Was macht ein Planer Elektrotechnik?
Bevor in einem Gebäude ein Kabel verlegt wird, muss festgelegt sein, wo es verläuft, welchen Querschnitt es hat und welche Last es tragen soll. Genau das ist die Arbeit von Planern der Elektrotechnik. Sie entwickeln Konzepte für Mittel- und Niederspannungsverteilung, Beleuchtung, Blitzschutz, Brandmelde- und Sicherheitsanlagen, Datennetze und zunehmend für Photovoltaik, Speicher und Ladeinfrastruktur.
Der Alltag besteht aus Berechnungen und Zeichnungen. Netzberechnungen zur Kurzschlussfestigkeit und Selektivität, Beleuchtungsberechnungen nach Arbeitsstättenrichtlinie, Kabeldimensionierung, Bilanzen zur Anschlussleistung. Die Ergebnisse fließen in Pläne, die in CAD oder als BIM-Modell entstehen, sowie in Leistungsverzeichnisse, mit denen der Bauherr Angebote einholt. Dazu kommt Abstimmung: mit Architekten über Schachtgrößen, mit den Planern für Heizung und Lüftung über Anschlusspunkte, mit Prüfsachverständigen über Nachweise, mit ausführenden Firmen über Details. Wer auch die Bauüberwachung übernimmt, ist regelmäßig auf der Baustelle, prüft Ausführung und Aufmaße und dokumentiert Mängel.
Wie wird man Planer Elektrotechnik?
Der häufigste Weg ist ein Studium der Elektrotechnik, der Gebäudetechnik oder der Energietechnik an einer Hochschule, meist als Bachelor in sechs bis sieben Semestern. Ebenso verbreitet ist der Aufstieg über die Praxis: Ausbildung als Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik, danach Technikerschule oder Meisterprüfung. Technische Systemplaner der Fachrichtung Elektrotechnische Systeme steigen nach der dreijährigen Ausbildung direkt in Planungsbüros ein und übernehmen mit Erfahrung eigene Projekte. Quereinsteiger aus der Montage oder dem Anlagenbau werden eingestellt, wenn sie Normkenntnis und Zeichensicherheit mitbringen. Entscheidend im Berufsleben bleibt die Vertrautheit mit dem Regelwerk, vor allem VDE 0100, DIN 18015, den Landesbauordnungen und der HOAI.
Was der Beruf verlangt
Die Arbeit ist überwiegend Bürotätigkeit am Bildschirm und verlangt Geduld für Details, die niemand sieht, solange sie stimmen. Fehler in der Planung werden auf der Baustelle teuer, deshalb liegt ein hoher Anspruch auf Sorgfalt und Dokumentation. Termindruck ist üblich: Bauzeitenpläne verschieben sich, Planungsstände ändern sich spät, und Nachträge müssen kurzfristig gerechnet werden. In Stoßphasen fallen Überstunden an, in vielen Büros sind sie eingeplant.
Dazu kommt Konfliktarbeit. Zwischen Bauherrenwünschen, Kostenrahmen und normativen Pflichten liegen oft Widersprüche, die der Planer benennen und lösen muss. Wer nur zeichnen und nicht verhandeln will, tut sich damit schwer. Baustellenbesuche bedeuten Rohbauklima, Staub und Leitern. Reisetätigkeit hält sich meist im regionalen Rahmen, kann bei Industrieprojekten aber deutlich größer sein.
Aussichten
Die Nachfrage ist hoch und stabil. Energiewende, Rechenzentren, Ladeinfrastruktur, Netzausbau und die Sanierung des Gebäudebestands brauchen Planungskapazität, während viele Büros Stellen über Monate nicht besetzt bekommen. Entwicklungswege führen zur Projektleitung, zur Fachbauleitung, zur Spezialisierung auf Photovoltaik, Sicherheitstechnik oder BIM-Koordination. Mit Berufserfahrung und entsprechender Qualifikation ist die Anerkennung als Prüfsachverständiger für elektrotechnische Anlagen möglich, ebenso der Schritt in ein eigenes Ingenieurbüro. Wechsel in die Industrie, zu Netzbetreibern oder auf Bauherrenseite sind gängig.