Was macht ein Projektingenieur Elektrotechnik?
Im Mittelpunkt steht ein Projekt: eine Schaltanlage für ein Rechenzentrum, die Elektroinstallation eines Klinikneubaus, die Umrüstung einer Fertigungslinie, eine Photovoltaikanlage mit Speicher. Der Projektingenieur oder der als Projektleiter eingesetzte Elektromeister nimmt die Anforderungen des Kunden auf, legt Netze, Verteilungen, Kabelquerschnitte und Schutzeinrichtungen aus, erstellt Stromlaufpläne oder lässt sie erstellen und prüft sie. Er kalkuliert Material und Montagestunden, schreibt Angebote, holt Preise bei Herstellern ein und vergibt Nachunternehmerleistungen.
In der Ausführungsphase verschiebt sich die Arbeit: Terminpläne fortschreiben, Baustellen begehen, mit Architekten, TGA-Planern und der Bauleitung koordinieren, Behinderungen anzeigen, Nachträge begründen, Mängel nachverfolgen. Am Ende stehen Messprotokolle nach DIN VDE 0100-600, Funktionsprüfungen, Einweisung des Betreibers, Dokumentation und Abnahme. Ein erheblicher Teil des Tages besteht aus E-Mails, Besprechungen und Kostencontrolling - Technik allein füllt den Beruf nicht.
Wie wird man Projektingenieur Elektrotechnik?
Der klassische Weg ist ein Bachelor- oder Masterstudium der Elektrotechnik, Energietechnik, Automatisierungstechnik oder Gebäudetechnik an Hochschule oder Universität, sechs bis zehn Semester. Wer über die Praxis kommt, absolviert die Ausbildung zum Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik oder Betriebstechnik, arbeitet einige Jahre auf Baustellen oder in der Instandhaltung und legt dann die Meisterprüfung ab oder die Weiterbildung zum staatlich geprüften Techniker. Beide Wege führen in dieselben Stellen; Meister und Techniker bringen oft mehr Montageerfahrung mit, Ingenieure mehr Rechen- und Normenkenntnis.
Erwartet werden außerdem sichere Kenntnisse der VDE-Normen, Umgang mit CAD- und Kalkulationssoftware wie EPLAN, WSCAD oder Branchenprogrammen für Aufmaß und Angebot, meist auch VOB-Grundlagen und Englisch. Der Führerschein ist praktisch Pflicht.
Was der Beruf verlangt
Die Arbeit ist überwiegend Tagesdienst, aber Termindruck ist der Normalzustand. Wenn die Inbetriebnahme steht, wird länger gearbeitet, gelegentlich am Wochenende oder in Betriebsferien, weil die Anlage nur dann abgeschaltet werden kann. Reisetätigkeit zu Baustellen und Kunden gehört dazu, im Anlagenbau auch mehrtägig. Belastend ist weniger die körperliche Seite als die Verantwortung: Fehler in der Auslegung kosten Geld, Fehler in der Sicherheit können Menschen gefährden. Konflikte mit Nachunternehmern, unvollständige Planungsunterlagen und Kunden, die während der Ausführung Wünsche ändern, sind Alltag. Wer Dokumentation und Schriftverkehr als lästig empfindet, wird in dieser Rolle unglücklich.
Aussichten
Die Nachfrage ist hoch und stabil. Netzausbau, Ladeinfrastruktur, Photovoltaik, Wärmepumpen, Rechenzentren und Automatisierung binden mehr elektrotechnisches Personal, als der Markt hergibt; gleichzeitig gehen erfahrene Jahrgänge in Rente. Wechsel zwischen Elektroinstallationsbetrieb, Planungsbüro, Industrie und Energieversorger sind ohne Bruch möglich.
Entwicklungswege führen zur Gesamtprojektleitung großer Bauvorhaben, zur Fachbauleitung, in den technischen Vertrieb, in die Niederlassungs- oder Abteilungsleitung. Wer sich auf gefragte Nischen spezialisiert - Mittelspannung, funktionale Sicherheit, Gebäudeautomation, Zertifizierung von Erzeugungsanlagen -, verhandelt deutlich besser. Für Meister ist auch der Schritt in die Selbstständigkeit mit eigenem Betrieb realistisch.