Was macht ein Projektleiter Schadensanierung?
Wenn ein Rohrbruch eine Wohnung unter Wasser setzt, ein Dachstuhl brennt oder in einem Keller Schimmel wächst, kommt nach den Einsatzkräften das Sanierungsunternehmen. Projektleiter in der Schadensanierung übernehmen den Fall von der ersten Besichtigung bis zur Übergabe. Sie fahren zum Objekt, dokumentieren den Schaden mit Fotos, Feuchtemessungen und Aufmaß, schätzen die Ursache ein und legen fest, welche Bauteile getrocknet, welche ausgebaut und welche ersetzt werden müssen.
Daraus entsteht ein Sanierungskonzept mit Kalkulation. Der Projektleiter beauftragt eigene Monteure, Trocknungstechniker und Nachunternehmer aus Estrich-, Maler-, Elektro- und Trockenbaugewerken, plant die Reihenfolge und überwacht Termine und Kosten. Parallel läuft die Kommunikation: mit dem Eigentümer oder Mieter, der Hausverwaltung, dem Versicherer und dessen Regulierer oder Sachverständigen. Ein großer Teil der Arbeit besteht darin, Leistungen so zu dokumentieren, dass die Versicherung sie anerkennt. Wer schlecht dokumentiert, bekommt Rechnungen gekürzt.
Dazu kommen Ortsbegehungen zwischen mehreren Baustellen am Tag, Kontrolle der Trocknungsprotokolle, Freigaben, Nachträge, Mängelabarbeitung und die Schlussrechnung. Bei Großschäden nach Unwettern oder Hochwasser kommen mehrere Dutzend Fälle gleichzeitig auf einen Projektleiter zu.
Wie wird man Projektleiter Schadensanierung?
Ein geregelter Ausbildungsberuf mit diesem Titel existiert nicht. Der übliche Weg führt über eine Bauausbildung, etwa Maurer, Trockenbaumonteur, Maler und Lackierer, Estrichleger, Anlagenmechaniker SHK oder Zimmerer, oft gefolgt von Meisterprüfung oder Weiterbildung zum Bautechniker. Auch Bauingenieure, Architekten und Absolventen des Bauingenieurwesens oder Facility Managements steigen ein. Quereinsteiger kommen aus der Versicherungsregulierung oder dem Sachverständigenwesen.
Fachlich ergänzen Zertifikatskurse die Grundlagen: Bauwerkstrocknung, Schimmelpilzsanierung nach den einschlägigen Regelwerken, Brandschadensanierung, Gefahrstoffkenntnisse nach TRGS 519 für Asbest sowie Kalkulationssoftware und branchenübliche Schadenportale. Viele Sanierungsunternehmen bilden intern weiter und lassen Berufseinsteiger zunächst als Bauleiter mitlaufen.
Was der Beruf verlangt
Der Alltag ist unruhig. Schäden kündigen sich nicht an, Bereitschaftsdienste und Wochenendeinsätze gehören bei vielen Unternehmen dazu, besonders nach Starkregen und Sturm. Die Objekte sind oft unangenehm: nasse Keller, verrauchte Wohnungen, Kanalschäden mit Fäkalwasser, Schimmelbefall, Todesfälle in Wohnungen. Ein Teil der Arbeit findet in Schutzausrüstung statt.
Emotional fordernd sind die Bewohner. Menschen, deren Wohnung unbewohnbar ist, sind angespannt, und der Projektleiter ist die Person, an der sich das entlädt, auch wenn die Versicherung entscheidet oder Handwerker ausfallen. Dazu kommt Kostendruck: Versicherer prüfen Positionen genau, gleichzeitig soll die Marge stimmen. Wer Konflikte schlecht aushält oder Dokumentation als Nebensache betrachtet, wird in diesem Beruf nicht glücklich. Ein Führerschein und viel Fahrzeit sind selbstverständlich.
Aussichten
Die Nachfrage ist stabil und wächst eher, weil Extremwetterereignisse zunehmen und der Gebäudebestand altert. Sanierungsunternehmen und Versicherungsdienstleister suchen dauerhaft erfahrene Projektleiter; die Fluktuation ist wegen der Belastung nicht gering. Entwicklungswege führen zur Niederlassungs- oder Betriebsleitung, in die Spezialisierung auf Groß- und Industrieschäden, ins Sachverständigenwesen oder zur Schadensteuerung auf Versicherungsseite. Mit Meisterbrief und Kundenkontakten ist auch ein eigener Sanierungsbetrieb möglich.