Was macht ein Zusteller für Briefe?
Der Arbeitstag beginnt meist zwischen sechs und sieben Uhr im Zustellstützpunkt. Dort wird die vorsortierte Post für den eigenen Bezirk übernommen und in Gangfolge gebracht, also in genau die Reihenfolge, in der später die Häuser abgelaufen werden. Dazu kommen Einschreiben, Nachnahmen, Rückscheine und kleine Pakete, die gesondert erfasst werden. Nach ein bis drei Stunden Sortierarbeit geht es auf den Bezirk, zu Fuß mit Rollbehälter, mit dem Fahrrad, dem E-Bike oder dem Zustellfahrzeug.
Auf der Tour werden Briefkästen befüllt, Sendungen an der Haustür übergeben, Unterschriften auf dem Handscanner eingeholt und Benachrichtigungskarten hinterlassen, wenn niemand öffnet. Falsch adressierte Post wird zurückgeführt, Nachsendeaufträge müssen im Kopf oder im Gerät präsent sein. Am Ende des Tages werden nicht zugestellte Sendungen, Bargeld aus Nachnahmen und das Gerät wieder im Stützpunkt abgegeben.
Wie wird man Zusteller für Briefe?
Für die Briefzustellung gibt es keine eigene Ausbildung. Eingestellt wird ohne formalen Abschluss, verlangt werden gute Deutschkenntnisse, ein einwandfreies Führungszeugnis und je nach Bezirk der Führerschein der Klasse B. Die Einarbeitung dauert wenige Tage bis zwei Wochen und läuft als Begleitung eines erfahrenen Zustellers auf dem Bezirk. Wer eine Ausbildung sucht, kann die dreijährige Lehre zur Fachkraft für Kurier-, Express- und Postdienstleistungen absolvieren, die auch Disposition, Kundenberatung und Abrechnung abdeckt. Der Quereinstieg ist der Regelfall: Viele kommen aus Handel, Gastronomie oder Lager, oft zunächst befristet oder in Teilzeit.
Was der Beruf verlangt
Die Arbeit ist körperlich. Zehn bis fünfzehn Kilometer am Tag, Treppen, ein Rollbehälter mit spürbarem Gewicht, dazu Regen, Glätte, Hitze. Rücken, Knie und Schultern merken das nach Jahren. Der frühe Beginn bedeutet Aufstehen um vier oder fünf Uhr; dafür ist der Nachmittag frei. Samstagsarbeit gehört dazu, Sonntage in der Regel nicht.
Der Zeitdruck ist real: Bezirke sind eng kalkuliert, bei Krankheitsausfällen werden Touren zusammengelegt, Überstunden sind verbreitet. Hunde, verstellte Hauseingänge, unleserliche Namensschilder und gelegentlich unfreundliche Empfänger gehören zum Alltag. Wer Selbstständigkeit mag, findet dagegen einen Beruf mit wenig Kontrolle im Nacken und viel Bewegung an der frischen Luft. Ortskenntnis und ein gutes Gedächtnis für Namen und Hausnummern machen den Unterschied zwischen einer Tour, die um halb drei endet, und einer, die sich bis in den späten Nachmittag zieht.
Aussichten
Das Briefvolumen sinkt seit Jahren, das Paketvolumen steigt. Reine Briefzustellung wird deshalb zunehmend mit Paketzustellung zu Verbundtouren zusammengelegt, was die Bezirke schwerer und die Fahrzeuge größer macht. Trotzdem wird durchgehend eingestellt, weil die Fluktuation hoch ist und viele Beschäftigte den körperlichen Anforderungen langfristig nicht standhalten. Wer bleibt, kann Springer für mehrere Bezirke werden, in die Verbundzustellung wechseln oder als Teamleiter beziehungsweise Zustellstützpunktleiter Verantwortung für Personaleinsatz und Tourenplanung übernehmen. Eine abgeschlossene Ausbildung im Postbereich erleichtert diesen Schritt, ebenso ein Wechsel in Disposition oder Logistiksteuerung.