtliche Statistik. Sie sind aus öffentlich verfügbaren Erhebungen, Tarifwerken und Stellenanzeigen abgeleitet und auf volle Euro gerundet. Im Einzelfall entscheiden Betrieb, Tarifbindung, Region, Qualifikation und Verhandlung – die Abweichung nach oben wie nach unten kann erheblich sein.
Das Jahresbrutto ist das 12-fache des Monatswertes. Urlaubs- und Weihnachtsgeld sind nicht enthalten, weil sie sich von Branche zu Branche unterscheiden.
Das Berufsbild
Was macht Recruiting?
Recruiting beginnt nicht mit der Stellenanzeige, sondern mit dem Gespräch mit der Fachabteilung: Was soll die neue Person können, was ist verhandelbar, wie schnell muss es gehen. Daraus entsteht ein Anforderungsprofil und eine Anzeige, die auf Jobbörsen, im Karriereportal und in sozialen Netzwerken läuft. Kommen zu wenige Bewerbungen, was in vielen Berufen der Normalfall ist, geht die Suche in die aktive Ansprache: Profile in Netzwerken durchsuchen, Nachrichten schreiben, Absagen einsammeln, nachfassen.
Ein großer Teil des Tages besteht aus Telefoninterviews, Videogesprächen und der Abstimmung von Terminen zwischen Kandidaten und Führungskräften. Dazu kommt die Arbeit im Bewerbermanagementsystem: Status pflegen, Absagen versenden, Kennzahlen wie Zeit bis zur Einstellung oder Zahl der Bewerbungen pro Kanal auswerten. Recruiter verhandeln Gehälter, klären Eintrittstermine und übergeben an die Personaladministration. In Personalberatungen und bei Zeitarbeitsfirmen kommt Vertrieb hinzu: Kunden gewinnen, Aufträge verhandeln, Ziele erfüllen.
Wie wird man Recruiter?
Es gibt keinen geschützten Zugang. Der häufigste Weg führt über ein Studium in Psychologie, Betriebswirtschaft, Sozial- oder Wirtschaftswissenschaften, oft mit Schwerpunkt Personal. Ebenso verbreitet ist die Ausbildung als Kauffrau oder Kaufmann für Büromanagement oder im Personalwesen mit anschließender Weiterbildung zur Personalfachkauffrau. Viele kommen als Quereinsteiger aus dem Vertrieb, aus dem Kundenservice oder aus der Fachrichtung, für die sie später suchen. Wer IT-Stellen besetzt, profitiert stark von technischem Grundverständnis.
Besonders Personalberatungen und Zeitarbeitsfirmen stellen Berufsanfänger ohne einschlägige Erfahrung ein und schulen intern. Der Einstieg ist dort leicht, die Fluktuation aber hoch. Zertifikate zu Active Sourcing, Interviewtechnik oder Arbeitsrecht helfen beim Wechsel in Unternehmen.
Was der Beruf verlangt
Recruiting ist ein Zahlenberuf. Fast überall wird gemessen, wie viele Stellen besetzt wurden und wie lange es gedauert hat; in der Personalberatung hängt ein Teil des Einkommens direkt daran. Ablehnung gehört zum Alltag: Kandidaten antworten nicht, sagen kurz vor Vertragsschluss ab oder nehmen das bessere Angebot. Führungskräfte lehnen Profile ab, die man mühsam gewonnen hat, und erwarten trotzdem schnelle Besetzung.
Die Arbeitszeiten sind meist geregelt, Gespräche verschieben sich aber gern in den frühen Abend, weil Bewerber im Job stehen. Homeoffice ist verbreitet, Reisen zu Messen und Hochschulen kommen dazu. Wer keine Freude daran hat, Fremde anzusprechen und Gespräche zu führen, wird im Beruf nicht glücklich. Gleichzeitig braucht es Sorgfalt: Datenschutz, Gleichbehandlungsrecht und saubere Dokumentation sind Pflicht, nicht Beiwerk.
Aussichten
Die Nachfrage ist stabil, schwankt aber mit der Konjunktur deutlich stärker als in anderen Personalfunktionen. In Abschwüngen wird Recruiting als erstes gekürzt, in Wachstumsphasen zuerst aufgebaut. Langfristig sorgt der demografische Wandel dafür, dass qualifizierte Besetzung schwieriger und damit wertvoller wird.
Entwicklungswege führen zur Spezialisierung auf schwer besetzbare Felder wie IT, Medizin oder Ingenieurwesen, zur Leitung eines Recruiting-Teams, ins Employer Branding oder in die Rolle des HR Business Partners mit breiterer Personalverantwortung. Wer Vertrieb mag, geht in die Personalberatung, wo das Einkommen höher, aber unsicherer ist. Selbstständigkeit als Freelance-Recruiter ist möglich und verbreitet.
Aufgaben
- Anforderungsprofile mit Fachabteilungen abstimmen
- Stellenanzeigen texten und auf Kanälen ausspielen
- Kandidaten in Netzwerken suchen und direkt ansprechen
- Bewerbungen sichten und Vorauswahl treffen
- Telefon-, Video- und Vorstellungsgespräche führen
- Gehalt und Eintrittstermin verhandeln
- Bewerberdaten im System pflegen und Absagen versenden
- Kennzahlen zu Besetzungsdauer und Kanälen auswerten
Voraussetzungen
- Kaufmännische Ausbildung oder Studium, häufig BWL, Psychologie oder Sozialwissenschaften
- Sicheres Auftreten am Telefon und im Gespräch mit Fremden
- Gute schriftliche Ausdrucksfähigkeit für Anzeigen und Ansprachen
- Grundkenntnisse im Arbeitsrecht, Datenschutz und Gleichbehandlungsgesetz
- Belastbarkeit gegenüber Absagen und Zielvorgaben
- Englisch, wenn international gesucht wird
- Routine mit Bewerbermanagementsystemen und Tabellenkalkulation
Wo man arbeitet
- Personalabteilungen von Unternehmen und Konzernen
- Personalberatungen und Headhunting-Firmen
- Zeitarbeits- und Personaldienstleistungsunternehmen
- Öffentliche Verwaltung, Kliniken und Hochschulen
- Selbstständig als Freelance-Recruiter
Der Weg in den Beruf
Üblich ist ein drei- bis vierjähriges Bachelorstudium in BWL, Psychologie oder Sozialwissenschaften mit Personalschwerpunkt oder eine dreijährige kaufmännische Ausbildung, etwa als Kaufmann für Büromanagement, mit anschließender Weiterbildung zur Personalfachkauffrau. Quereinstieg ist möglich, besonders über Personalberatungen und Zeitarbeitsfirmen, die intern einarbeiten. Praktika oder Werkstudentenstellen im Recruiting erleichtern den Einstieg erheblich.
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