Was macht eine Pflegefachfrau?
Der Arbeitstag beginnt in der Regel mit der Übergabe: Was ist in der Nachtschicht passiert, wer hat Fieber, wer wird heute operiert, wer entlassen. Danach folgt die Grundpflege - Waschen, Betten, Lagern, Unterstützung beim Essen -, dazu die Behandlungspflege: Blutdruck, Puls und Blutzucker messen, Medikamente stellen und verabreichen, Infusionen anhängen, Injektionen setzen, Verbände wechseln, Katheter legen, Wunden versorgen und dokumentieren. Pflegefachkräfte erstellen Pflegeplanungen, beobachten Krankheitsverläufe und melden Veränderungen an die Ärzte. Sie assistieren bei Untersuchungen, bereiten Patienten auf Eingriffe vor und begleiten Sterbende.
Ein erheblicher Teil der Arbeit besteht aus Gesprächen: mit verwirrten Menschen, mit Angehörigen, die Auskunft wollen, mit Kollegen aus Therapie und Sozialdienst. Dazu kommt Dokumentation, oft mehr als erwartet. In der ambulanten Pflege sieht der Tag anders aus: eine festgelegte Tour, Fahrten von Wohnung zu Wohnung, Pflege unter den Bedingungen, die das Zuhause hergibt.
Wie wird man Pflegefachfrau?
Über die dreijährige generalistische Ausbildung nach dem Pflegeberufegesetz, die 2020 die früheren Ausbildungen in Krankenpflege, Kinderkrankenpflege und Altenpflege zusammengeführt hat. Sie findet an einer Pflegeschule statt, mit praktischen Einsätzen in Krankenhaus, Langzeitpflege, ambulantem Dienst, Pädiatrie und Psychiatrie. Voraussetzung ist ein mittlerer Schulabschluss oder ein Hauptschulabschluss plus abgeschlossene Berufsausbildung, etwa als Pflegefachassistenz. Die Ausbildung ist vergütet, Schulgeld darf nicht erhoben werden.
Daneben gibt es ein primärqualifizierendes Pflegestudium, das nach etwa vier Jahren mit Bachelor und Berufszulassung endet. Quereinsteiger mit ausländischem Pflegeabschluss brauchen eine Anerkennung, meist mit Sprachnachweis auf B2-Niveau und Kenntnisprüfung oder Anpassungslehrgang.
Was der Beruf verlangt
Schichtdienst, auch nachts, an Wochenenden und Feiertagen. Körperliche Belastung durch Heben, Umlagern und langes Stehen, häufig Rückenprobleme im Berufsverlauf. Kontakt mit Ausscheidungen, Blut, Gerüchen. Personalmangel prägt viele Stationen: Zeitdruck, Einspringen aus dem Frei, Arbeit am unteren Rand dessen, was man selbst für gute Pflege hält. Das ist für viele die eigentliche Belastung, stärker als die körperliche.
Dazu emotionale Nähe zu Leid, Demenz, Tod. Wer damit dauerhaft umgehen will, braucht Abgrenzungsfähigkeit und ein Team, das trägt. Verlangt werden außerdem Genauigkeit bei Medikamenten, Ruhe in Notfällen und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen - Pflegefachkräfte handeln in vielen Situationen allein.
Aussichten
Die Nachfrage ist bundesweit hoch und wird durch die Alterung der Bevölkerung weiter steigen. Wer ausgebildet ist, findet praktisch überall eine Stelle, häufig mit Wahl zwischen Klinik, Heim, ambulantem Dienst, Rehabilitation oder Hospiz. Diese Marktlage verbessert die Verhandlungsposition, ändert aber nichts an der Arbeitsverdichtung.
Entwicklungswege gibt es viele: Fachweiterbildungen für Intensiv- und Anästhesiepflege, Onkologie, Psychiatrie oder Operationsdienst, Zusatzqualifikationen in Wundmanagement, Palliativpflege oder Praxisanleitung. Wer führen will, geht über die Weiterbildung zur Stationsleitung oder ein Studium in Pflegemanagement. Auch Lehre an Pflegeschulen, Beratung bei Kassen und Tätigkeiten im Qualitätsmanagement stehen offen. Die Abbruch- und Ausstiegsquoten im Beruf sind hoch, was die Chancen für Bleibende erhöht, aber auch etwas über die Bedingungen sagt.