Was macht ein Projektingenieur Bahnplanung und Verkehrsinfrastruktur?
Die Arbeit beginnt meist mit einer Aufgabenstellung des Auftraggebers: Eine Strecke soll elektrifiziert, ein Bahnhof barrierefrei umgebaut, ein Bahnübergang durch eine Unterführung ersetzt werden. Der Projektingenieur wertet Bestandsunterlagen aus, lässt vermessen und Baugrund untersuchen und entwickelt Varianten. Daraus entstehen Gleis- und Trassierungsplanungen, Höhen- und Lagepläne, Querschnitte, Massenermittlungen und Kostenschätzungen nach den Leistungsphasen der HOAI.
Ein großer Teil des Alltags ist Koordination. Oberbau, Leit- und Sicherungstechnik, Oberleitung, Bahnstromversorgung, Konstruktiver Ingenieurbau, Entwässerung, Straßenbau, Umwelt- und Schallgutachten müssen zusammenpassen. Der Projektingenieur führt die Fachbeiträge zusammen, prüft Schnittstellen, verfolgt Termine und Kosten und bereitet Planunterlagen für Planfeststellung oder Plangenehmigung beim Eisenbahn-Bundesamt vor. Dazu kommen Abstimmungen mit Kommunen, Netzbetreibern, Leitungsträgern und Anwohnern, Erörterungstermine, Vergabeunterlagen und in der Bauphase Nachtragsprüfung und Baubegleitung. Gearbeitet wird in CAD- und Fachanwendungen wie AutoCAD Civil 3D, ProVI, CARD/1 oder Vectorworks, zunehmend mit BIM-Modellen.
Wie wird man Projektingenieur Bahnplanung und Verkehrsinfrastruktur?
Üblich ist ein Studium des Bauingenieurwesens mit Schwerpunkt Verkehrswegebau, dazu passen auch Verkehrsingenieurwesen, Bahningenieurwesen oder Geodäsie. Bachelor genügt für den Einstieg, der Master ist bei größeren Planungsgesellschaften und im öffentlichen Dienst verbreitet. Das Bahnspezifische lernt man im Betrieb: Regelwerke der Deutschen Bahn, die Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung, Trassierungsparameter, Bauen unter Betrieb. Wer aus dem Straßen- oder Tiefbau kommt, wechselt oft nach wenigen Jahren in die Bahnplanung, weil der Personalbedarf hoch ist. Für Ingenieure ohne Studium ist der Weg über eine Technikerausbildung im Bauwesen und lange Praxis möglich, meist mit anderer Stellenbezeichnung.
Was der Beruf verlangt
Bahnprojekte dauern lange. Zwischen erster Skizze und Inbetriebnahme liegen häufig zehn Jahre und mehr; wer schnelle Ergebnisse braucht, wird damit nicht glücklich. Regelwerke sind dicht und ändern sich, Genehmigungsverfahren sind formal streng, ein Fehler in der Planfeststellungsunterlage kostet Monate. Der Umgang mit Widerständen aus der Öffentlichkeit gehört dazu, ebenso Termindruck kurz vor Abgabefristen und Nachtragsstreit in der Bauphase.
Die Arbeit ist überwiegend Bürotätigkeit mit Dienstreisen zu Baustellenbefahrungen und Besprechungen; Sperrpausen liegen häufig nachts oder am Wochenende, sodass gelegentliche Nacht- und Wochenendeinsätze anfallen. Für Begehungen im Gleisbereich sind eine bahnbetriebliche Sicherheitsunterweisung und körperliche Eignung nötig. Regelarbeitszeit und Gleitzeit sind die Norm, Überstunden in Projektspitzen ebenfalls.
Aussichten
Die Nachfrage ist hoch und bleibt es voraussichtlich über Jahre: Generalsanierung von Korridoren, Digitale Schiene, Elektrifizierung, Reaktivierung von Nebenstrecken und Brückenerneuerung binden große Kapazitäten, während viele erfahrene Planer in Rente gehen. Wer sich einarbeitet, hat gute Wechselmöglichkeiten zwischen Ingenieurbüros, Bahnkonzern, Verkehrsverbünden und Aufsichtsbehörden. Entwicklungswege führen zur Projektleitung, zur Fachbauleitung, in die Oberbauleitung oder zur Spezialisierung auf Leit- und Sicherungstechnik, BIM-Koordination oder Genehmigungsmanagement. Ein eigenes Büro oder eine Prüfingenieurtätigkeit sind nach langer Praxis möglich.